Wirtschaft

Schöpfer des "Brotkastens" Commodore-Gründer Tramiel tot

AP841113010(1).jpg

Jack Tramiel (1984)

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Seine wichtigste Erfindung durfte in den 80er Jahren in keinem Kinderzimmer der Bundesrepublik fehlen: Der Gründer des Computerunternehmens Commodore und Schöpfer des legendären C64, Jack Tramiel, ist tot. Im Alter von 83 Jahren verstarb er im Kreise seiner Familie.

Der Gründer des in den 80er Jahren berühmten Computerunternehmens Commodore, Jack Tramiel, ist tot. Das berichtet "Forbes" unter Berufung auf die Familie des Pioniers. Tramiel, der mit Erfindungen wie dem C64 die Entwicklung der Heimcomputer entscheidend prägte, wurde 83 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Helen und drei Söhne.

Tramiel war als Jacek Trzmiel am 13. Dezember 1928 im polnischen Lodz geboren. Er überlebte das Ghetto von Lodz, das Konzentrationslager Auschwitz und als Zwangsarbeiter ein Lager in Hannover-Ahlem, bevor er 1945 von der US-Armee befreit wurde. Nach dem Krieg wanderte Trzmiel in die USA aus und änderte seinen Namen in Jack Tramiel.

C64 so oft verkauft wie kein anderer PC

In den USA und später in Kanada baute Tramiel das Unternehmen Commodore auf, das mit gebrauchten Schreibmaschinen handelte oder Büromaschinen aus importierten Teilen zusammenbaute. Den Einstieg in die Computerindustrie unternahm der Büromaschinen-Mechaniker mit einfachen Taschenrechnern.

Einen Platz in den Geschichtsbüchern der Computerindustrie eroberte sich Tramiel mit dem Commodore PET (Personal Electronic Transactor), der 1977 auf dem Markt kam und mit dem Apple II konkurrierte, den Steve Wozniak entworfen hatte. Unter dem Motto "Ein Computer für die Massen - nicht für die Klassen" stellte Commodore im Juni 1980 den VC 20 vor, der in Deutschland bei einem Preis von 700 D-Mark dem Ruf eines "Volkscomputers" gerecht wurde.

Die bekannteste Erfindung Tramiels war mit Sicherheit der C64, der ab 1982 den Markt und die Kinderzimmer eroberte. Als er den Erstling des "Brotkastens" auf der Consumer Electronics Show vorstellte, ging ein Raunen durch die Branche. Die Aufregung war berechtigt: Der C64 sollte zum meistverkauften PC aller Zeiten werden.

Tramiel in einer Linie mit Jobs

1984 verließ Tramiel Commodore. Er hatte versucht, einen einer Söhne im Top-Management zu platzieren, was den Aufsichtsgremien sauer aufstieß. Mit dem Erlös seiner Commodore-Aktien stieg er bei dem angeschlagenen Konkurrenten Atari ein. Unter Leitung seines Sohnes gelang mit dem Atari ST ein weiterer Erfolg.

Außerhalb der Computerbranche machte sich Tramiel als Förderer des Holocaust-Museums in Washington und des Museums für die Geschichte der polnischen Juden in Warschau einen Namen. Abschied von der Öffentlichkeit im Silicon Valley nahm Tramiel bei einer Feier zum 25-jährigen Jubiläum des C64 im Computer History Museum in Mountain View.

Gegenüber "Forbes" zeigte sich der Autor Martin Goldberg bestürzt über den Tod Tramiels. Goldberg veröffentlichte in der Vergangenheit mehrere Bücher über Atari und die ersten Videospiele. Er sieht die Lebensleistung Tramiels in einer Linie zu dem kürzlich verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs.

Quelle: n-tv.de, jog/dpa