Wirtschaft

Östberg tritt abFirmengründer gibt Aktionärsdruck bei Delivery Hero nach

12.05.2026, 15:24 Uhr
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Der Dax-Konzern Delivery Hero mit Sitz in Berlin hat kein Deutschlandgeschäft. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Unzufrieden mit der Ertragskraft dringt ein Aktionär auf Wechsel an der Spitze beim Dax-Konzern Delivery Hero. Nun beugt sich der Firmengründer, dessen Vertrag erst vor wenigen Monaten verlängert worden war.

Delivery-Hero-Gründer Niklas Östberg beugt sich dem Druck eines Großaktionärs und tritt nach 15 Jahren spätestens Ende März 2027 als Vorstandschef des Essenslieferdienstes ab. "Der Aufsichtsrat und Niklas Östberg sind sich einig, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, um den Führungswechsel einzuleiten, während das Unternehmen in seine nächste Phase eintritt", teilte das Unternehmen in Berlin mit. Der Aufsichtsrat wolle bis Ende dieses Jahres einen Nachfolger gefunden haben. Östberg werde in der Übergangsphase noch die angekündigte "Prüfung strategischer Optionen" vorantreiben. Der Hongkonger Vermögensverwalter Aspex hatte zuvor seinen Anteil an Delivery Hero auf knapp 15 Prozent erhöht und den Druck auf Östberg verstärkt. Östbergs Vertrag war erst im Januar um drei Jahre bis April 2029 verlängert worden.

Während das vor 15 Jahren gegründete Unternehmen stark im Ausland expandierte, gab es den Heimatmarkt 2018 wegen des harten Wettbewerbs mit der Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway auf. Den Versuch eines Comebacks mit der Marke "Foodpanda" in Deutschland brach Delivery Hero nach wenigen Monaten wieder ab. Das Unternehmen ist in mehr als 50 Ländern präsent - mit wechselndem Erfolg. Das Asiengeschäft war trotz milliardenschwerer Übernahmen lange ein Bremsklotz. Die spanische Tochter Glovo und ihr Italien-Ableger Foodinho stehen wegen angeblicher Ausbeutung von Lieferfahrern unter verstärktem Druck der Behörden. Zu den Wachstumstreibern im Konzern gehört dagegen die Nahost-Sparte Talabat.

Aspex begrüßte den geplanten Wechsel an der Unternehmensspitze. Vorausgegangen seien "konstruktive Gespräche mit dem Aufsichtsrat", erklärte der Großaktionär, der seit 2020 bei Delivery Hero aktiv ist. Der Hongkonger Vermögensverwalter hatte sich auf Östberg eingeschossen. Aspex ist die im Branchenvergleich geringe Ertragskraft von Delivery Hero ein Dorn im Auge. Neben Östbergs Abgang fordert er daher den Rückzug aus ganzen Regionen. Der Verkauf der Tochter Foodpanda Taiwan reiche längst nicht aus.

Erst am gestrigen Montag war bekanntgeworden, dass Aspex seine Beteiligung für rund 335 Millionen Euro um fünf Prozent aufgestockt hat. Dem Großaktionär kam zugute, dass der bisher größte Delivery-Hero-Anteilseigner, der niederländische Finanzinvestor Prosus, seinen Anteil von 26 Prozent bis zum Spätsommer auf weniger als 10 Prozent abschmelzen lassen muss. Das ist eine Auflage der EU-Wettbewerbshüter nach der Übernahme von Just Eat Takeaway durch Prosus. Aspex dürften nun rechnerisch etwa 14,2 Prozent halten, Prosus kommt auf rund 16,8 Prozent und hatte im April bereits 4,5 Prozent an Uber verkauft.

Die im Nebenwerteindex MDax notierten Delivery-Hero-Aktien drehten nach der Mitteilung über Östbergs bevorstehenden Abgang ins Plus. Seit Beginn der öffentlichen Kampagne von Aspex im März haben die Papiere um mehr als 60 Prozent zugelegt. 

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ

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