Wirtschaft

Milliardenverlust mit faulen Hypotheken Betrugsanklage gegen JP Morgan

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JP Morgan-Chef Jamie Dimon: Der New Yorker Generalstaatsanwalt wirft seiner Bank Betrug mit faulen Hypothekenpapieren vor der Finanzkrise vor.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Staatsanwaltschaft New York klagt die US-Großbank wegen Betrugs mit faulen Immobilienkrediten an. Die Vorwürfe führen ins Epizentrum des großen Crashs von 2008 - zur Investmentbank Bear Stearns, die JP Morgan nach ihrem Zusammenbruch übernommen hatte. Die Ermittlungen könnten der Anfang einer Klagewelle zur Aufarbeitung der Finanzkrise sein.

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Amerikas wertvollste Bank JP Morgan soll wegen weitreichenden Finanzbetrugs mit faulen Hypothekenpapieren im Vorfeld der globalen Finanzkrise vor Gericht. Der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft Eric Schneiderman wirft der von JP Morgan übernommenen Investmentbank Bear Stearns vor, Investoren beim Kauf von Hypothekenpapieren belogen zu haben. Den Käufern sei ein Schaden von mehr als 22,5 Mrd. US-Dollar entstanden, weil sie in die von Bear Stearns verbrieften Hypothekenkredite investiert hätten. Ihnen wurde weisgemacht, bei den Papieren handle es sich um eine sichere und sorgfältig zusammengestellte Anlage - in Wirklichkeit aber basierte sie auf tausenden von faulen Hauskrediten.

JP Morgan kündigte an, sich gegen die Klage zur Wehr zu setzen und unterstrich zugleich, dass sich die Beschuldigungen auf den Zeitraum vor dem Kauf von Bear Stearns richteten. Bear Stearns war das erste größere Opfer der Krise auf dem US-Immobilienmarkt, die 2008 zur weltweiten Finanzkrise führte. Um eine Insolvenz der Investmentbank zu verhindern, übernahm JP Morgan im März 2008 mit Unterstützung der US-Notenbank den Konkurrenten.

Einige US-Medien werteten die Klage gegen JP Morgan als Vorboten einer Klagewelle kurz vor der Präsidentschaftswahl Anfang November. Barack Obama hatte sich bei seinem Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben, die Wall Street zu zügeln. Er trieb die Finanzmarktreform voran, den sogenannten Dodd-Frank Act. Im Januar richtete die Regierung eine Gruppe mit hochrangigen Ermittlern ein, die Betrug mit Hypothekenpapieren und damit den Ursachen der Finanzkrise nachgehen soll. Zu den Mitgliedern zählt auch Eric Schneiderman, dessen Büro die Klage gegen JP Morgan nun vorbringt. Die Ermittler planten "ähnliche Aktionen" gegen diejenigen, die einst die strittigen Hypothekenanleihen in Umlauf gebracht hätten, hieß es.

Seit der Finanzkrise laufen bereits zahlreiche Betrugsklagen, meistens von Investoren, die sich geprellt fühlen. Welche Folgen öffentliche Vorhaltungen wie jetzt bei JP Morgan haben können, hatte vor zwei Jahren die Investmentbank Goldman Sachs zu spüren bekommen. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte ihr vorgeworfen, ebenfalls beim Verkauf von Hypothekenpapieren falschgespielt zu haben. Über Wochen stand das Wall-Street-Haus in der Kritik. Am Ende zahlte Goldman in einem Vergleich 550 Mio. US-Dollar, um den Fall zu den Akten legen zu können.

Quelle: ntv.de, hvg/dpa/DJ/rts/AFP