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Mehr Porto, weniger Zustell-Tage Deutsche Post fordert neue Brief-Regeln

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"Die Portohöhe ist für die Kunden nicht wirklich kritisch": Die Deutsche Post würde am liebsten mehr verlangen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Was, wenn der Postbote nur einmal die Woche kommt? Mit einem umstrittenen Experiment rüttelt die Deutsche Post an der bisher geltenden Sechs-Tage-Zustellung. Post-Vorstand Gerdes wirbt für die neue Wahlfreiheit am Briefkasten.

Die Deutsche Post will die geltenden Vorgaben zur täglichen Briefzustellung von Montag bis Samstag auflockern. "Wer es möchte, dem werden wir weiterhin jeden Werktag seine Briefe zu Hause zustellen", sagte Post-Vorstand Jürgen Gerdes der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Aber wenn Kunden es anders haben wollen, dann sollte auch die Politik nachdenklich werden."

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Post-Konzernvorstand Jürgen Gerdes, hier bei der Vorstellung des Zustell-Roboters "Postbot" Anfang Oktober.

(Foto: picture alliance / Swen Pförtner)

In einem umstrittenen Pilotversuch testet die Post seit Anfang Juli, wie andere Zustellmodelle bei den Kunden ankommen. Ausgewählte Kunden können dabei zum Beispiel wählen, ob sie ihre Briefe als Sammelzustellung an bestimmten Wochentagen zu Hause oder an den fünf Werktagen von Montag bis Freitag an ihren jeweiligen Arbeitsplatz geliefert bekommen wollen.

"Wir testen neue Zustelloptionen, um Kundenbedürfnisse zu erforschen", hatte ein Sprecher des Dax-Konzerns im Sommer auf Anfrage des "Bonner Generalanzeigers" erklärt. Schon länger in der Debatte sind Pläne, die besonders aufwändige Montagszustellung zu streichen. In diesem Fall könnte das frühere Staatsunternehmen teure Sonntagsschichten aus der Personalplanung streichen.

Kritik an der Porto-Deckelung

Frei schalten und walten kann die Deutsche Post auch mehr als zwei Jahrzehnte nach der Privatisierung der einstigen Bundespost nicht. In Deutschland regelt unter anderem das Postgesetz, dass der sogenannte Universaldienst im Postwesen zeitlich und flächendeckend "ausreichend und angemessen erbracht wird", wie es bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, der Bundesnetzagentur, dazu heißt.

Auch bei den Gebühren sind der Post vom Gesetzgeber enge Grenzen gesetzt: Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zeigte Post-Vorstand Gerdes wenig Verständnis für die strenge Deckelung des Briefportos. "Die Leute geben im Durchschnitt weniger als 2 Euro im Monat für Briefmarken aus", sagte er. "Da ist die Portohöhe für die Kunden nicht wirklich kritisch. Und mit 70 Cent liegen wir in Deutschland immer noch deutlich unter dem europäischen Durchschnitt." Das Porto ist noch bis Ende kommenden Jahres festgeschrieben.

Neustart für den E-Postbrief

Gerdes kündigte zugleich auch eine neue Variante des digitalen E-Postbriefes an, der bei privaten Post-Kunden bisher nur ein Schattendasein fristet. "Das ist nicht so gekommen, wie wir es uns damals vorgestellt haben", gestand er. "Die meisten Privatkunden bevorzugen eben immer noch den Papierbrief, den sie zuverlässig und pünktlich jeden Tag in ihren Briefkästen finden".

In Zukunft soll es deshalb für die Teilnehmer am E-Post-System beides geben: den physischen Brief und den digitalen Zwilling im elektronischen Postfach. In anderen Geschäftsfeldern läuft es für die Deutsche Post dank des Booms im Online-Handel prächtig: Im Paketgeschäft steuert die Post auf einen neuen Mengenrekord zu. "An Spitzentagen rechnen wir mit 8,5 Millionen Päckchen und Paketen am Tag", erklärte Gerdes mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft.

Quelle: n-tv.de, mmo

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