Wirtschaft

Eick will Zerschlagung verhindern Insolvenzwelle bei Arcandor

Die Insolvenz der Muttergesellschaft Arcandor hat weitere Töchter des Essener Touristik- und Handelskonzerns in den Pleite-Strudel gerissen. Die Arcandor-Gruppe hat beim Amtsgericht Essen für 15 Tochtergesellschaften Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Die Insolvenz des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor hat weitere Unternehmenstöchter in den Pleitestrudel gerissen. Das MDax-Unternehmen meldete beim Amtsgericht Essen Insolvenz für 15 Firmen mit 6700 Mitarbeitern an. Damit müssen nun insgesamt rund 50.000 Beschäftigte des Konzerns um ihre Zukunft bangen.

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Mittlerweile sind rund 50.000 Menschen von den Insolvenzanträgen betroffen.

(Foto: dpa)

Arcandor hatte vergangene Woche Insolvenz angemeldet, nachdem lange Verhandlungen mit Banken über neue Kredite und dem Bund über Staatshilfen gescheitert waren. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg verschafft sich derzeit einen Überblick über die Lage bei Arcandor. Am Donnerstag will er der Öffentlichkeit eine erste Einschätzung geben. Arcandor hatte im Zuge der Insolvenz auch die Gespräche mit dem Konkurrenten Metro über eine Warenhausallianz der Töchter Karstadt und Kaufhof auf Eis gelegt.

Unter den 15 Unternehmen, für die Arcandor nun ebenfalls Insolvenz beantragte, befindet sich auch Foto Quelle. Der Großteil der Firmen erbringt Dienstleistungen für bereits insolvente Konzernteile. Görg wurde vom Amtsgericht Essen auch zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die 15 Konzerngesellschaften ernannt. Der Konzern betonte erneut, von der Insolvenz seien der Reiseanbieter Thomas Cook, der TV-Shoppinganbieter HSE24 sowie der Primondo Spezialversand nicht betroffen.

Eick will Quelle stabilisieren

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Karl-Gerhard Eick hat Arcandor noch nicht aufgegeben.

(Foto: Reuters)

Im Ringen um die Zukunft von Arcandor steht für Konzernchef Karl-Gerhard Eick die Versandhandelstochter Quelle oben auf der Agenda. Die Stabilisierung von Quelle habe derzeit höchste Priorität, sagte Eick auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main. Die Warenhaustochter Karstadt stehe dagegen relativ stabil da. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, hat Quelle einen Finanzierungsbedarf von rund 50 Mio. Euro, um ihren Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten zu können.

Wie Eick weiter sagte, will er im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine Zerschlagung von Arcandor verhindern. "Die Sanierung durch das Insolvenzverfahren bringt die einzigartige Chance, Ballast abzuwerfen und sich von alten Verträgen zu befreien." Ziel sei es, die drei Konzernsäulen - die Karstadt-Warenhäuser, die Versandsparte Primondo und die Touristiktochter Thomas Cook - zu erhalten. "Wir haben als Unternehmen sicherlich eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg", sagte Eick weiter.

Skeptischer zeigte sich der Arcandor-Chef über den diskutierten Zusammenschluss von Karstadt mit den Kaufhof-Warenhäusern des Konkurrenten Metro. "Über das Thema wird seit zwei Jahren gesprochen, es steht derzeit aber nicht auf der Tagesordnung", sagte Eick. Letztlich müsse der Insolenzverwalter entscheiden, ob eine Sanierung von Karstadt oder eine Verschmelzung der beiden Warenhäuser die bessere Alternative sei.

Rätselraten über Aktienkäufer

Unterdessen ging ein erster Großaktionär von der Stange. Sal. Oppenheim habe sich von den 3,7 Prozent getrennt, die das Luxemburger Bankhaus direkt an Arcandor hielt, sagte der persönlich haftende Gesellschafter Dieter Pfundt. Ob die über eine Holding gehaltene Oppenheim-Anteile von knapp 25 Prozent ebenfalls verkauft werden, sei offen, hieß es in Kreisen der Bank.

Pfundt wollte keine Antwort auf die Frage geben, an wen die Bank das Arcandor-Paket weitergereicht habe. Im Umfeld des Instituts hieß es, die Aktien seien über die Börse veräußert worden. Arcandor hat einem Sprecher zufolge bislang keine Informationen über neue Anteilseigner.

Schickedanz nicht flüssig

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Madeleine Schickedanz

(Foto: dpa)

Über eine Industrieholding halten die Familiengesellschafter von Sal. Oppenheim nun immer noch 24,9 Prozent an Arcandor. In Kreisen der Bank hieß es, noch sei nicht sicher, ob die Holding die Anteile behalten werde. Eine Beteiligung an einer möglichen Rekapitalisierung des taumelnden Konzerns hänge vom Ergebnis der Bestandsaufnahme des Insolvenzverwalters ab. Die Entscheidung werde in etwa drei Monaten fallen, wenn der Sanierungsplan vorliege.

Die zweite Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz hat sich anders als Sal. Oppenheim dazu bekannt, ihre Anteile von knapp 27 Prozent auf jeden Fall zu behalten. Ihr Ehemann Leo Herl hat aber deutlich gemacht, dass Schickedanz keine finanziellen Spielräume besitze, Geld nachzuschießen.

Quelle: ntv.de, wne/rts