Wirtschaft

Kurssprung um 45 Prozent First Solar zeigt, wie es geht

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First Solar erfreut die Anelger: Kurssprung um 45 Prozent nach einer unerwartet positiven Prognose.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bosch steigt aus der Solarenergie aus - nach Milliardenverlusten. Solarworld verhandelt derzeit mit Gläubigern über einen Restrukturierungsplan. Diverse andere deutsche Solarunternehmen kämpfen gegen die Pleite oder sind bereits insolvent. Aber es geht auch anders, wie der größte Solarmodulhersteller der USA, First Solar, beweist.

Deutschlands Solarbranche steckt in einer existenzbedrohenden Krise, auch wegen des anhaltenden Preisdrucks aus China. Solon, Q-Cells, jüngst gab sogar Bosch den Ausstieg aus dem Solargeschäft bekannt, nachdem in den vergangenen Jahren Milliarden in diesem Bereich verbrannt wurden. Auch Solarworld, Marktexperten zufolge die letzte große deutsche Solarfirma, hat massive Probleme und verhandelt derzeit mit Gläubigern über einen Restrukturierungsplan. Dass es auch anders geht, beweist der US-Konzern First Solar.

Der größte Solarmodulhersteller der USA überraschte Anleger und Analysten gleichermaßen, als er für dieses Jahr einen Gewinn je Aktie zwischen 4,0 und 4,5 Dollar ohne Sonderposten prognostiziert. Der Umsatz solle gleichzeitig auf 3,8 Mrd. bis 4 Mrd. Dollar (bis zu rund 3 Mrd. Euro) steigen. Gleichzeitig stellt First Solar langfristige Gewinnmargen von 20 bis 30 Prozent in Aussicht.

Der Grund für diesen überraschend positiven Ausblick liegt in Südkalifornien. Dort baut First Solar derzeit eine 500-Megawatt-Anlage, ihr Name: "Desert Sunlight". Zudem rechnet das Unternehmen mit einer allgemeinen Marktstabilisierung.

Übernahme von Tetrasun

Die neuen Prognosen des Unternehmens übertreffen die Erwartungen der Analysten deutlich. Sie gingen bisher von einem Gewinn je Aktie ohne Sonderposten von 3,51 Dollar aus. Auch für 2014 und 2015 gibt sich das Unternehmen optimistischer als die Wall-Street-Experten. Für die kommenden drei Jahre erwarte man rund 12 Mrd. Dollar (9 Mrd. Euro) Umsatz, so First Solar. Rund ein Drittel beruhe auf bereits abgeschlossenen Verträgen.

Gleichzeitig gab First Solar die Übernahme des Startups Tetrasun bekannt. Nähere Details zum Kauf - etwa der Preis - w urden nicht bekannt. Tetrasun entwickelt eigenen Angaben zufolge monokristalline Silizium-Solarzellen und bietet hocheffiziente Solarmodule für kleine Dach-Systeme an.

Fit für die Zukunft

Mit der Übernahme schlägt das Unternehmen Analysten zufolge zwei Fliegen mit einer Klappe: Bisher baut First Solar nur große Anlagen, mit den Produkten von Tetrasun steigt das Unternehmen nun auch in die Kleinanlagenherstellung ein. Gleichzeitig bekommt man einen Zugang zum japanischen Markt, da laut First-Solar-Chef Jim Hughes die Tetrasun-Produkte dort gebaut und vertrieben werden soll. Der japanische Markt wird Branchenkennen zufolge in diesem Jahr zum zweitgrößten Solarmarkt der Welt aufsteigen.

So überrascht die Analysten auf die Prognose von First Solar reagieren, so unerwartet kommt sie auch für die Anleger. An der US-Börse sorgte der Ausblick im späten Handel für ein wahres Kursfeuerwerk. Der Kurs der First-Solar-Titel schoss um mehr als 45 Prozent in die Höhe.

Er sorgte gleichzeitig auch dafür, dass die börsennotierten deutschen Solarwerte anspringen: "Die Vorgaben von First Solar waren einfach zu gut und eine klare Ansage", sagte ein Händler. Im TecDax gewannen SMA Solar mehr als 10 Prozent. Solarworld schossen 13 Prozent nach oben. Centrotherm legten rund 10 Prozent zu. Im MDax stiegen Wacker Chemie um rund 5 Prozent.

Dennoch: First Solar hebt sich vom Rest der Solarbranche ab - und vor allem von den deutschen Unternehmen ab -, die schwer unter dem Preisverfall und den dadurch gesunkenen Margen leidet. Neue Energietrends, wie der Boom beim Gas-Fracking in den USA, könnten zudem eine globale Trendwende zu erneuerbaren Energien weiter bremsen.

Bosch steigt aus

Erst Ende März beendete der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch seinen Ausflug in die Solarenergie. Die mit teuren Zukäufen seit 2008 aus dem Boden gestampfte Geschäftssparte sei dauerhaft nicht rentabel zu betreiben, so die Begründung. Deshalb würden die Fertigung von Solarzellen und -modulen sowie die Entwicklungsaktivitäten Anfang 2014 eingestellt. 3000 Bosch-Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit. Die Solarsparte von Bosch hatte Verluste von 2,4 Mrd. Euro angehäuft, davon rund 1 Mrd. Euro allein 2012

Das vergangene Jahr war für die Aktionäre der schwer gebeutelten Solarfirmen ein rabenschwarzes. Die Liste der "größten Kapitalvernichter" in Deutschland der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) führte 2012 die insolvente Centrotherm Photovoltaik AG an. Unter den Top-Ten der Kapitalvernichter rangierten zudem vier weitere Unternehmen aus der Solarbranche.

Quelle: n-tv.de, mit dpa/rts

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