Wirtschaft

Brötchen aus dem Solarium? Bäcker greifen Aldi an

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Für den Bäckerverband geht es letztendlich um eine Tradition aus mehr als 7000 Jahren. Am Ende entscheidet jedoch der Verbraucher, ob sich das Aldi-Brötchen durchsetzt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Deutschlands Bäcker gehen juristisch gegen den Discounter Aldi vor: Die Branche verklagt die Supermarktkette, weil diese nach Ansicht der Bäcker irreführend für Brot und Brötchen aus den Backautomaten in ihren Filialen wirbt. Aldi verspricht seinen Kunden, "den ganzen Tag Brot und Brötchen" zu backen, die Ware sei "frisch aus dem Ofen". Doch wie aus der Klageschrift des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks hervorgeht, wärmt Aldi Süd nach Ansicht der Bäcker Brot und Brötchen nur auf - und backt sie nicht. Auch soll der Discounter bei einzelnen Produkten die branchenüblichen Mindestmengen für Mehl und Getreide nicht einhalten.

Schon seit Monaten ist Aldi Süd dabei, den Markt für Backwaren neu aufzurollen und installiert in seinen 1770 Filialen in Süd- und Westdeutschland Backautomaten. Nach und nach sollen alle Filialen mit den Geräten ausgestattet werden. Bei den Backshops handelt es sich um Back- und Warenausgabeautomaten, aus denen Kunden ofenwarmes Brot bekommen. Dafür müssen sie nur einen Knopf drücken und kurze Zeit warten - dann kommt die Ware. Was aber tatsächlich mit Brot und Brötchen passiert, sieht der Kunde nicht, weil der eigentliche Ofen außerhalb des Verkaufsraums steht.

Was Aldi mit Broten und Brötchen macht, ist laut Klageschrift der Bäcker kein wirkliches Backen. Tatsächlich würden "fertig oder vorgebackene Backwaren nur erhitzt und/oder gebräunt". Die sogenannten Backautomaten dienten nur "zum Erwärmen von vorgebackenen beziehungsweise fertigen Broten und Brötchen". Aus Sicht der Einkäufer werde aber an keiner Stelle deutlich, "dass tatsächlich ein Großbackunternehmen die wesentlichen Backschritte weit entfernt von den Filialen industriell vornimmt". Aldi-Lieferant ist die Großbäckerei Lieken.

Angst vor der Masse

Der Ärger der Bäcker entzündet sich aber auch am Inhalt der Backwaren selbst. Nach Ansicht des Zentralverbandes, der nach eigenen Angaben 14.500 Bäckereien und 291.000 Beschäftigte vertritt, enthalten einzelne Brotsorten nicht die branchenüblichen Mindestmengen für Mehl und Getreide.

Konkret geht es den Bäckern um das Roggenmischbrot "Unser Rustikales" und das Dinkelvollkornbrot "Unser Uriges". Auf Handzetteln für Kunden warb Aldi damit, dass das Roggenmischbrot aus dem Backshop 34 Prozent Roggenmehl enthält, das Dinkelvollkornbrot 42 Prozent. Das Deutsche Lebensmittelbuch sieht für Roggenmischbrot aber einen Roggenmehlanteil zwischen 50 und 90 Prozent vor, für Dinkelvollkornbrot einen Anteil von mindestens 90 Prozent Dinkelerzeugnissen.

Beim Lebensmittelbuch handelt es sich allerdings nicht um rechtliche Normen. Vielmehr ist es eine Sammlung von Leitsätzen für die Herstellung und die Beschaffenheit von Nahrung. Diese sollen die Gepflogenheiten unter Herstellern und Händlern wiedergeben und auch die Erwartungen der Verbraucher spiegeln.

Beim zuständigen Landgericht Duisburg lag die Klageschrift zunächst nicht vor. Auch von Aldi Süd war zunächst keine Stellungnahme zu dem juristischen Vorstoß der Bäcker zu erhalten. Jedoch ist kaum zu erwarten, dass der Discount-Riese klein bei geben wird.

Schon vor der Klage hatte der Bäckerverband versucht, Aldi mit einer Unterlassungserklärung dazu zu bewegen, auf die nach Ansicht der Bäcker irreführenden Aussagen in seiner Brot-Werbung zu verzichten. Doch die Aldi-Anwälte konterten: Die Befürchtung des Bäckerverbandes, Verbraucher könnten annehmen, Aldi "backe selbst, können wir nicht nachvollziehen".

Es sei "allgemein bekannt", dass die Backwaren von Aldi "vollständig" bei Lieken gebacken und bei Aldi nur aufgebacken werden. Auch seien Abweichungen von den Inhaltsangaben für Mehl und Getreide "ohne Weiteres möglich". So dürfen sich die Bäcker auf eine harte Auseinandersetzung einstellen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa