Wirtschaft
AMC betreibt rund 350 Multiplex-Kinos in Nordamerika.
AMC betreibt rund 350 Multiplex-Kinos in Nordamerika.(Foto: REUTERS)
Montag, 21. Mai 2012

Pekings Hunger auf Hollywood: China kauft US-Kinokette

In China soll es bis 2040 rund 40.000 Kinos geben, mehr als derzeit in den USA. Der Ausbau ist Teil von Pekings Bemühen, die eigene Kulturindustrie anzuschieben und zu exportieren Dazu passt auch eine Milliardenübernahme in den USA, durch die sich ein chinesischer Konzern den zweitgrößten US-Kinobetreiber angeln will.

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Vorhang auf: Der zweitgrößte Kinobetreiber der USA bekommt einen neuen Eigentümer - aus Fernost. Für rund 2,6 Mrd. Dollar erhält der chinesische Mischkonzern Dalian Wanda Group Corp Zugang zu den 346 Multiplex-Kinos mit 5000 Leinwänden der AMC Entertainment Holdings in den USA und Kanada. Die Transaktion markiert einen großen Schritt der Chinesen, sich einen Platz in der US-Entertainment-Industrie zu verschaffen.

Wanda-Präsident Wang Jianlin sagte, die Akquisition werde der Gruppe helfen, zu einem "wirklich globalen" Kinobetreiber zu werden. Die Kartellbehörden in den USA und China müssen der Übernahme noch zustimmen. AMC gehört einer Gruppe von Finanzinvestoren. Darunter sind Apollo Global Management, Bain Capital, Carlyle Group, CCMP Capital Advisors und Spectrum Equity Investors.

"Soft Power"

Die Transaktion ist Teil von Chinas Betreiben, seine Kulturindustrie anzuschieben und zu exportieren. Seit einigen Jahren wird massiv in Filme, Animation und andere Bereiche investiert. Bis 2015 sollen die Anzahl der Kinoleinwände in China auf 20.000 steigen, derzeit sind es gerade einmal 6300. Bis 2040 strebt die Regierung eine Zahl von 40.000 an. In den USA gibt es nach Angaben der Motion Picture Association of America 39.500 Kinoleinwände.

Auch bei den Filmproduktionen soll es in China vorangehen. Das Land will es mit Hollywood aufnehmen und seine Kultur so in die Welt tragen. Die sogenannte "Soft Power" soll gestärkt werden, einhergehend mit der steigenden ökonomischen und militärischen Macht. Die chinesische Filmindustrie richtet den Blick deshalb auf US-Partner wie AMC, um in lukrative Märkte vorzudringen. Zudem wollen die Chinesen lernen, wie man die Filme des Landes einem westlichen Publikum nahebringt. Bisher ist das Publikum bei Produktionen aus dem "Reich der Mitte" eher reserviert.

Ein Beispiel ist die ambitionierte chinesische Produktion "The Flowers of War". Die Geschichte um einen amerikanischen Priester in Nanjing während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges schnitt trotz "Dark Knight"-Star Christian Bale in der Hauptrolle bei ihrem US-Start deutlich schlechter ab als erwartet.

Der Staat macht das Programm

Die Übernahme von AMC ist aber nicht der erste Schritt der Chinesen in die amerikanische Unterhaltungsindustrie. So hat China jüngst Filmfonds in China aufgesetzt, zudem sind mehrere staatliche Medienkonzerne bei Animationsstudios wie Walt Disney und DreamWorks Animation engagiert.

Auch Wanda ist ein staatsnaher Konzern. Die Geschäfte reichen von Immobilien über Entertainment bis hin zu Tourismus. Die Ticketverkäufe machen ungefähr 15 Prozent der in China verkauften Kinokarten aus, wie es auf der Webseite des Unternehmens heißt. Bis 2015 will das Unternehmen seine Präsenz auf dem chinesischen Kinomarkt auf 2000 Leinwände ausbauen, von 730 derzeit.

Für AMC hat der Eigentümerwechsel keine unmittelbaren Auswirkungen. Die Zentrale bleibt im Großraum Kansas City angesiedelt, die Belegschaft bleibt auf dem jetzigen Niveau, und es wird keine Änderungen bei Management oder Strategie geben, teilten beide Unternehmen mit.

Quelle: n-tv.de