Wirtschaft

"Gutachteritis" bei Opel?Betriebsrat kritisiert Berlin

25.07.2009, 14:37 Uhr

Im Ringen um eine tragfähige Lösung für den deutsche Autobauer Opel fährt Betriebsratschef Klaus Franz schwere Geschütze auf. Er verdächtigt das Berliner Wirtschaftsministerium, den Autobauer per Gutachten in die Insolvenz treiben zu wollen.

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Betriebsratschef Klaus Franz will von Insolvenz nichts hören. (Foto: picture-alliance/ dpa)

"Hier liegt der Verdacht nahe, dass man mit deutschen Steuergeldern Gutachteritis betreibt, um Opel bewusst in die Insolvenz zu treiben", sagte Franz der Nachrichtenagentur dpa.

Hintergrund ist ein Gutachten der Investmentbank Lazard im Auftrag des Ministeriums, das nach Angaben der "Financial Times Deutschland" ein vernichtendes Urteil zur Zukunftsfähigkeit von Opel abgibt. Keine der Offerten für Opel sei überzeugend. "Die Berater sehen in allen drei Angeboten kaum Perspektiven für Opel als eigenständigen Autobauer", zitierte die "Financial Times Deutschland" aus dem Vergleich von Lazard.

Franz sagte, er kenne die Untersuchung von Lazard nur aus den Medien. "Das gesamte Unternehmen Opel hat darüber keinerlei Erkenntnisse." Eine andere Studie habe zuvor dagegen schon dargelegt, dass Opel eine Perspektive habe.

Buh-Mann Guttenberg

Franz hatte eine Insolvenz von Opel als Weg zu einem Neuanfang der General-Motors-Tochter stets abgelehnt. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte diese Option im Gegensatz zu anderen Regierungsvertretern dagegen immer wieder ins Spiel gebracht. Im Fall eine Insolvenz hätte General Motors praktisch kein Mitspracherecht mehr.

Bereits in der kommenden Woche könnte eine Entscheidung über Opel fallen. "Es wird sicher eine ereignisreiche Woche werden", sagte Franz. Er wisse aber noch nicht, ob ein Investor bereits den Zuschlag erhalte. "Wir brauchen einen Investor, wo wir eine langfristige Zukunft haben, wo wir Zugang zu globalen Märkten haben, wo wir ein hohes Maß an Eigenständigkeit haben", betonte Franz.

GM verhandelt weiter

Die Opel-Treuhandgesellschaft hat sich nach eigenen Angaben noch nicht auf einen Anbieter für Opel festgelegt. Die Opel-Mutter General Motors (GM) führt demnach weitere Verhandlungen mit dem Konsortium um den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna und dem Finanzinvestors RHJ International, teilte die Opel-Treuhand am Samstag mit

Bisher hätten die Verhandlungsführer von GM weder eine Empfehlung noch einen Antrag für eine Entscheidung vorgelegt. Die Opel-Treuhand soll beim Verkauf von 65 Prozent des Europa-Geschäfts von General Motors mitwirken.

"Wir als Treuhandgesellschaft sehen uns verpflichtet, die Meinungen aller Beteiligten im laufenden Verfahren einzuholen", sagte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin. "Wir werden unsere Entscheidung erst dann treffen, wenn die hierfür notwendigen Voraussetzungen und eine entscheidungsreife Vorlage zur Verfügung stehen."

Zuvor hatten sich Bund und Länder klar für Magna ausgesprochen, GM bevorzugt dagegen das Konzept des Finanzinvestors RHJ International.

Quelle: mmo/dpa