Aktiendepot absichernDie Risikowahrnehmung steigt wieder

Mit der absoluten Sorglosigkeit ist es an den Aktienmärkten erst einmal vorbei. Um weitere Kursverluste zumindest zu begrenzen, sollten Aktienanleger ihre Depots absichern.
Auf einmal sind an den Aktienmärkten die Risiken wieder ein Thema. Abzulesen ist dies am Volatilitätsindex VDax-New, der die erwartete Schwankungsbreite der kommenden 30 Tage misst. Nachdem das Angstbarometer Anfang Juli mit zwölf Punkten auf ein Mehrjahrestief gefallen war, notiert es mittlerweile wieder im Bereich von 20 Zählern. Typischerweise ging der Anstieg des VDax-New mit entsprechenden Verlusten am deutschen Aktienmarkt einher. Der Dax fiel im selben Zeitraum von mehr als 10.000 Punkten zwischenzeitlich unter die Marke von 9000 Zählern.
Tatsächlich gibt es einige Risiken, die die Aktienmärkte lange Zeit fast vollständig ignoriert hatten. Im Irak und in Libyen, aber auch in einigen schwarzafrikanischen Staaten terrorisieren radikale Islamisten die Bevölkerung. Trotz des Leids der dortigen Menschen haben politische Börsen zwar kurze Beine. Bei diesen Ländern handelt es sich aber gleichzeitig um wichtige Öllieferanten für die Weltwirtschaft. Eine weitere Eskalation oder ein Übergreifen auf den Süden des Iraks und auf andere Staaten des Mittleren Ostens könnten über kurz oder lang zu spürbaren Lieferausfällen führen.
Angreifbare Gas-Pipelines
Noch bedrohlicher scheint die Entwicklung in der Ukraine. Denn Gazprom, der größte Gaslieferant Europas, pumpt mehr als die Hälfte seiner Lieferungen in den Westen durch Pipelines im vom Bürgerkrieg erschütterten Nachbarland Russlands. Kiew hat bereits gedroht, den Transit zu stoppen, falls Moskau die Ukraine weiter destabilisiere. Außerdem schaukeln sich durch den Konflikt die gegenseitigen Sanktionen Russlands und der westlichen Staaten immer weiter nach oben. Erste wirtschaftliche Bremsspuren sind vor allem bei der ohnehin labilen Konjunktur in Europa bereits sichtbar. Auch ohne den Ukraine-Konflikt haben die Ergebnisse der europäischen Unternehmen im zweiten Quartal überwiegend enttäuscht. Schließlich gelten der August und der September als generell schwache Börsenmonate ("Sell in may and go away"). Tatsächlich zeigen historische Zeitreihen, dass die beiden Sommermonate in den vergangenen 14 Jahren meistens mit roten Vorzeichen abschnitten.
Für Anleger gibt es also genügend Gründe, ihr Depot krisenfest zu machen. Für strategische Investoren mit langem Zeithorizont besteht die Absicherung meistens darin, die Anlagen über verschiedene Regionen und Anlageklassen breit zu streuen. Taktiker, die auch auf kurzfristigere Entwicklungen setzen, passen ihre Aktienquote den Marktgegebenheiten an. Nach dem Motto „Durch Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden“ verkaufen sie also kurzerhand einen Teil ihrer Aktien. Dabei empfiehlt es sich, feste Marken zu setzen und diese auch konsequent zu beachten. Erfahrungsgemäß stellt die Begrenzung von Verlusten einen wesentlichen Baustein für den Anlageerfolg dar. Sicherheitsorientierte Anleger sollten also Stopp-Kurse festlegen und diese auch tatsächlich befolgen.
Aktienverkäufe führen allerdings regelmäßig dazu, dass eine zuvor austarierte Depotstruktur in Mitleidenschaft gezogen wird. Außerdem fallen beim Verkauf und möglicherweise späteren Rückkauf Bankgebühren an. Alternativ bietet sich der Erwerb eines Short-ETFs zum Beispiel auf den Dax an. Ein solcher Indexfonds bewegt sich weitgehend eins zu eins in gegenläufiger Richtung wie der entsprechende Index. Fällt der Dax beispielsweise um ein Prozent, so steigt der Short-ETF auf den Dax ebenfalls um rund ein Prozent. Umgekehrt fällt der Indexfonds aber auch, wenn der zugrundeliegende Index steigt.
Konkret kann der Dax zum Beispiel durch den Short-Dax von db x-trackers (WKN DBX1DS) abgesichert werden. Generell sind Short-ETFs sehr liquide handelbar und haben kein Fälligkeitsdatum. Zudem fallen die Kosten günstig aus. Allerdings erfordert diese Absicherungsstrategie einen vergleichsweise hohen Kapitaleinsatz. Um 10.000 in den Dax investierte Euro zu 100 Prozent abzusichern, müssen sich Anleger mit weiteren 10.000 Euro in einem Short-ETF auf den Dax engagieren. Investoren können den Kapitaleinsatz aber durch gehebelte Varianten optimieren. Der Short-Dax x2 (WKN DBX0BY) bewegt sich beispielsweise doppelt so stark in entgegengesetzter Richtung wie der Dax. Dieser ETF stammt ebenfalls von db x-trackers.
Mit deutlich weniger Kapitaleinsatz lässt sich eine Absicherungsstrategie mit Put-Optionsscheinen umsetzen. Hierbei handelt es sich faktisch um eine Versicherung, für die der Anleger eine Prämie zahlt. Wenn die Risiken gering scheinen, also die Schwankungsbreite an den Aktienmärkten niedrig ist, fallen vergleichsweise geringe Kosten an. Zwar ist die Volatilität zuletzt gestiegen, im historischen Vergleich ist sie aber noch immer gering. Im Gegensatz zu Short-ETFs laufen Optionsscheine aber zu einem festgelegten Termin aus. Der Einsatz von Optionsscheinen setzt bei der depotführenden Bank die Termingeschäftsfähigkeit voraus.
Natürlich lassen sich die hier vorgestellten Absicherungsstrategien auch miteinander kombinieren. Es wird dann allerdings schnell komplex. Doch gerade in unruhigen Zeiten rechnet sich der finanzielle und zeitliche Aufwand von Absicherungsstrategien.
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