Wirtschaft

Gewerkschaft tadelt Lieferando Fahrer erhalten Online-Trinkgeld nicht

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Um eine kontaktlose Lieferung zu ermöglichen, führte Lieferando Ende Mai auch Online-Trinkgeld ein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit Ende Mai können Lieferando-Kunden ihrem Fahrer auch online Trinkgeld geben - theoretisch zumindest. Denn was als "Funktion zugunsten der Fahrer" gedacht war, sorgt wohl öfter dafür, dass die Lieferanten gar kein Trinkgeld bekommen. Die zuständige Gewerkschaft kritisiert Lieferando dafür.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert, dass auch online gesendetes Trinkgeld bei Fahrern von Essens-Lieferdiensten zuverlässig ankommt. "Lieferando muss Druck machen und dafür sorgen, dass das Trinkgeld dahin kommt, wo es hingehört", sagt Christoph Schink, Referatsleiter für das Gastgewerbe bei der NGG. Seit Ende Mai können Kunden der Bestellplattform den Fahrerinnen und Fahrern auch per App oder Website Trinkgeld geben, statt wie zuvor nur in bar. Zuletzt waren vor allem in sozialen Medien Vorwürfe von Fahrern publik geworden: Trinkgeld, das online zuerst an Lieferando überwiesen werde, komme am Ende nicht bei ihnen an.

"Wir leiten das Trinkgeld zu 100 Prozent ohne jegliche Abzüge direkt an unsere Fahrer weiter", sagt Lieferando-Manager Jörg Gerbig und weist die Vorwürfe damit zurück. Die Fahrer würden in der entsprechenden App unmittelbar darüber informiert. Bei Restaurants mit eigenen Fahrern werde das Geld an das Restaurant weitergeleitet, das dazu angehalten ist, es an die Fahrer weiterzugeben - oder je nach interner Regelung unter den Mitarbeitern aufzuteilen. "Wie das Trinkgeld verteilt wird, obliegt dem jeweiligen Restaurant. Wir sagen: Es muss weitergegeben werden und wir gehen auch davon aus, dass das passiert."

Trinkgeld darf nicht einbehalten werden

Lieferando beschäftigt eigenen Angaben zufolge deutschlandweit rund 4500 Fahrerinnen und Fahrer, die ordnungsgemäß angestellt und versichert seien. Diese liefern allerdings nur weniger als zehn Prozent aller Bestellungen aus. Die restlichen Essensbestellungen werden von den jeweiligen Restaurants an die Haustüren gebracht, über deren Fahrerinnen und Fahrer Lieferando keine Informationen hat. "Lieferando muss klar formulieren, welche Erwartungen an Partnerunternehmen gestellt werden", fordert NGG-Referatsleiter Schink. Wenn Gaststätten das Trinkgeld nicht weitergeben, sei dies widerrechtlich.

Eingeführt wurde das Online-Trinkgeld, um in der Corona-Pandemie das kontaktlose Liefern von Essen zu vervollständigen, sagt Gerbig. "Deswegen ist es eigentlich eine Funktion zugunsten der Fahrer." Lieferando geht davon aus, dass seit der Online-Neuerung mehr und häufiger Trinkgeld gegeben wird. Im Schnitt gäben Kunden zehn Prozent, was beim durchschnittlichen Wert einer Bestellung zwei Euro entspreche, sagte Gerbig.

Quelle: ntv.de, agr/dpa