Wirtschaft

"Wir stecken im Schlamassel" Eurozone wappnet sich für Schock

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Ist Zypern auf dem Weg aus der Eurozone?

(Foto: picture alliance / dpa)

Zypern steuert auf die Pleite und einen Ausstieg aus der Eurozone zu. Die versucht fieberhaft, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten: Massive Geldabflüsse durch Kapitalverkehrskontrollen müssten etwa gestoppt und Ansteckungsgefahren gebannt werden. Vor allem Griechenland brauche dann Schutz, heißt es in der Eurogruppe.

In der Eurozone herrscht Alarmstufe Rot über einen drohenden Kollaps Zyperns. Vertreter der Euro-Staaten besprachen in einer Telefonkonferenz Vorkehrungen gegen einen Zusammenbruch der Banken auf der Insel, wie aus Reuters vorliegenden Notizen eines Teilnehmers hervorgeht. Dazu gehören Kapitalverkehrskontrollen gegen einen massiven Geldabfluss. Der Vertreter Deutschlands wies den Unterlagen zufolge darauf hin, dass Ansteckungsgefahren bei einem Ausscheiden Zyperns aus der Eurozone gebannt werden müssten.

Noch werde fieberhaft an einem neuen Paket gearbeitet, hieß es in hochrangigen EU-Kreisen. Doch die Chancen dafür schwänden, so dass an einem Notfallplan für die Kernschmelze des aufgeblähten Finanzsektors gearbeitet werde. Sollte Zypern nicht kooperieren, müsste es bald sein eigenes Geld drucken und aus der Eurozone ausscheiden, ergänzte der EU-Vertreter.

EZB droht

"Wir stecken im Schlamassel", zitiert das Papier den Vorsitzenden der Euro-Arbeitsgruppe, Thomas Wieser, der die Sitzung der Finanzstaatssekretäre der Euro-Staaten mit Vertretern von Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission leitete. Die Lage sei jetzt sehr brenzlig. Das vergangene Woche ausgehandelte Rettungspaket mit 10 Mrd. Euro Kredit und 5,8 Mrd. Euro Zwangsabgabe der Bankkunden hatte das Parlament in Zypern abgelehnt. Die Euro-Länder warten seither vergeblich auf einen alternativen Plan der Regierung in Nikosia.

Die EZB droht, den Banken ab Dienstag, wenn sie nach einer Woche Schließung öffnen, den Geldhahn abzudrehen, sollte bis dahin kein Programm zur Sanierung von Staat und Großbanken vorliegen.

"Zypern ist fast unregierbar"

Zwischen Brüssel und Nikosia herrscht Funkstille. Der Vertreter Zyperns nahm nicht an der Telefonkonferenz teil, was die anderen Teilnehmer schockierte, wie aus der Mitschrift hervorgeht. Dass ein Rettungskandidat derart abtaucht, habe es noch nie gegeben, sagte der Vertreter Frankreichs. Da das Parlament auf Zypern zu emotional sei für jegliche Entscheidung, müsse die Regierung womöglich ohne Rückhalt der Volksvertretung handeln.

Doch auch die Regierung bringe nichts zustande, hieß es in EU-Kreisen. "Zypern ist derzeit fast unregierbar, sie haben keinen Schlachtplan und ihre Verwaltungskapazitäten sind gering", sagte der Insider. Deshalb hätten die Euro-Staaten jetzt vorgeschlagen, die Pensionsfonds zu verstaatlichen und die Abgabe auf Einlagen über 100.000 Euro auf 12 bis 13 Prozent festzusetzen, um die Sparer mit weniger Geld auf der Bank zu verschonen.

Doch Zypern weigere sich, die reicheren Bankkunden, vornehmlich aus Russland, mit mehr als zehn Prozent Abgabe zu verschrecken. Und Deutschland sei strikt gegen die Verstaatlichung der Pensionsfonds, die 2 Mrd. Euro einbringen könnte. Es gebe so viele rote Linien Zyperns mit Russland im Hintergrund einerseits und von der Bundesregierung sowie dem Internationalen Währungsfonds andererseits, dass derzeit keine Einigung möglich sei. Entweder kämen alle in der kommenden Woche zur Besinnung, oder die Pleite und der Ausstieg Zyperns aus der Währungsunion sei nicht mehr zu verhindern.

"Leeres Versprechen" in Zypern

Sollte es soweit kommen, müssten zum einen massive Geldabflüsse durch Kapitalverkehrskontrollen gestoppt werden. Dazu müsse Zypern ein Gesetz verabschieden, wozu das Parlament bereit sei, hieß es weiter in EU-Kreisen. Völlige Blockade herrsche aber gegen ein Gesetz zur Abwicklung der Banken, die zwangsläufig geschlossen werden müssten. Die Abgeordneten wollten dem nicht zustimmen, weil sie glaubten, die Euro-Zone damit unter Druck setzen zu können. "Aber da überschätzen sie sich", sagte der mit den Verhandlungen Vertraute. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sei dies völlig egal.

Die beiden größten Banken des Landes, Laiki und Bank of Cyprus, seien praktisch pleite. Müssten sie dicht gemacht werden, könnten nicht nur reiche Russen, sondern auch zyprische Rentner ihr Geld komplett verlieren. Die gesetzliche Absicherung von Einlagen bis zu 100.000 Euro sei ein "leeres Versprechen", denn der Inselstaat sei ohne Hilfe ebenfalls bankrott.

Gegen eine Staatspleite Zyperns müsse vor allem Griechenland abgeschottet werden. Acht Prozent aller Einlagen in Griechenland liegen bei Filialen zyprischer Banken. Der Notfallplan dafür sei schon weit gediehen. "Darüber mache ich mir nicht so viele Sorgen", sagte der EU-Vertreter. Bis jetzt hätten die Finanzmärkte moderat reagiert, sodass sich die Ansteckung anderer schwacher Länder der Euro-Zone in Grenzen halten lasse.

Verfolgen Sie die Geschehnisse auf Zypern auch im n-tv.de Liveticker.

Quelle: ntv.de, Jan Strupczewski, rts

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