Wirtschaft

Blackbox oder Investmentchance? Bankaktien kommen wieder

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Das Fernglas richtet sich auf die Bankentürme in Frankfurt: Lohnt sich der Einstieg wieder?

(Foto: picture alliance / dpa)

Anleger haben lange Zeit einen weiten Bogen um Bankaktien gemacht. Vor allem in Europa bieten die niedrigen Bewertungen aber deutliches Kurspotenzial.

Auf Sicht von drei Jahren sind europäische Bankaktien, gemessen am Euro Stoxx Banks, fast 20 Prozent schlechter gelaufen als der breite Markt. Seit Anfang des Jahres holen die Finanzwerte aber wieder auf. Anleger mit hoher Risikobereitschaft bauen erste Positionen auf. Denn die Aktien von börsennotierten Kreditinstituten sind in Europa derzeit teilweise unter ihrem Buchwert zu haben und damit historisch preiswert. Verglichen mit amerikanischen Bankaktien notieren sie sogar mit einem Abschlag von rund 50 Prozent.

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Diese deutlichen Bewertungsunterschiede bestehen natürlich nicht ohne Grund. Nach der Finanzkrise setzten die USA die für die Branche notwendigen  regulatorische Änderungen zügig um. In Europa ließ die Politik dagegen die Zügel schleifen und machte den Banken unnötig große Zugeständnisse. Was aber noch wichtiger ist: Der ehemalige Chef der amerikanischen Notenbank Ben Bernanke zwang die in den Vereinigten Staaten ansässigen Kreditinstitute zu Kapitalerhöhungen. Seit dem Jahr 2008 hat sich in den USA dadurch die Eigenkapital-Ausstattung der Banken um fast 500 Milliarden Dollar erhöht. In Europa verstärkten die Kreditinstitute ihre Kapitaldecke dagegen lediglich mit 225 Milliarden Euro. Um ihre finanzielle Solidität zu verbessern, werden die europäischen Kreditinstitute nicht daran vorbeikommen, Kapitalerhöhungen durchzuführen und Vermögenswerte zu verkaufen, aber auch weitere Abschreibungen auf faule Kredite vorzunehmen. Gleichzeitig laufen fast überall umfangreiche Kostensenkungs-Programme. Alleine die Deutsche Bank will bis 2015 rund 4,5 Milliarden Euro sparen.

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Thomas Wukonigg verantwortet bei der Capital-Forum AG u.a. das Portfoliomanagement. Der Bankkaufmann verfügt über 28 Jahre Berufserfahrung.

Die dadurch verbesserten Eigenkapital-Relationen dürften bei den Banken zweierlei Wirkung haben. Zum einen verfügen sie wieder über mehr Risikokapital und können damit vermehrt rentierliche Kredite vergeben. Zum anderen reduziert eine breitere finanzielle Basis das Investmentrisiko. Damit werden die entsprechenden Aktien angesichts der günstigen Bewertungen für Anleger wieder interessant. Allerdings sind die Papiere nur für risikobereite Investoren geeignet. Denn Bankbilanzen sind selbst für Fachleute nur schwer zu durchschauen – bei dem einen oder anderen Institut könnten noch unentdeckte Risiken schlummern. Der Einstieg sollte daher schrittweise, zeitlich gestreckt und breit gestreut erfolgen.

Banken kriegen noch Stress

Wir hatten schon Anfang März darauf hingewiesen, dass die Aktienmärkte noch einmal spürbar konsolidieren dürften. Diese Phase könnte durchaus mehrere Wochen dauern und noch günstigere Einstiegskurse eröffnen. Außerdem stehen den großen europäischen Banken noch die Stresstests bevor. Auch das könnte noch einmal für Unsicherheiten und damit für niedrigere Notierungen sorgen. Allerdings hat sich der Chef des europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, bereits optimistisch geäußert und konstatiert, dass es keine signifikanten Kapital-Unterdeckungen geben dürfte. Dies hängt maßgeblich damit zusammen, dass die EU-Banken voraussichtlich auch künftig ihre Bestände an Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegen müssen. Irgendwo müssen die Staaten ja ihre Schuldscheine loswerden.

Sobald sich aber zeigt, dass die Stresstests tatsächlich positive Ergebnisse liefern und der generelle Korrekturbedarf abgearbeitet ist, könnten die Kurse der Bankaktien wieder nach oben drehen. Da die Börsianer solche Entwicklungen regelmäßig antizipieren, sollten Anleger mit dem Einstieg auch nicht zu lange warten. Aufgrund der hohen Volatilitäten und der noch bestehenden Risiken empfiehlt es sich auf jeden Fall, bei Einzelwerten Stopp-Loss-Limits zu setzen. Eine breite Streuung mindert das Risiko zusätzlich. Der Stoxx Europe 600 Banks umfasst die größten börsennotierten Banken Europas. Der Indexfonds von iShares ist kostengünstig und bietet durch größere Engagements in Großbritannien, der Schweiz und in Schweden gleichzeitig eine Währungsdiversifikation.

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Quelle: ntv.de

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