Börse wird nervöserDefensive Aktien geben Deckung

Die Börsianer sind wieder risikoscheuer geworden, die jüngsten Konjunkturdaten enttäuschen. Damit ist es auch für Anleger höchste Zeit, sich defensiv zu positionieren.
Die konjunkturellen Querschläger in den USA und in Europa, der Krieg im Nahen Osten und die Ebola-Epidemie in Westafrika haben die Aktienmarkt-Rally erst einmal gestoppt. Immer deutlicher zeigt sich, dass die Sorglosigkeit der vergangenen Monate kein Dauerzustand ist - die Risiken rücken an den Aktienmärkten wieder in den Vordergrund.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft sinkt. Im September ging der bedeutende Ifo-Geschäftsklima-Index bereits den fünften Monat in Folge zurück – und zwar stärker als erwartet. Trübe Aussichten signalisierte zuletzt auch der ZEW-Index. Das Konjunktur-Barometer fiel auf den niedrigsten Stand seit August 2013. Stagnierendes Wirtschaftswachstum in Frankreich, erneute Rezession in Italien, enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA und erhebliche Zweifel am Wirtschaftswachstum in China – angesichts dieses Umfelds ist es kein Wunder, dass auch der deutsche Konjunkturmotor ins Stottern gerät. Erschwerend kommt hinzu, dass im Nahen Osten bislang der IS-Terror kaum zu stoppen ist, sowie die Sorge, dass die Ebola-Seuche von Westafrika auf Europa und die Vereinigten Staaten übergreift. Schließlich droht in China außer einer harten Konjunktur-Landung die Gefahr, dass die Auseinandersetzungen in Hongkong außer Kontrolle geraten.
Ausländer verkaufen
DAXDie EZB reagiert auf die schwache wirtschaftliche Entwicklung in Europa mit rekordtiefen Leitzinsen und mit Geldspritzen in einem Volumen von rund 1000 Milliarden Euro. Mit diesen Maßnahmen will sie die drohende Deflation aufhalten und der Konjunktur auf die Beine helfen. Bislang haben die Währungshüter aber nur erreicht, dass sich der Euro im freien Fall befindet. Das dürfte zwar mittelfristig die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exportindustrie stärken, kurzfristig führt die Abwertung der Gemeinschaftswährung aber dazu, dass internationale Anleger ihr Geld aus der Eurozone abziehen. Die jüngste Korrektur bei Dax & Co. ist maßgeblich den Verkäufen ausländischer Investoren geschuldet. Interessanterweise stiegen auch die Leerverkäufe, also die Wetten auf sinkende Kurse, zuletzt wieder an.
Bereits im Sommer hatte sich angedeutet, dass die Aktienanleger verunsichert sind. In den zurückliegenden Wochen nahmen die Schwankungen spürbar zu. Insbesondere konjunktursensible Branchen und Einzeltitel, die enttäuschten, gerieten unter erheblichen Abgabedruck. Während der Euro Stoxx 50 sich auf Sicht der vergangenen drei Monate in etwa seitwärts entwickelte, gaben die europäischen Autotitel im selben Zeitraum rund 20 Prozent nach. Auch die Zulieferer liefen schlecht. Die Gewinnwarnungen vom Adidas (WKN A1EWWW) oder Bilfinger (WKN 590900) straften die Anleger mit Kursverlusten von 15 beziehungsweise sogar 40 Prozent ab. Nach diesen massiven Abverkäufen bieten sich hier bei einem etwas längeren Anlagehorizont schon wieder hervorragende Kaufgelegenheiten.
Schlauer als der Markt
Wenn die Kursausschläge zunehmen, liefern erfahrungsgemäß defensive Aktien mit einer höheren Dividendenrendite eine bessere Wertentwicklung als der breite Markt. Die Marketingabteilungen der Banken verkaufen diese Outperformance werbewirksam unter dem Begriff Smart Beta. Außerdem zeigen langfristige Vergleiche, dass Werte mit höheren Gewinnbeteiligungen weniger stark schwanken als Aktien mit einer niedrigen Dividendenrendite. Da Anleger Risiken – und nicht anderes sind Volatilitäten – möglichst meiden, bevorzugen sie gerade in unruhigen Zeiten defensive, schwankungsärmere Aktien. Sie liefern in der Regel nicht nur höhere Erträge, sondern puffern mit ihren hohen Ausschüttungen zumindest teilweise etwaige Kursverluste.
Zwar sind die langfristigen Aussichten für Aktien nach wie vor ganz überwiegend positiv. Aufgrund der rekordtiefen Renditen an den Rentenmärkten gibt es zu Dividendentiteln kaum nennenswerte Investment-Alternativen. Kurzfristig sollten sich Anleger aber mit ausreichend Barmitteln positionieren. Fällt der Dax unter sein bisheriges Jahrestief vom August bei 8903 Punkten, sind weitere Kursverluste in Richtung des letzten zyklischen Hochs bei 8150 Zählern durchaus möglich. Spätestens dann dürfte es sich lohnen, die Aktienquote wieder stärker zu erhöhen.
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