Wirtschaft

Draghi verunsichert Dax bleibt Zufluchtsort für Sparer

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Führt die EZB:Mario Draghi.

(Foto: REUTERS)

EZB-Chef Mario Draghi ist immer für eine Überraschung gut. Den Euro kann er nicht schwachreden, dafür den Dax, der aber immer noch viel zu bieten hat.

Mario Draghi hat Investoren auf der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag auf dem falschen Fuß erwischt. Sie hatten erwartet, dass der EZB-Chef nach dem vorherigen kräftigen Anstieg des Euro versuchen würde, ihn herunterzureden. Immerhin lag er mit Kursen um die 1,24 Dollar je Euro um etwa sechs Prozent über der Währungsprognose der EZB für das Jahr 2018. Der starke Euro dämpft gleichzeitig die Inflation und erschwert der Notenbank, ihr Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent zu erreichen. Konkrete Maßnahmen, um den Euro zu schwächen, waren nicht erwartet worden. Aber wenigstens eine verbale Intervention? - Fehlanzeige.

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Der deutsche Leitindex bekam daraufhin einen Dämpfer. Bei einem steigenden Euro trüben sich die Perspektiven für die deutschen Unternehmen etwas ein, weil deutsche Produkte in den USA teurer und US-Produkte in der Eurozone billiger werden. Kann das der Auftakt zu einer Konsolidierung oder gar Korrektur beim exportstarken Dax werden?

Für den Dax spricht das nach wie vor positive Wirtschaftsumfeld. Zuletzt hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für 2018 und 2019 um jeweils 0,2 Prozentpunkte auf jeweils 3,9 Prozent angehoben. Das wäre das stärkste Wachstum seit 2011 und dürfte die exportstarken Dax-Titel stützen. Ein Grund für die Anhebung der Prognose ist nicht zuletzt die US-Steuerreform, die sowohl US- als auch die Weltwirtschaft ankurbeln dürfte. Den zunehmenden Optimismus spiegeln die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen wider, die mit fast 2,7 Prozent auf das höchste Niveau seit April 2014 geklettert sind. Diese Aussicht beflügelt Dax-Unternehmen, wie Daimler, BMW, oder Siemens, die über ein großes US-Geschäft verfügen.

Value-Aktien und Zykliker favorisieren

In einem Umfeld steigender Zinsen für zehnjährige US-Anleihen setzen Investoren auf Value-Aktien und Zykliker, die vom wirtschaftlichen Aufschwung meist stark profitieren. Diese beiden Aktiengattungen sind nicht nur in den USA, sondern auch in Europa gefragt. Value-Aktien sind Papiere von Unternehmen, die gemessen an Unternehmenskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) niedrig bewertet sind und eine hohe Dividendenrendite haben. Zu den am höchsten gewichteten deutschen Aktien aus dem MSCI Europe Value Index gehören zum Beispiel BASF und Allianz. Beide Titel gehören gleichzeitig zu den beliebtesten Aktien der Deutschen, wie die jüngsten Umsätze an der Handelsplattform gettex gezeigt haben. Und die Performance kann sich ebenfalls sehen lassen: Die Aktien waren zuletzt ebenso im Rally-Modus wie Zykliker, ehe es zu leichten Gewinnmitnahmen gekommen ist.

Für langfristig orientierte Anleger kommt hinzu, dass der Dax mit einer Dividendenrendite von rund 3,0 Prozent deutlich über den Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen bei rund 0,60 Prozent liegt. Auch die Allianz mit einer Dividendenrendite von 4,3 und BASF mit 3,4 Prozent sind attraktiv und eine Alternative für defensive Anleger, die ein Engagement am Aktienmarkt nicht scheuen.

Außerdem spricht noch ein Faktor für den Dax, nämlich die Bewertung. Das 2018er-KGV liegt bei 13,4. Zwar rangiert es damit um 15 Prozent über dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Allerdings notiert es weit unter dem des S&P 500 von 18,7. Ein weiterer Beleg für die Attraktivität europäischer Aktien ist die jüngste Statistik des ETF-Barometers von Lyxor, der die Kapitalströme europäischer ETF-Anleger in den unterschiedlichen Assetklassen misst. ETFs sind von institutionellen Anlegern häufig genutzte Instrumente. Europa hatte 2017 stärkere Mittelzuflüsse als US-Titel, wobei Aktien-ETFs insgesamt rekordhohe Mittelzuflüsse einsammeln konnten. Die Chancen stehen daher gut, dass der Dax die Bewährungsprobe überstehen wird.

Quelle: n-tv.de