Wirtschaft

Neue Blase, neuer Crash? Bitcoin ist erwachsener geworden

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Manche der Skeptiker von vor drei Jahren sehen im Bitcoin inzwischen eine ernstzunehmende Geldanlage.

(Foto: REUTERS)

Der Gesamtwert aller Bitcoin ist auf Rekordhöhe gesprungen. Der Kurs schießt in die Höhe wie auf dem Höhepunkt des Hypes vor drei Jahren. Doch der Markt für die Digitalwährung hat sich verändert.

Es ist ein Déjà-vu. Der Bitcoin-Kurs schießt wieder einmal in schwindelerregender Geschwindigkeit nach oben. Im Frühjahr war die führende Digitalwährung noch weniger als 4000 US-Dollar wert, heute sind es schon deutlich über 18.000 Euro. Vom Rekordkurs vor gut drei Jahren ist Bitcoin zeitweise noch wenige 100 Dollar entfernt. Da inzwischen mehr der digitalen Münzen existieren, hat die Marktkapitalisierung, der rechnerische Gesamtwert aller existierenden Bitcoin, mit 338 Milliarden Dollar ihren damaligen Höchststand bereits überschritten.

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Doch geht es auch nach der Rally genauso weiter wie Ende 2017, als eine Blase platzte, die manche als größte ihrer Art in der Finanzgeschichte bezeichneten? Einige Beobachter gehen genau davon aus. "Fomo-Käufer haben den Markt übernommen", twitterte Bitcoin-Analyst Kevin Svenson schon vor einigen Tagen. Nach einer Zeit des Überschwangs werde es zu einer kräftigen Korrektur kommen, wenn solche kurzfristig orientierten Käufer, die von Furcht etwas zu verpassen (Fomo, Fear of missing out) getrieben werden, ihre Bitcoin wieder auf den Markt werfen.

Einige Dinge sind dieses Mal allerdings anders als vor drei Jahren, als Bitcoin innerhalb weniger Wochen erst etwa ein Drittel und dann innerhalb eines guten Jahres nach dem Rekord rund 80 Prozent ihres Wertes verlor. So gibt es in der Öffentlichkeit derzeit keinen vergleichbaren Hype um die Digitalwährung. Die Suchanfragen nach Bitcoin bei Google zeigen nur einen Bruchteil des Interesses an, das im Dezember 2017 herrschte. Das, so argumentieren Bitcoin-Optimisten, deute darauf hin, dass der aktuelle Anstieg eher auf Investitionen von Profis und Institutionen zurückzuführen sei, als auf wankelmütige Kleinanleger. Daher dürfte sich die in der Vergangenheit so volatile Kryptowährung stabilisieren.

Verglichen mit vielen anderen Anlageformen ist der Kryptomarkt immer noch volatiler. Die Rolle einiger anonymer Besitzer gigantischer Bitcoinvermögen, sogenannter Wale, bei den Kursbewegungen sorgt immer noch für Misstrauen. Doch der Markt hat sich in den vergangenen drei Jahren erheblich weiter entwickelt. Seit einigen Wochen akzeptiert etwa der Bezahldienst Paypal Bitcoin als Währung. Ernsthafte Pläne der großen Zentralbanken für mögliche offizielle Digitalwährungen haben das Thema Blockchain ins Zentrum der Finanzwelt getragen. Zahlreiche große Banken und Finanzinstitutionen sind inzwischen eingestiegen. Beispielhaft ist etwa der Sinneswandel bei JPMorgan. Der damalige Chef, Jamie Dimon, hatte Bitcoin 2017 noch als "Betrug" abgetan. Kürzlich bezeichneten Analysten der Bank dagegen die Digitalwährung als mögliche Anlagealternative zu Gold.

Ein neuer Kurs-Rekord könnte, auch wenn darauf erneut eine Korrektur folgen sollte, einen weiteren Durchbruch für Bitcoin in den Mainstream bringen, glaubt der britische Kryptoexperte Glen Goodman. Das, so wird er im Wirtschaftsmagazin "Forbes" zitiert, werde die Digitalwährung wieder "in die Schlagzeilen katapultieren" und für neues Interesse des "Mainstreams" sorgen.

Quelle: ntv.de, mbo