Wirtschaft

Geld verdienen ohne Staatshilfe Commerzbank kann loslegen

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Aktionärskultur in Deutschland: Die Jahrhunderthalle war recht gut gefüllt.

dpa

Mit einer gigantischen Kapitalerhöhung will die Commerzbank den Staat weitgehend abschütteln. Während Kleinaktionäre schimpfen, verspricht Vorstandschef Blessing rosige Zeiten. Doch wann der Staat endgültig aussteigt, bleibt offen. Erst am Abend steht das Ergebnis schließlich fest: Die größte Kapitalmaßnahme der deutschen Unternehmensgeschichte kann kommen.

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Begehrte Plätze in den ersten Reihen: Die Anteilseigner sparten nicht an der Kritik.

(Foto: REUTERS)

Die Commerzbank bläst zum Aufbruch in eine Zukunft ohne Vater Staat: Bestärkt vom besten Jahresstart der Unternehmensgeschichte stellte Vorstandschef Martin Blessing bei der Hauptversammlung weiter steigende Erträge in Aussicht. "Der positive Trend des ersten Quartals hat im April angehalten." Bei dem Aktionärstreffen in der Frankfurter Jahrhunderthalle warb das Management bei den Aktionären um Zustimmung für eine gigantische Kapitalerhöhung, mit deren Hilfe der Konzern den Löwenanteil der Staatshilfe zurückzahlen will.

Am Abend stand das Ergebnis endlich fest: Die Commerzbank kann mit einer gigantischen Kapitalerhöhung den Staat weitgehend abschütteln. Die Hauptversammlung stimmte trotz heftiger Kritik mit großer Mehrheit (98,9 Prozent) dem Kurs des Managements zu, wie die Bank mitteilte. Der Dax-Konzern kann somit 11 Mrd. Euro einsammeln. Es ist die größte Kapitalerhöhung der deutschen Unternehmensgeschichte.

Die Zustimmung galt zuvor bereits als weitgehend sicher, da Großaktionäre die Maßnahmen mittragen wollen. Dennoch hagelte es bei dem Aktionärstreffen Kritik. "Diese Kapitalerhöhung bedeutet für uns eine massive Verwässerung unserer Anteile - zusätzlich, zu den anderen Kröten, die wir schlucken mussten", kritisierte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Zudem wird der Konzern den Staat nicht ganz los, der ihm nach der riskanten Dresdner-Übernahme mitten in der Finanzkrise mit Milliarden zu Hilfe eilte: Der Bund bleibt mit 25 Prozent plus einer Aktie größter Einzelaktionär der zweitgrößten deutschen Bank. Ein Zeitplan für den Ausstieg des Bundes sei bisher nicht bekannt, sagte Blessing. Er gehe aber davon aus, dass der Bankenrettungsfonds Soffin, über den der Bund beteiligt ist, so kursschonend wie möglich aussteigen werde.

Heikle Abstimmung

Die Kapitalerhöhung bereitet den Alt-Aktionären durch die drastische Verwässerung ihrer Anteile erhebliche Probleme. Allein im ersten Schritt verdoppelt sich die Zahl der Aktien von aktuell 1,33 Mrd. Aktien durch die Wandlung einer Pflichtwandelanleihe, genannt CoMEN. In einem zweiten Schritt können durch eine Kapitalerhöhung in Abhängigkeit vom Ausgabepreis zwischen 1,77 Mrd. bis 5,3 Mrd. neue Aktien hinzukommen.

Trotz "erheblicher Leibschmerzen" wollte Aktionärsschützer Nieding jedoch der Maßnahme zustimmen, da sich die Bank so zumindest bald vom Staatstropf lösen will und sich der Aktienkurs erholen könne.

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Coba-Chef Martin Blessing.

(Foto: dpa)

Der klagefreudige Aktionär Karl-Walter Freitag widersprach dieser Ansicht. So setze Blessing den Nennwert der Commerzbank-Aktie von 2,60 Euro auf 1 Euro allein deswegen herab, weil Investoren die neuen Aktien nicht zu einem höheren Preis zeichnen würden. "Sie gießen einen Zuckerguss über einen Müllhaufen", so sein Fazit.

Wolfgang Aleff von der Gesellschaft für Wertpapierinteressen GfW forderte Blessing dazu auf, "die rote Laterne im Dax" abzugeben. Die Commerzbank-Aktien haben in den letzten Jahren massiv an Wert verloren. Innerhalb der vergangenen 30 Tage ging es nochmal um fast 20 Prozent nach unten, während der Dax auf ein neues Drei-Jahres-Hoch stieg. Die schlechte Kursentwicklung habe wesentlich mit der Anfang April angekündigten Kapitalerhöhung zu tun, hieß es.

Etliche Anleger warfen dem Management dann auch vor, den Kurs der Aktie in den Keller getrieben zu haben. Blessing räumte ein, der Börsenwert der Commerzbank sei von rund 13 Mrd. Euro vor der Dresdner-Übernahme auf 5,7 Mrd. Euro geschrumpft. Zum Wochenschluss notierte die Aktie bei 4,25 Euro, gehörte aber mit einem Tagesaufschlag von 1,65 Prozent zu den Gewinnern im Dax.

In den ersten drei Monaten 2011 legte der Überschuss der Commerzbank - wie bereits vorab mitgeteilt - auf knapp 1 Mrd. Euro zu, nach gut 700 Mio. ein Jahr zuvor. Bei Privatkunden, in der Mittelstandsbank und im Osteuropageschäft ging es aufwärts. Allerdings profitierte der Konzern auch davon, dass deutlich weniger Geld für faule Kredite zurückgelegt werden musste, zudem kam der Commerzbank eine Kapitalmaßnahme zu Jahresbeginn zugute.

Noch mehr Wertpapierprofis

Blessing bekräftigte die Prognose, in diesem Jahr einen operativen Gewinn "signifikant" über dem Vorjahreswert von 1,4 Mrd. Euro zu erreichen. 2012 soll das operative Ergebnis dann über die Marke von 4 Mrd. Euro klettern. Die Bank will stärker um Privat- und Geschäftskunden kämpfen. Der neue Privatkundenvorstand Martin Zielke kündigte für Mitte dieses Jahres die Einrichtung neuer Beratungszentren für Geschäftskunden in großen Städten an. Zudem sollen sich mehr Wertpapierspezialisten um die Bedürfnisse der Kunden kümmern.

Die Aktionäre des Dax-Konzerns sollten grünes Licht für die größte Kapitalerhöhung der deutschen Unternehmensgeschichte geben: 11 Mrd. Euro will der Konzern einsammeln. So soll bis Mitte Juni der größte Teil der Staatshilfe getilgt werden. Insgesamt 14,3 Mrd. Euro der noch 16,2 Mrd. Euro Steuergeld will die Bank bis dahin zurückzahlen.

"Durch die fast vollständige Rückführung der Stillen Einlage und die damit verbundene Entlastung in den kommenden Geschäftsjahren erhöhen wir unsere strategische und finanzielle Flexibilität", sagte Blessing. Zugleich rüste sich Deutschlands zweitgrößte Bank für die schärferen Kapitalanforderungen ("Basel III").

Dass es bei der Abstimmung Probleme geben könnte, darüber musste sich der Vorstand keine großen Sorgen machen. Trotz der zum Teil massiven Kritik von Kleinanlegern dürfte die Bank aller Voraussicht nach grünes Licht für die milliardenschweren Kapitalmaßnahmen zur Ablösung der Staatshilfe erhalten. Auf der für die Genehmigung maßgeblichen Hauptversammlung waren lediglich 47 Prozent des stimmberechtigten Kapitals anwesend. Da die Großaktionäre Allianz und der Bankenrettungsfonds SoFFin zusammen auf rund 34 Prozent kommen, ist eine Zustimmung zu den kritischen Punkten so gut wie sicher.

Dividende erst wieder ab 2012

Für die vorzeitige Rückzahlung der Staatshilfen überweist der Dax-Konzern dem Bankenrettungsfonds Soffin eine Einmalzahlung von 1,03 Mrd. Euro. Diese Sonderzahlung - gewissermaßen ein Ausgleich für dem Staat entgangene Zinszahlungen - wird voraussichtlich den Gewinn des Instituts nicht schmälern. Die Einmalzahlung solle direkt vom Eigenkapital abgezogen werden und nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht werden, erläuterte Finanzvorstand Eric Strutz.

Die Hoffnung auf eine baldige Dividendenzahlung dämpfte der Vorstand: Nach heutigem Stand werde es erst für das Geschäftsjahr 2012 wieder eine Ausschüttung geben.

Quelle: n-tv.de, DJ/dpa

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