Wirtschaft
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Montag, 01. Januar 2018

Ausblick auf 2018: Das nächste Börsenjahr wird spannend

Von Daniel Saurenz

Ein überdurchschnittlich gutes Börsenjahr ist vorbei. Eine zweistellige Aktienrendite im Nullzinsumfeld überzeugt einmal mehr, doch mit Blick auf 2018 verspricht das neue Aktienjahr vor allem eines: Spannung.

2017 war ein Jahr, in dem Rückschläge, Korrekturen und vor allem Volatilität und Schwankungen fast gänzlich fehlten. Weder Donald Trump noch die Regierungsflaute in Deutschland oder Unsicherheiten um Italien konnten die Aktienmärkte aus dem Takt bringen. Speziell die US-Börsen stiegen wie an der Schnur gezogen. Ein Motto wird aber auch 2018 an der Börse gelten: Für das Gewesene gibt der Kaufmann nichts.

Ob eine Konjunktur auf Rekordlevel, ein Ifo-Index auf Top-Niveau, die US-Steuerreform, sprudelnde Unternehmensgewinne oder Nullzinsen in Europa – all dies ist in den Kursen zum größten Teil schon berücksichtigt. Als Folge dessen müssten Firmen gewinnseitig 2018 eigentlich noch einen Tick draufpacken, um Kursniveaus beim Dax von 14.000 Zählern oder 26.000 Punkten beim Dow Jones zu rechtfertigen.

Auf der Gewinnseite wäre in Europa sogar noch etwas Luft, sind doch gerade Banktitel oder auch viele Aktien der "old economy" noch angemessen bewertet. Bei den Technologieaktien in den USA scheinen Korrekturen jedoch nahezu ausgeschlossen, und genau darin liegt die Gefahr für 2018. Kaum jemand spricht über Bewertungsmaßstäbe für Google, Apple, Netflix oder Amazon - überzeugende Geschäfte und steigende Aktienkurse dieser Titel werden praktisch als Naturgesetz angenommen. Manche Bewertungsindikatoren erinnern an den Jahreswechsel 2007 zu 2008.

Die Sorglosigkeit ist hoch

Die institutionellen Investoren in den USA sind positiv eingestellt wie lange nicht, und selbst Konzerne, die außer Verlusten und viel Phantasie kaum etwas geliefert haben - wie Tesla beispielsweise - werden noch großzügig bewertet. Kleiner Nebenaspekt: Uber wurde als erfolgreichstes Start-Up just im Wert merklich gestutzt, dort werden Investoren langsam nervös.

Am Aktienmarkt liegt die Volatilität ausgedrückt über VDAX new in Deutschland oder den VIX in den USA weiterhin auf historischem Tiefststand. Die Sorglosigkeit ist hoch und die Angst niedrig. Dabei steht eine weitere Herausforderung 2018 an: Die US-Notenbank muss ihre Zinswende möglichst marktfreundlich hinbekommen und zugleich dafür sorgen, dass die Exzesse in manchen Bereichen des Anleihen- oder Immobilienmarktes sich nicht noch weiter fortsetzen, die Blasen nicht noch größer werden. Diese geldpolitische Übung könnte durchaus ruckelnd von statten gehen.

Zu guter Letzt sind einige weiche Faktoren zu finden, die aufhorchen lassen. Selbst mancher Renter stellt sich auf Partys mittlerweile zum Jungvolk und philosophiert über Vor- und Nachteile von IOTA, Bitcoin oder Dash. Bei Kryptowährungen setzt der Verstand mitunter ähnlich schnell aus wie einst im Neuen Markt als jeder Konzern, dessen Führungsriege das Wort Internet im zweiten Anlauf buchstabieren konnte, an die Börse gebracht wurde. Die Folgen sind bekannt, und womöglich ist auch der Bitcoin ein Auswuchs der Sorglosigkeit am Finanzmarkt. Übrigens: Auch Gold und Silber werden noch gehandelt. Edelmetalle sind allerdings "old school" und uncool – auch das darf zum Nachdenken anregen.

So könnten auch die allgemeinen Voraussagen, dass Immobilien und Aktien aufgrund des Zinsumfelds weiter stabil sein müssen, von Störfeuern kassiert werden. Von Lohninflation oder Inflation aus dem Energiesektor spricht kaum jemand, die Politik wird ohnehin als nicht störend gewertet, und die weltweite Rekordverschuldung scheint sich selbst zu regeln. Wenn es da 2018 nicht die eine oder andere Überraschung geben wird.

Quelle: n-tv.de