Wirtschaft

Neuer Service kommt Bahn-App warnt vor vollen Zügen

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Über die App der Bahn kann sich der Kunde über die Belegung seiner gewählten Zugverbindung informieren.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Ab dieser Woche will die Bahn offenbar wieder mehr Züge als in den vergangenen Monaten einsetzen, da die Nachfrage nach Zugtickets immer weiter steigt. Verbindungen mit hoher Auslastung sollen den Bahnkunden in der App angezeigt werden.

Aufgrund der Corona-Krise sind die Fahrgastzahlen bei der Deutschen Bahn in den vergangenen Monaten um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Doch seit den Lockerungen der Beschränkungen fahren auch wieder mehr Menschen mit dem Zug. Wie der "Spiegel" berichtet, will das Unternehmen jetzt mithilfe seiner App sowie der Buchungsseite den Passagierfluss besser steuern, um in den kommenden Wochen enge Situationen in den Zügen zu vermeiden.

Dafür wurden die App "Bahn-Navigator" und die Internetseite so gestaltet, dass Nutzer bald Züge mit einer Auslastung von 50 Prozent und mehr angezeigt bekommen. So können sie möglicherweise auf weniger frequentierte Verbindungen wechseln. Damit soll verhindert werden, dass die Menschen zu dicht gedrängt reisen müssen.

Nehmen die Reservierungen auf einer bestimmten Verbindung dennoch weiter zu, verhindern die App und das Buchungssystem auf bahn.de künftig, dass dieser Zug noch gebucht und reserviert werden kann. Diese Funktion soll in den kommenden Tagen freigeschaltet werden, wie der "Spiegel" aus Konzernkreisen erfuhr.

Keine Reservierungspflicht

Einige Verkehrspolitiker hatten zuletzt eine generelle Reservierungspflicht gefordert, doch das Bahn-Management entschied sich dagegen. Wer zum Bahnhof geht, kann auch weiterhin in einen vollen Zug einsteigen, für den die App keine Fahrkarte mehr verkauft oder eine Reservierung vornimmt.

Auch wird es möglich sein, Sitzplätze nebeneinander zu reservieren, statt wie empfohlen immer einen Sitzplatz pro Reisendem freizuhalten. Das hätte es Familien unmöglich gemacht, nebeneinander zu sitzen, so das Argument des Managements. Die Bahn setzt stattdessen auf eine verstärkte Desinfizierung der Züge und stellt sogar selbst die benötigten Mittel her. Auch wird Desinfektionsspray an den Bahnhöfen angeboten. Zudem empfiehlt das Unternehmen, in den Zügen und im Bahnhof Schutzmasken zu tragen. In manchen Bundesländern ist das sogar Pflicht, doch nicht überall halten sich Kunden an diese Regel.

Die Bahn hat in den vergangenen Monaten mit den leeren Zügen hohe Verluste eingefahren. Bis zum Jahr 2024 könnte ein Fehlbetrag von über zehn Milliarden Euro entstehen. Das hatte das Unternehmen Anfang des Monats Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mitgeteilt. Deshalb will die Bundesregierung das Eigenkapital der Bahn erhöhen und die Verschuldungsgrenze von derzeit rund 25 Milliarden Euro aufheben, damit sich die Bahn neues Geld an den Finanzmärkten besorgen kann. Geplant sind aber auch Einsparungen an Sach- und Personalausgaben. Die Gewerkschaften befürchten die Entlassung von 10.000 Mitarbeitern und haben Widerstand angekündigt.

Quelle: ntv.de, nan