Schutzschirm als Rettung?Call-Center-Betreiber ringt um Zukunft

Walter Services zählt die Telekom und E-Plus zu seinen Kunden für Telefonmarketing. Doch das Wegbrechen großer Aufträge das Unternehmen an den Abgrund. Nun entzieht es sich vorerst dem Zugriff seiner Gläubiger. Es ist nicht die erste Krise der Firma.
Der zweitgrößte deutsche Call-Center-Betreiber Walter Services ist erneut in seiner Existenz bedroht. Das Unternehmen aus Ettlingen bei Karlsruhe flüchtet sich in ein Schutzschirmverfahren, wie es mitteilte. Ein entsprechender Antrag wurde beim Amtsgericht gestellt. Diese Vorstufe zum Insolvenzverfahren schützt Unternehmen für drei Monate vor dem Zugriff seiner Gläubiger - wenn sie noch nicht zahlungsunfähig sind. Auslöser des Antrags war nach Unternehmensangaben der Verlust mehrerer Aufträge im Juni. Walter war schon vor zwei Jahren in die Krise geraten.
Das Unternehmen beschäftigte allein in Deutschland 6000 Mitarbeiter. "Wir wollen so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten", sagte ein Sprecher. Dies gelte auch für die Standorte. Die Tochtergesellschaft Perry & Knorr sowie die Aktivitäten im Ausland mit 2400 Mitarbeitern sind vom Schutzschirmverfahren unberührt.
Restrukturierung als Ziel
Walter Services betreibt Telefonmarketing unter anderem für die Deutsche Telekom und für E-Plus. Von beiden Firmen hatte es komplette Call-Center-Standorte übernommen. Auf die Call Center greifen ferner Banken, Pharma- und Versandhändler zurück.
Nun gehe es darum, einen "tragfähigen Plan mit dem Ziel der Restrukturierung der Gruppe zu erarbeiten", erklärte der erst seit Mitte Juni amtierende Geschäftsführer Joachim Hofsähs. Die größten Kunden hätten Unterstützung zugesichert. Der Betrieb gehe in vollem Umfang weiter. Bei der Rettung helfen sollen die Sanierer Jan Markus Plathner und Christoph Morgen. Als Sachwalter wurde Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz eingesetzt, um die Geschäftsführung zu überwachen.
Im Schutzschirmverfahren kann ein Unternehmen den Sachwalter selbst wählen - anders als in der Insolvenz, wo die Gläubiger und das Gericht das Sagen haben. Die Neuerung war mit der Insolvenzrechts-Reform im Frühjahr 2012 eingeführt worden. In den meisten Fällen mündet das Schutzschirmverfahren allerdings nach drei Monaten in ein normales Insolvenzverfahren. Auch der Fernsehgerätehersteller Loewe hatte in der vergangenen Woche Gläubigerschutz beantragt.
Quelle-Pleite sorgte für große Krise
Die Gruppe geht auf die Gründung eines kleinen Ettlinger Werbeservices vor über fünf Jahrzehnten zurück. Sie war nach Jahren der Expansion in den vergangenen Jahren in die roten Zahlen geraten. Heute besteht Walter Services bundesweit aus 20 Gesellschaften in 16 Städten. Im vergangenen Jahr verbuchte der Konzern einen Umsatz von 173 Millionen Euro und ein negatives - nicht näher erläutertes - Konzernergebnis.
Walter Services war vor mehr als zwei Jahren in eine Krise gestürzt, weil der Finanzinvestor Odewald & Cie. dem schnell expandierenden Unternehmen zu viele Kredite aufgeladen hatte. Als Umsatz und Gewinn sanken und der Großkunde Quelle pleiteging, konnten die Kredite nicht mehr bedient werden. Inzwischen gehört das Unternehmen mehrheitlich den Hedgefonds H.I.G. Capital und Anchorage. Beide "stehen zum Unternehmen", versicherte ein Sprecher.