Wirtschaft

Schuldenschnitt? Aktie bricht ein Solarworld in Schieflage

Das Flaggschiff der deutschen Solarindustrie, Solarworld, kämpft gegen den Untergang. Zwar versucht Konzernchef Asbeck mit dem Hinweis auf die noch vorhandenen liquiden Mittel zu beruhigen, den Anlegern reicht das aber nicht. Sie strafen Solarworld rigoros ab. Von gravierenden Einschnitten ist die Rede, von Umschuldung und einem Schuldenschnitt.

Fast ein Drittel seines Börsenwertes hat Solarworld binnen weniger Minuten verloren. Am Mittag betrug das Minus noch immer 28 Prozent und notierte bei 1,15 Euro. Das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarbranche kämpft um das nackte Überleben. Gläubigern droht der Schuldenschnitt.

Es stünden "gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegeben Anleihen und Schuldscheindarlehen" an, teilte das Unternehmen mit. Solarworld selbst sprach zugleich von einer "positiven Fortführungsprognose". Nach Ansicht von Experten steht aber wahrscheinlich ein Gläubigerverzicht an.

Ende September hatte Solarworld eigenen Angaben zufolge langfristige Schulden in Höhe von 1,04 Mrd. Euro. Darunter 543 Mio. Euro in Anleihen und 354,2 Mio. Euro in Schuldscheinen.

Zwei Anleihen lanciert

Das Unternehmen hat zwei Anleihen an der Börse. Sie gingen am Freitag auf Talfahrt. Die Papiere notierten an der Börse in Stuttgart nur noch bei rund einem Viertel ihres Nennwerts. Die Anleihe mit einer Laufzeit bis 2017 und einem Volumen von 400 Mio. Euro handelt an der Börse mit Kursen um 33 Prozent. Anfang des Jahres wurde die Anleihe allerdings im Tief mit knapp 20 Prozent bewertet. Das bedeutet, dass an der Börse nur mit einer geringen Wahrscheinlichkeit gerechnet wird, dass die Anleihe zu 100 Prozent zurückgezahlt wird. Wer die Anleihe zu 20 Prozent gekauft hat, erzielt bei einem Kupon von 6,125 Prozent eine Rendite bei Auszahlung der Zinsverpflichtung von knapp 30 Prozent. Hohe Renditen gehen in der Regel mit hohen Risiken einher.

Daneben hat das Unternehmen noch eine Anleihe mit einem Kupon von 6,375 Prozent und einem Volumen von 150 Mio. Euro am Markt. Auch diese Anleihe wurde zum Jahresbeginn bereits mit 20 Prozent gehandelt. Die Preise vom Donnerstag bei 33 Prozent spiegeln gegenüber dem Tief, wie auch bei der Aktie, einen Kursgewinn von rund 50 Prozent wider.

Schwierige Refinanzierung

Die erforderliche finanzielle Restrukturierung und notwendige Maßnahmen operativer Art dürften aber wohl im Interesse aller umgesetzt werden können, daher bestehe eine "positive Fortführungsprognose" für das Unternehmen, hieß es in der Pflichtmitteilung. Der Vorstand prüfe laufend diese Prognose und werde "zielführende Gespräche" einleiten.

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Solarworld-Chef sieht keinen Grund zur Bunruhigung.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Nach den gegenwärtigen Finanzkennziffern müssten die bereits begebenen Anleihen durch eine neue Anleihe refinan ziert werden. Dies ist weder angesichts des Marktumfelds noch aufgrund der dann nötigen höheren Verzinsung möglich", sagte Wolfgang Hummel, Experte beim Zentrum für Solarmarktforschung.

Asbeck beruhigt

Solarworld gehe aber nicht die Puste aus, unterstrich Vorstandschef Frank Asbeck. Er verwies auf die Höhe der liquiden Mittel, die mit 220 Mio. bis 230 Mio. Euro gegenüber September kaum geschrumpft seien. Asbeck kündigte zudem weitere Stellenstreichungen im Zuge von Kostensenkungen an, die aber niedriger als im vergangenen Jahr ausfallen würden. "Der wesentliche Stellenabbau wurde bereits 2012 umgesetzt," betonte er.

Solarworld war wegen des branchenweiten Preisverfalls im dritten Quartal 2012 tiefer in die roten Zahlen gerutscht und hatte einen Verlust von rund 69 Mio. Euro erlitten. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen deutlich sinkenden Umsatz sowie einen hohen operativen Verlust. Um gegenzusteuern, hatte Solarworld angekündigt, sein Sparprogramm auszuweiten. Die Jahreszahlen sollen am 21. März präsentiert werden.

Solarworld beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit rund 3000 Mitarbeiter an Standorten in Deutschland, Spanien, Frankreich, Südafrika, Asien und den USA. Das Unternehmen mit Sitz in Bonn gehört nach eigenen Angaben weltweit zu den größten Solarkonzernen und verfügt demnach über Standorte in allen wichtigen Zielmärkten.

Kein Einzelfall

Trotz der Energiewende in Deutschland und dem seit Jahren währenden Nachfrageboom auf dem heimischen, weltweit größten Solarmarkt ächzen die Firmen unter dem Preisverfall infolge enormer Überkapazitäten. Nach einer Pleitewelle im vergangenen Jahr, die Konzerne wie Solon, Q-Cells oder Centrotherm mit sich riss, hatte zuletzt Siemens mit seinem Ausstieg aus dem Solargeschäft für trübe Stimmung gesorgt.

Auch beim finanzstarken Autozulieferer Bosch steht die mit Milliarden zusammengekaufte Solarsparte auf dem Prüfstand. Sie brockte dem Konzern im Stiftungsbesitz 2012 den dritten Gewinneinbruch in Folge ein. Konzernlenker Volkmar Denner beteuerte aber jüngst, die Photovoltaik passe zu Bosch. Für die Menschheit sei die Technik von großer Bedeutung. Bosch kann sich  allerdings mit seinem milliardenschweren Finanzpolster einen längeren Atem leisten.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa