Wirtschaft

Erstmals mehr Geld durch PaketeDHL will trotz weltweiter Konflikte wachsen

05.03.2026, 16:55 Uhr
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In Deutschland war das Paketgeschäft für DHL erstmals einträglicher als der Briefversand. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Es ist passiert - hierzulande hat die Post erstmals mehr mit der Paket- als der Briefzustellung verdient. Im globalen Geschäft fielen die Einnahmen geringer aus, doch der Konzern steuert mit dem Rotstift gegen. Im Ergebnis fallen Gewinn und Dividende höher aus.

Der Logistikriese DHL will trotz des Kriegs im Iran und internationaler Handelskonflikte mehr verdienen. Dabei soll auch ein Sparprogramm helfen, mit dem der Bonner Konzern im vergangenen Jahr Tausende von Stellen auch außerhalb Deutschlands gestrichen hat. An seinen Investitionen in der Golfregion - rund eine halbe Milliarde Euro sind bis 2030 vorgesehen - will Konzernchef Tobias Meyer festhalten. Die Krise biete auch Chancen. Er blicke zuversichtlich auf 2026. Die Anleger teilten seinen Optimismus indes nicht. DHL-Aktien waren zeitweise größter Verlierer im Dax.

Trotz der Unsicherheiten und Schwankungen der Weltwirtschaft will DHL operativ (Ebit) mit über 6,2 Milliarden Euro etwas mehr verdienen als zuletzt. "Unsere Prognose kalkuliert explizit keine Verbesserung des weltwirtschaftlichen Umfelds ein", unterstrich Meyer.

Die Ziele für das vergangene Jahr hat DHL nach eigenem Bekunden derweil erreicht. Der Umsatz sank zwar unter anderem wegen schrumpfender Sendungsvolumina der wichtigen Express-Sparte in die USA um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro. Das Ebit legte dagegen dank Einsparungen um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich kletterte der Gewinn um mehr als fünf Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen für 2025 je Aktie 1,90 Euro Dividende erhalten, nach 1,85 Euro im Jahr zuvor..

Hierzulande hat der Konzern derweil mit der Paketzustellung erstmals mehr Geld in die Kassen bekommen als mit dem Austragen von Briefen. Während es mit Briefen 7,1 Milliarden Euro erlöste und damit 3,8 Prozent weniger als 2024, waren es im Paketgeschäft mit 8,2 Milliarden Euro 11,2 Prozent mehr. Die Briefträger und Paketboten des Unternehmens trugen in Deutschland 10,6 Milliarden Briefe und 2 Milliarden Pakete aus, bei der Menge war die Entwicklung wie beim Umsatz: Bei Briefen ging es nach unten und bei Paketen nach oben.

Grund für die Entwicklung ist das veränderte Verhalten der Verbraucher und Firmen im Digitalzeitalter: Immer weniger Menschen schicken Briefe, stattdessen setzen sie auf E-Mails und Chatnachrichten zur Kommunikation. Auch Werbetreibende haben das Internet im Fokus, daher finden die Menschen weniger Werbeprospekte oder Werbebriefe in ihren Briefkästen als früher. DHL geht davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und womöglich sogar beschleunigt. 2010 seien 30 Briefe auf ein Paket gekommen, inzwischen kämen fünf Briefe auf ein Paket, sagt Kreis. "Wir rechnen damit, dass wir am Ende dieser Dekade bei eins zu eins oder zwei zu eins sind", sagte Finanzvorständin Melanie Kreis.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Konzernchef Meyer den Rotstift angesetzt. In der Brief- und Paketsparte in Deutschland fielen 8000 der gut 190.000 Arbeitsplätze weg. Das Ziel sei durch "natürliche Fluktuation" erreicht worden, hatte der DHL-Chef gesagt. Aber auch in anderen Regionen strich DHL Jobs. Der Konzern beschäftigte Ende 2025 noch knapp 584.000 Menschen - im Jahr zuvor waren es rund 601.000. Insgesamt sollen die Kosten konzernweit bis 2027 um mehr als eine Milliarde Euro gesenkt werden. Dabei kam der Logistikriese im vergangenen Jahr voran: "In Summe hat unser Kostenprogramm Fit for Growth im Jahr 2025 brutto über 600 Millionen Euro zum operativen Ergebnis beigetragen", sagte der DHL-Chef.

Meyer zeigte sich anders als viele Mitbewerber optimistisch, die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs bewältigen zu können: "So tragisch dieser militärische Konflikt ist, er schränkt unsere Zuversicht für 2026 nicht ein." DHL verfüge in der Region bereits über ein eng geknüpftes Verteilnetz. Damit könne DHL Warenströme flexibel verteilen - und etwa Güter über die Straße zu Flughäfen bringen, die noch angeflogen werden können. Ein Beispiel sei der Flughafen im saudischen Riad.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa