Wirtschaft

Größter Börsengang aller Zeiten Alibaba will alle Rekorde brechen

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Bis zu 24,3 Milliarden Dollar und damit mehr als zuletzt erwartet will Alibaba beim bevorstehenden Börsengang erlösen.

(Foto: REUTERS)

Der Börsengang des Online-Handelsriesen dürfte ein Paukenschlag auf dem Parkett werden. Die chinesische Version von Amazon und Ebay will mehr als Facebook vor zwei Jahren einnehmen. Alibaba wäre auf einen Schlag eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.

Chinas führender Onlinehändler Alibaba will sich mit seinem Börsengang zu den Größten der amerikanischen Technologiebranche hochkatapultieren. Mehr als 21 Milliarden Dollar will Alibaba bei Investoren einsammeln; durch eingeräumte Zusatzrechte von Investmentbanken könnten es sogar bis zu 24,3 Milliarden werden, wie aus dem von der Börsenaufsicht SEC veröffentlichen Börsenprospekt hervorgeht. Das wäre die größte Transaktion dieser Art, die jemals in der Welt getätigt wurde.

Zunächst sollen 320 Millionen Aktien in einer Preisspanne zwischen 60 und 66 Dollar angeboten werden. Bei großem Interesse will Alibaba den Angaben zufolge aber binnen eines Monats noch einmal 48 Millionen Aktien nachschießen. Da zunächst nur ein Teil des Unternehmens an der Börse gelistet wird, bewertet sich Alibaba auf dieser Grundlage mit bis zu 163 Milliarden Dollar. Zur Einordnung: Der iPhone-Riese Apple, der derzeit wertvollste Konzern der Welt, bringt es auf 592 Milliarden Dollar. Alibaba würde mit seiner Bewertung aber trotzdem 95 Prozent der im US-Leitindex S&P 500 geführten Firmen übertreffen. Nach Google und Facebook wäre es das drittgrößte in Amerika gelistete Internetunternehmen.

Börsengang Mitte September

Alibaba wird oft als die chinesische Version von Amazon und Ebay beschrieben, weil es Funktionen beider Anbieter vereint. Der Konzern betreibt unter anderem die beliebte chinesische Online-Handels-Plattform Taobao. Schätzungen zufolge hat sie einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent bei Verkäufen von privat an privat. Der Börsengang des Unternehmens in den USA ist für Mitte September geplant.

Die bislang größten Börsengänge in den USA gelangen der Kreditkartenfirma Visa 2008, dem Autobauer General Motors bei seinem Neustart 2010 und Facebook im Jahr 2012. In diesem Monat soll die Platzierung von Alibaba unter dem Kürzel BABA an der New Yorker Börse abgeschlossen werden. Finanzkreisen zufolge könnte der endgültige Ausgabepreis der Papiere am 18. September festgesetzt werden und der Handel danach starten. Zunächst sind jedoch sogenannte Roadshows geplant, bei denen Investoren umworben werden. Sie sollen in der kommenden Woche in New York starten.

Alibaba wirbt mit glänzenden Zahlen

Der größte Alibaba-Anteilseigner, die japanische Investmentgesellschaft Softbank, wird seine Beteiligung für den Börsengang von 34,1 auf 32,4 Prozent abbauen. Der zweitgrößte Investor, das US-Internet-Urgestein Yahoo, reduziert seinen Anteil von 22,4 auf 16,3 Prozent. Die Beteiligung von Alibaba-Gründer und -Chef Jack Ma schrumpft von 8,8 auf 7,8 Prozent. Rechtzeitig zum Börsengang präsentierte Alibaba zuletzt noch einmal deutliches Geschäftswachstum. Der Umsatz verbesserte sich in dem Ende Juni abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal im Jahresvergleich um 46 Prozent auf 15,77 Milliarden Yuan (1,95 Milliarden Euro). Der Gewinn sprang auf 12,34 Milliarden Yuan (1,52 Milliarden Euro) von 4,38 Milliarden Yuan im Vorjahresquartal hoch.

Die relative Unbekanntheit hierzulande täuscht über die Bedeutung des Konzerns in China mit seinen 1,35 Milliarden Einwohnern hinweg. China gilt als größter Onlinemarkt der Welt. Das Unternehmen mit 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten wickelt 80 Prozent aller Internet-Einkäufe in der Volksrepublik ab. In China liefern sich seit Jahren drei Unternehmen ein Wettrennen um die mehr als 600 Millionen Internetnutzer in China: Alibaba, Tencent und Baidu. Während Alibaba mit Amazon verglichen wird, gelten Tencent als Chinas Facebook und Baidu als Chinas Google.

Neben Taobao gehören Tmall und Juhuasuan zu den großen Handelsplätzen von Alibaba. 231 Millionen Käufer und acht Millionen Verkäufer wickelten hier im vergangenen Jahr Geschäfte über 248 Milliarden Dollar ab.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa/rts