Wirtschaft

Was steht im US-Job-Report?Fed-Banker warnt Anleger

07.03.2014, 10:33 Uhr
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Ungewöhnlich ausgeprägte Kaltluftströmungen aus dem Norden: Seit Monaten hält Väterchen Frost weite Teile Nordamerikas fest im Griff. (Foto: REUTERS)

Für Anlagestrategen ist es der wichtigste Termin der Woche: Am frühen Nachmittag wollen Regierungsbeamte in Washington ihren offiziellen Bericht zur Lage im Stellenmarkt vorlegen. Ein US-Notenbanker bemüht sich, die hohen Erwartungen am Markt zu dämpfen.

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Weltmacht im Blindflug: Zusammen mit seinen Kollegen in der Fed ist Notenbanker Dennis Lockhart verantwortlich für das größte geldpolitische Experiment der Menschheitsgeschichte. (Foto: REUTERS)

Es ist ein Pflichttermin, nicht nur für Börsianer, Währungshüter und Konjunkturexperten: Monat für Monat liefert der offizielle Regierungsbericht neue Daten zur Lage am US-Arbeitsmarkt - und gewährt damit Einblick in das innere Befinden der weltgrößten Wirtschaftsmacht.

Diesmal allerdings steht der sogenannte Job Report besonders stark im Rampenlicht. An den Märkten erhoffen sich Analysten Aufschluss darüber, inwieweit das ungewöhnlich harte Winterwetter die Erholung der US-Wirtschaft bremst oder vielleicht nur überlagert. Der Washingtoner Bericht zur Lage im Arbeitsmarkt wird wie üblich gegen 14.30 Uhr (MEZ) erwartet.

Skeptische Töne aus den Südstaaten

Kurz vor Bekanntgabe der Daten kamen ungewöhnlich skeptische Stimmen auf: Ein hochrangige US-Notenbanker bezeichnete die Aussagekraft der aktuell anstehenden Daten für den tatsächlichen Zustand der US-Wirtschaft als eher begrenzt. Es könne noch bis zu zwei Monate dauern, bis man aus den Daten verlässlich herauslesen könne, ob die zuletzt eher schwachen Kennzahlen zur Wirtschaftsentwicklung auf den harten Winter zurückzuführen seien oder nicht, sagte Dennis Lockhart, Präsident des regionalen Arms der US-Notenbank in Atlanta. Innerhalb des US-Notenbanksystems ist er zuständig für die wirtschaftliche Entwicklung in den südöstlichen Bundesstaaten Alabama, Florida und Georgia sowie in Teilen von Louisiana, Mississippi und Tennessee.

Dennoch geht Lockhart eigenen Angaben zufolge weiterhin davon aus, dass die Notenbank die bereits begonnene Reduzierung des milliardenschweren Wertpapier-Ankaufs fortsetzen sollte. "Aus meiner Sicht sollte das Programm weitergeführt werden, solange es keinen dramatischen Konjunktureinbruch gibt", sagte er. Im Hinblick auf die anstehenden Februar-Daten zur Entwicklung am US-Stellenmarkt rechne er im Übrigen mit "bescheidenen" Zahlen.

Scherze mit dem "Wetter-Bericht"

Ähnlich vorsichtig äußerten sich Beobachter am deutschen Aktienmarkt. Dort war mit Blick auf den Job Report bereits scherzhaft vom anstehenden "Wetter-Bericht" die Rede: In den vergangenen Monaten waren nicht nur die Arbeitsmarktdaten, sondern auch die übrigen Konjunktursignale aus den USA offensichtlich sehr stark durch das kalte Winterwetter beeinflusst.

Unklar blieb dabei bislang, ob die saisonalen Sondereffekte tieferliegende Entwicklungen verstärkt oder geschwächt haben. Angesichts dieser Unwägbarkeiten dürften auch die neuen Februar-Daten an der Börse zunächst mit Vorsicht aufgenommen werden. Sollte es allerdings zu einem klaren richtungsweisenden Signal kommen, wäre mit deutlichen Marktbewegungen zu rechnen.

Mehr als 150.000 neue Stellen

Die Erwartungshaltungen stehen fest: Volkswirte gehen davon aus, dass in den USA außerhalb der Landwirtschaft im Februar je nach Umfrage zwischen 152.000 und 163.000 Stellen geschaffen wurden. Nach einem enttäuschenden ADP-Bericht und einer schwachen Arbeitsmarktkomponente im Servive-PMI rechnen einige Marktteilnehmer allerdings insgesamt mit einem eher enttäuschenden Bericht. Sollte der Arbeitsmarktbericht dagegen oberhalb der Markterwartung ausfallen, dürften Aktienmarkt und Dollar zumindest einen Teil ihrer jüngst gesehenen Verluste wieder aufholen.

Die Daten aus den USA gelten nicht nur deshalb als so einflussreich, weil sie mehr oder weniger direkt das weitere Vorgehen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bestimmen, sondern auch, weil sie Anlegern Aufschluss darüber geben, wie genau es um die Leistungsfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft bestellt ist. Aus der Lage am Stellenmarkt lassen sich damit indirekt auch die Exportchancen deutscher Unternehmen im US-Markt ablesen.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/rts