Wirtschaft

Ein Jahr Janet YellenDiese Frau hat die Finanzmärkte im Griff

28.01.2015, 17:59 Uhr
imageVon Diana Dittmer
ellen
Janet Yellen steht seit einem Jahr der US-Notenbank Fed vor. (Foto: REUTERS)

Die "kleine Lady mit dem großen IQ" kontrolliert die Finanzmärkte, wie kaum einer es für möglich gehalten hätte. Das Ende der Anleihekäufe hat Yellen schon erfolgreich organisiert. Jetzt steht ihr und den Märkten die nächste Herkulesaufgabe bevor.

Janet Yellen hat in nur einem Jahr an der Spitze der amerikanischen Notenbank kräftig den Fuß vom Gas genommen. Als die Fed-Chefin antrat, kaufte die Notenbank noch Monat für Monat für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere. Ende Oktober 2014 war damit Schluss. Die Befürchtung, dass die Dozentin der Harvard University den Finanzmärkten zu schnell das Geld entziehen würde, erwies sich als unbegründet. Im Gegenteil: Die US-Börsen erzielten nach dem Ende der Anleihenkäufe neue Allzeithochs. Die "kleine Lady mit dem großen IQ", wie Weggefährten Yellen liebevoll nennen, stoppte die Druckerpresse, ohne dass die Aktienmärkte das große Zittern des Entzugs bekamen.

Dass die Finanzmärkte nicht das große Zittern bekamen, als Yellen den Geldhahn zudrehte, ist vor allem ihrer ruhigen und unaufgeregten Art geschuldet, mit der sie ihre Politik verkauft. Die Nachfolgerin von Ben Bernanke versicherte in der Vergangenheit immer wieder, die entscheidende Rolle der Federal Reserve bestehe darin, die Voraussetzungen für maximale Beschäftigung, eine niedrige und stabile Inflationsrate bei zwei Prozent und ein sicheres und solides Finanzsystem zu schaffen. Die Fed werde alle Daten betrachten, um die Ziele einzuhalten. Yellen hat dabei immer verstanden, ein Türchen offen zu halten: Wenn die wirtschaftliche Lage sich verändere, werde sich auch die Geldpolitik der Fed ändern. Angesichts eines Wirtschaftswachstums von rund drei Prozent und einer deutlich gesunkenen Arbeitslosenquote, war das bislang nicht nötig. Aber die Ansage an sich ist eine Beruhigungspille, die die Finanzmärkte gerne schlucken.

Der Wechsel an der Spitze der US-Zentralbank von Ben Bernanke zu Janet Yellen hatte zunächst viele Befürchtungen geweckt, aber die gestandene Ökonomin schaffte es, die Finanzmärkte zu überzeugen, dass sie die milliardenschweren Anleihekäufe der US-Notenbank maßvoll zurückfahren würde. Wie ihr Vorgänger stand sie zwar für eine lockere Geldpolitik, die Frage war aber, ob sie diesen Weg weiter gehen würde. Die eingefleischte "Taube", wie man Verfechter einer ultralockeren Geldpolitik nennt, blieb dabei. Und sie machte immer wieder deutlich, dass sie im Zweifelsfall auch eine höhere Inflation für eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen würde.

So blieb unter Yellen zunächst alles beim Alten, an der Zinsschraube drehte sie nicht. Ruhig und unaufgeregt ließ die ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin die geldpolitischen Zügel weiter durchhängen. Die ultralockere Politik lief länger als von vielen Marktteilnehmern befürchtet worden war. Und die Wirtschaft freute sich weiter über historisch niedrige Zinsen.

Für das erste Amtsjahr streicht Yellen so auch viel Lob ein. Edwin Truman, Mitglied im Vorstand der Fed und Wegbegleiter der 68-Jährigen, gibt ihr ein "Gut". Es gebe keine Fehltritte, keine Skandale. Und das Ende der Anleihekäufe habe sie auch organisiert, so Truman.

Kritik an laxer Bankenkontrolle

Dennoch muss die oberste Währungshüterin auch Kritik einstecken. Bemängelt wird unter anderem die laxe Bankenaufsicht der Fed. Im Fokus steht dabei die Notenbank von New York, die von William Dudley, einem ehemaligen Goldman-Sachs-Manager geleitet wird. Einem internen Bericht zufolge sollen die Mitarbeiter Angst haben, ihre Meinung zu sagen und gegen Goldman Sachs vorzugehen. Die Fed reagierte auf die Vorwürfe. Seit vergangenem Jahr prüft sie ihre internen Prozesse der Überwachung von Großbanken.

Kritik gibt es auch der "Drehtür", an dem häufigen Personalwechsel zwischen Notenbank und Finanzministerium. Die enge Zusammenarbeit gefährde die Unabhängigkeit der Notenbank, heißt es. Das viele billige Geld schmiert die Wirtschaft und das nützt Präsident Barack Obama. Republiker sähen es lieber, wenn die Fed endlich die Zinsen anheben würde.

In ihrer zweiten Amtszeit muss sie diesen Vorwürfen etwas entgegensetzen. Die große Herausforderung für Yellens - neben der Stärkung der Bankenaufsicht - ist aber die Anhebung der Zinsen. Wie bei den Anleihekäufen muss die erste Frau auf dem Chefsessel der US-Notenbank wieder mal viel Fingerspitzengefühl beweisen, um die Finanzmärkte nicht aufzuscheuchen. Da die Inflation immer noch niedrig ist, wird sie wohl vorerst an ihrem historisch niedrigen Leitzins zwischen null und 0,25 Prozent festhalten. Die erste Erhöhung seit der großen Wirtschaftskrise erwarten Experten, die ihr auf die Finger geschaut haben, für Mitte des Jahres. Allerdings könnte Yellen mit Weitsicht, ruhiger Hand und mit Hinweis auf die niedrige Inflation auch noch später in die Zinsschraube greifen.

Quelle: ntv.de