Irreversible Schäden drohen Für Irans Ölfelder tickt die Uhr
Von Jan Gänger
Die iranischen Öllager füllen sich. Ein in die Jahre gekommener Supertanker soll für Entlastung sorgen. Doch die Gefahr für Irans Ölfelder wächst stetig.
Wenn ein Land, das über die drittgrößten Ölreserven der Welt verfügt, einen rostigen, dreißig Jahre alten Supertanker als schwimmendes Lager reaktiviert, kann das zweierlei bedeuten: Verzweiflung oder Flexibilität eines sanktionserprobten Systems.
Der Iran hat den rostigen, 1996 gebauten Tanker "Nasha" wieder in Betrieb genommen, der jahrelang leer vor der Insel Kharg vor Anker lag. Mit zwei Millionen Barrel Öl kann das Schiff befüllt werden. Der Grund: Wegen der US-Gegenblockade der Straße von Hormus kann der Iran den Löwenanteil seines Öls nicht mehr verschiffen - und die Lager füllen sich.
Die maximale Lagerkapazität ist bald erreicht. Der Iran dürfte zu weiteren Förderkürzungen gezwungen sein. Das Regime will aber unbedingt verhindern, dass in Ölfeldern die Förderung komplett gestoppt werden muss. Denn das kann die Lagerstätten erheblich und unwiederbringlich beschädigen.
Das hat geologische Ursachen. Bei einem Produktionsstopp kann Wasser aus tieferen Schichten nach oben drücken und die Ölquelle verwässern. Dieser Prozess lässt sich oft nicht mehr umkehren. Die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Bohrlöcher ist zudem technisch aufwendig und kostspielig.
Iran fährt Öl-Produktion zurück
Weil die Technik im Iran wegen der jahrelangen westlichen Sanktionen veraltet ist, steigt das Risiko, dass die Quellen dann für immer versiegen. Irans Riesen-Felder im Südwesten des Landes werden bereits seit mehr als 50 Jahren ausgebeutet, in ihnen ist die Gefahr der Verwässerung besonders groß. Wenn hier der Druck abfällt, kann das Land auf einen Schlag seine wichtigsten Förderquellen verlieren.
Um Zeit zu gewinnen, lagert der Iran bereits Öl auf Tankern. Das Regime nutzt auch vermehrt stillgelegte Tanks in schlechtem Zustand. Das Land hat laut dem Analyseunternehmen Kpler noch ausreichende Lagerkapazität für 12 bis 22 Tage. Der Iran könne deshalb gezwungen sein, die tägliche Ölförderung bis Mitte Mai um weitere 1,5 Millionen Barrel zu drosseln. Der Iran habe seine tägliche Rohölförderung bereits um bis zu 2,5 Millionen Barrel gekürzt, so Goldman Sachs.
Die Reaktivierung der "Nasha" zeigt vor allem eines: Der Iran hat bisher Mittel und Wege gefunden, dem US-Druck standzuhalten. Doch die Gefahr wächst, dass die wichtigste iranische Einnahmequelle dauerhaft beschädigt wird.