Wirtschaft

Inflationssorgen nehmen ab Geldmenge wächst nur langsam

Das Geldmengenwachstum in der Eurozone schwächt sich unerwartet ab. Das dürfte die Inflationssorgen der Europäischen Zentralbank mildern.

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(Foto: REUTERS)

Ein unerwartet geringer Anstieg der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 dämpft die Angst vor einem deutlicheren Anziehen der Teuerung in der Euro-Zone. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte, wuchs M3 im Dezember nur noch um 1,7 Prozent. Analysten hatten mit einer Zunahme um 2 Prozent gerechnet. M3 ist eine der wichtigsten Größen der sogenannten monetären Säule der EZB, aus deren Daten die Notenbank Zinsentscheidungen ableitet. Der EZB-Rat entscheidet kommende Woche das nächste Mal über seinen geldpolitischen Kurs und damit auch den Leitzins, der seit Mai 2009 bei einem Prozent liegt - so niedrig wie noch nie seit Einführung des Euro.

Nachdem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und viele andere hochrangige Notenbanker seit einigen Wochen nicht müde werden vor Inflationsgefahren infolge der Verteuerung von Energie und Lebensmitteln in aller Welt zu warnen, scheint nach den nun veröffentlichten Daten klar, dass von der Geldmenge keine Gefahr ausgeht. Nach Ansicht von Fachleuten belegen dies auch die zugleich veröffentlichten, teilweise enttäuschenden Daten zur Kreditvergabe. "Offensichtlich ist der Tiefpunkt der Kreditdynamik durchschritten. Gleichzeitig ist aber bis zu einer Zinserhöhung noch ein weiter Weg zurückzulegen. Folglich unterstützen die monetären Daten die Ansicht der EZB, dass es bislang nicht notwendig ist, diese Einschätzung zu ändern, sagte Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert.

Die Kreditvergabe der Banken in den Euro-Ländern stieg im Dezember zwar per saldo erneut und die Summe der an Firmen und private Haushalte ausgereichten Darlehen legte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,9 Prozent zu. Allerdings ließ die Dynamik etwas nach: Im November hatte es noch einen Anstieg um 2 Prozent gegeben. Besonders deutlich ins Auge sticht bei der Analyse der Zahlen dabei ein Wert: An Unternehmen reichten die Banken im Dezember 24 Mrd. Euro weniger Kredit aus als noch einen Monaten zuvor. Auch hierfür hat Schubert allerdings eine plausibel erscheinende Erklärung: "Die geringe Dynamik der Unternehmenskredite ist vermutlich auf den uneinheitlichen Verlauf des Aufschwungs in den einzelnen Ländern des Euroraums zurückzuführen. Ein weiterer Grund dürfte darin liegen, dass sich die Unternehmen stärker durch Innenfinanzierungsmittel oder über Anleihen finanzieren."

Die EZB hatte zuletzt erklärt, das gegenwärtige Zinsniveau sei "noch angemessen". Erst in den vergangenen Tagen hatten mehrere führende Notenbanker Spekulationen auf steigende Zinsen auf mittlere Sicht geschürt. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Oktober bis Dezember) erhöhte sich M3 um 1,6 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Quelle: ntv.de, rts/dpa