Wirtschaft

Aktien als Fluchtwährung Börsen überwinden Stagflationsangst

Sowohl Konjunkturdaten als auch Unternehmensdaten fielen zuletzt besser als erwartet aus. Wenn das in der kommenden Woche so weitergeht, brauchen Anleger die steigende Inflation nicht zu fürchten - im Gegenteil.

Eine prall gefüllte Woche liegt vor Dax & Co und damit jederzeit die Chance auf einen Kursausschlag - in die eine oder andere Richtung. Denn von der anziehenden Berichtssaison über Konjunkturdaten bis hin zu den Notenbanksitzungen ist alles dabei. Für Profianleger entsteht dann wieder die oft undankbare Situation, neue Informationen auf Makro- mit denen der Mikroebene von Unternehmensseite gleichzeitig in einen Aktienkurs einpreisen zu müssen.

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Dax 15.472,67

Am Freitag schloss der DAX 0,46 Prozent im Plus bei 15.542,98 Punkten. Auf Wochensicht ergibt sich für das Börsenbarometer ein Minus von 0,28 Prozent. Der MDAX der mittelgroßen Werte rückte am Freitag um 0,31 Prozent auf 34.824,99 Punkte vor. Der DAX habe zwar zuletzt an Schwung verloren, doch dies spiele sich auf einem dermaßen hohen Niveau ab, dass Anleger sich nicht beschweren könnten, schrieb der Börsenstatistiker Andreas Büchler von Index Radar.

Dabei lässt das aktuelle Datenmaterial das Angstthema "Stagflation" wieder etwas in den Hintergrund treten. Die neuen Einkaufsmanager-Indizes zeigen in Europa, dass die Wirtschaft selbst mit den bekannten Problemen der Lieferkette noch einen Tick stärker läuft als erwartet. Der Eurozonen-PMI lag mit 58,5 Punkten für die Industrie fast auf Vormonatsniveau und zeigte nicht die erwartete Delle. Der deutsche Industrie-PMI sprang mit 58,2 sogar fast zwei volle Punkte über die Erwartung.

Für Freunde des lockeren Gelddruckens sind das natürlich schlechte Nachrichten: Der EZB bleiben damit immer weniger Ausreden, sich vor der Realität zu drücken und zumindest das milliardenschwere Anleihekaufprogramm einzustellen. Der Markt bereitet sich bereits darauf vor und treibt die Renditen sukzessive nach oben. Ob dies reicht, um die Inflation zu bremsen, ist allerdings fraglich: So explodierten in Deutschland die Erzeugerpreise um 14,2 Prozent zum Vorjahr - das war der höchste Anstieg seit 1974.

Falken trauern Weidmann nach

Dass Noch-Bundesbank-Chef Jens Weidmann nun das Handtuch geworfen hat, werten manche Marktteilnehmer als Menetekel. Sie fürchten, dass der EZB-Führung ohne den deutschen "Falken" die Probleme der Normalbürger mit explodierenden Preisen gleichgültig seien könnten. Mit Spannung blickt der Markt daher auf die EZB-Sitzung der kommenden Woche.

Einiges hängt noch davon ab, wer den Posten von Jens Weidmann nachbesetzen wird. Jedoch dürften warnende Stimmen wie von ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann in der Politik kaum Gehör finden: "Wenn Deutschland eine geldpolitische Taube in den EZB-Rat schicken würde, wäre das fatal", warnte er. Und Marktstratege Tomasz Wieladek von T. Rowe Price erwartet gerade von den Kandidaten der neuen Bundesregierung nichts anderes: "Jede dieser Ernennungen würde jedoch im Vergleich zu Präsident Weidmann einen eher lockeren geldpolitischen Kurs vertreten und mehr im Einklang mit der EZB-Politik stehen."

Hoffnung auf positive Überraschung bei den Tech-Riesen

Für die Aktienbörsen sind das wiederum gute Nachrichten. Denn wenn es sowohl auf Wirtschaftsseite runder als erwartet und gleichzeitig auch noch eine völlig unnötige lockere Geldpolitik läuft, ist genügend Brennstoff für steigende Kurse vorhanden. Aktien sind ja zum Teil auch eine Fluchtwährung, um das Geld vor der Entwertung zu retten.

Die Berichtssaison dürfte kommende Woche das Vertrauen in die Aktienunternehmen fördern. Denn das dritte Quartal läuft gut. In den USA haben zum Beispiel die tatsächlich erzielten Gewinne der S&P-500-Firmen die Erwartungen um rund 12 Prozent übertroffen. Die Chancen stehen also gut, dass besonders die Technologieriesen wie Apple, Amazon, Google, Microsoft und andere in der kommenden Woche besser als erhofft abschneiden.

Und auch in Europa legen erste Schwergewichte Geschäftszahlen vor, so wie der Autokonzern Stellantis. In den DAX kommen Daten von VW und Daimler sowie BASF, Deutsche Bank, Linde und Airbus. Und bei den Konjunkturdaten stehen so mit die wichtigsten Daten an: so die ersten BIP-Daten aus den USA und den Ländern der Eurozone zum dritten Quartal. Und aus Deutschland, der EU und anderen Staaten werden die Verbraucherpreise (CPI) gemeldet.

Quelle: ntv.de, mbo/rts

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