Wirtschaft

Milliardengrab statt "Lichtblick" Bosch beendet Solar-Ausflug

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Bosch Solar Zentrum im thüringischen Arnstadt: Der Schnee ist nicht das Problem.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Einstieg in den Boommarkt Solar zahlt sich für den Autozulieferer Bosch nicht aus. Milliarden Euro versenkt der Konzern, allein 2012 mehr als eine. Nun zieht er die Reißleine. Raus aus dem Solar-Geschäft, das schon längst nicht mehr boomt, wie auch die Pleite des chinesischen Giganten Suntech beweist. Was bleibt, ist eine "schmerzliche Erfahrung" und ein drastischer Jobabbau.

"Sicher. Stabil. Langfristig." Mit diesen Eigenschaften will Bosch potenziellen Investoren auf seiner Internetseite den Einstieg die Sonnenenergie schmackhaft machen. "Sicher" waren für die Bosch-Solarsparte zuletzt allerdings nur die Verluste. Nun gibt der Technikkonzern nach nicht einmal fünf Jahren das Aus des Geschäftsbereichs bekannt. Bis dato haben die Schwaben mit der Sparte 2,5 Mrd. Euro verloren.

Die Zahl verdeutlicht den Abwärtsstrudel einer Branche, die in ihren Anfängen boomende Geschäfte verzeichnete. Noch vor wenigen Jahren berichteten Unternehmen wie Solarwold, Q-Cells, Solon & Co von Rekorden bei Umsatz und Gewinn - an der Börse machten ihre Papiere Freudensprünge. Heutzutage verschiebt etwa das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld seine Bilanzvorlage lieber auf später - wegen Verhandlungen mit Gläubigern.

Zu billig ist die Konkurrenz

Als Bosch 2009 in das Geschäft mit der Sonnenenergie investierte, lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Einstieg noch als "Lichtblick" - und das Großprojekt am thüringischen Hauptstandort Arnstadt als "wirkliche Zukunftsinvestition". Heute stehen in der gesamten Sparte gut 3000 Menschen vor einer unsicheren Zukunft.

Was also lief schief? "Es ist am Ende immer ein politischer Markt", sagt Solarexperte Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung. Hersteller hätten gedacht, dass auch andere Länder dem Beispiel der Bundesrepublik folgten - und das Geschäft mit Sonnenenergie subventionierten. Ein Irrglaube.

Letztlich, sagt der Experte, seien die Deutschen aber nicht gegen die Billigkonkurrenz aus China angekommen. Insbesondere Bosch habe mit dem Photovoltaik-Bereich ein Geschäftsfeld betreten, auf dem der Konzern seine Stärken nicht ausspielen konnte.

"«Auf dem Kraftfahrzeugmarkt gelten andere Regeln. Autos sind hochkomplexe Ingenieursprodukte, deren Bau hochspezielle Material-, Maschinenbau- und Elektronikkenntnisse erfordert", sagt Hummel. Solarzellen hingegen seien mittlerweile Massenware.

China als Gewinner?

Ohnehin seien Module deutscher Hersteller kaum noch "Made in Germany", erklärt der Experte. Die Mehrheit der deutschen Solarunternehmen baue mittlerweile auf Solarzellen aus Taiwan oder China. "Für die Produktion standardisierter Massenware ist eine Fertigung am Standort Deutschland zu teuer", sagt der Branchenkenner. Anders hatten es die Schwaben gehalten: Bosch habe zu den wenigen gehört, die an der heimischen Produktion festhielten.

"Die asiatischen Konkurrenten produzieren vielfach auf den gleichen, aus Deutschland und der Schweiz importierten Fertigungsanlagen wie Bosch Solar", sagt Hummel. "Ein Vorsprung durch Technik war auch aus diesem Grunde schwer zu erreichen."

Können sich die Chinesen nun also die Hände reiben? Mitnichten. Auch die Konkurrenz aus dem Riesenreich kann sich der Pleitewelle nicht entziehen: Erst Mitte der Woche meldete der große chinesische Solarsteller Suntech Power Insolvenz an. Das börsennotierte Unternehmen war - wie hiesige Hersteller auch - durch Überkapazitäten und den Preisverfall auf dem Markt für Sonnenkollektoren in Schieflage geraten. Nach Ansicht von Experten ist die Pleite ein Zeichen, dass die Konsolidierung in der Solarindustrie jetzt auch China erreicht hat.

"Vollendete Tatsachen"

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) hat den Rückzug des Technikkonzerns Bosch aus dem Solargeschäft als schweren Schlag für die 1800 Beschäftigten in Arnstadt bezeichnet. "Bosch darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen", sagte er. "Es ist nicht akzeptabel, wenn die Landesregierung vor vollendete Tatsachen gestellt wird." Bosch habe zuvor nicht das Gespräch mit den Landesregierungen der Standortländer gesucht.

"Bosch muss jetzt seine Verantwortung gegenüber dem Standort und den Beschäftigten wahrnehmen", forderte Machnig. Betriebsbedingte Kündigungen müssten vermieden werden. Der Standort und die Beschäftigten brauchten eine Perspektive. Er habe Geschäftsführung, IG Metall und Betriebsrat für kommenden Dienstag ins Wirtschaftsministerium geladen.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/dpa