Wirtschaft
Donnerstag, 27. Januar 2011

Vorerst keine HRE-Millionen: Funke muss warten

Das Landgericht München schiebt einer weiteren Zahlung von Geld an den Ex-Chef der Hypo Real Estate, Funke, einen Riegel vor. Ein Gutachten der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg soll nun Aufschluss über das Wirken Funkes im Zusammenhang mit der Übernahme des Staatsfinanzierers Depfa geben.

Georg Funke
Georg Funke(Foto: dpa)

Der frühere Chef der maroden Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, bekommt zunächst keine weiteren Millionen von seinem alten Arbeitgeber. Das Landgericht München wollte noch kein Urteil über Funkes Gehaltsforderung fällen, wie der zuständige Richter Helmut Krenek sagte.

Stattdessen soll nun ein Gutachten der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg eingeholt werden. Abhängig vom Ergebnis der Sachverständigen könnten danach Zeugen vernommen werden. "Das ist noch nicht sicher", so Krenek.

Das Gutachten soll klären, ob der einstige Dax-Konzern die folgenschwere Übernahme des Staatsfinanzierers Depfa angemessen vorbereitet hat. Mögliche Pflichtverletzungen des Managements bezüglich der Refinanzierungsstrategie sowie der Einschätzung von Risiken und Liquiditätssituationen sollen genau unter die Lupe genommen werden.

Krenek hat den Gutachtern einen jeweils mehr als zehnseitigen Fragenkatalog aufgetragen. Neben Funke klagen zwei weitere Ex-Vorstände auf Gehaltsfortzahlungen. Die Prozessbeteiligten schätzen, dass wegen der komplexen Fragen eher ein Jahr als ein halbes Jahr vergehen wird. Damit gilt ein Urteil in diesem Jahr nicht mehr als sicher.

Höhere Gewalt oder Managementfehler?

Die HRE stand in der heißen Phase der Finanzkrise im Herbst 2008 wegen akuter Liquiditätsengpässe mehrfach vor dem Aus und musste mit finanziellen Hilfen von rund 150 Milliarden Euro gerettet werden. Funke wurde kurz vor Weihnachten 2008 gekündigt und die Zahlungen an ihn gestoppt.

Die verstaatlichte HRE, die mittlerweile von ihren Altlasten befreit ist und sich unter dem neuen Namen Deutsche Pfandbriefbank um einen Neuanfang bemüht, stützte den Rauswurf unter anderem auf eine mangelhafte Vorbereitung der Depfa-Akquisition. Funke und die Manager machen dagegen die weltweite Krise für die HRE-Misere verantwortlich. Ihre Anwälte sprechen von höherer Gewalt. Die Manager pochen auf Gehalts- und Pensionszahlungen. Allein bei Funke geht es um rund 3,5 Millionen Euro. Sein Vertrag wäre noch fast fünf Jahre gelaufen.

Quelle: n-tv.de