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Sonntag, 07. Juni 2009

Chronik einer Krise: Karstadt wankt seit Jahren

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Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor, der bis Mitte 2007 unter dem Namen KarstadtQuelle firmierte, ist bereits seit Jahren in Schieflage und stand schon einmal haarscharf vor dem Aus. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor, der bis Mitte 2007 unter dem Namen KarstadtQuelle firmierte, ist bereits seit Jahren in Schieflage und stand schon einmal haarscharf vor dem Aus.

Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor, der bis Mitte 2007 unter dem Namen KarstadtQuelle firmierte, ist bereits seit Jahren in Schieflage und stand schon einmal haarscharf vor dem Aus.

1. Oktober 2000: Nach verfehlten Ergebnisprognosen muss der langjährige KarstadtQuelle-Chef Walter Deuss (r.) gehen.

Nachfolger von Deuss wird Ex-Metro-Manager Wolfgang Urban.

1. Juni 2004: Der in tiefrote Zahlen gerutschte Handelskonzern bekommt abermals eine neue Führungsspitze - den bislang für den Versandhandel zuständigen Vorstand Christoph Achenbach.

28. September 2004: Achenbach präsentiert ein radikales Sanierungsprogramm. Die wichtigsten Bausteine: Eine Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro, die Verlängerung von Kreditlinien im Volumen von insgesamt 1,75 Milliarden Euro, massive Verkäufe von Unternehmensteilen, die 1,1 Milliarden Euro bringen sollen.

14. Oktober 2004: Nach einem 29-stündigen Verhandlungsmarathon einigen sich ver.di, der Betriebsrat und der Vorstand auf ein Sanierungspaket. Im Konzern sollen 5700 Stellen gestrichen werden.

3. November 2004: Das Eigenkapital ist auf knapp 83 Millionen Euro geschrumpft, eine Eigenkapitalquote von weniger als 1 Prozent.

Mai 2005: Der bisherige Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff übernimmt auf Betreiben der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz den Chefposten. Er plant ein weiteres Programm zur Konzernsanierung. Der Aktienpool um Schickedanz kündigt die Übernahme der Mehrheit an KarstadtQuelle an.

August 2005: Middelhoff verkauft die Modekette Wehmeyer und schließt Vereinbarungen über den Verkauf der Kette SinnLeffers sowie von 75 kleineren Karstadt-Filialen, die unter dem Namen Hertie geführt werden. Alle drei Ketten melden später Insolvenz an.

Anfang 2006: Middelhoff kündigt den Verkauf der Karstadt-Immobilien zur Entschuldung des Konzerns an. Die Gebäude werden in der Regel veräußert und zurückgemietet.

Februar 2006: Nach der Fusion der Konzerntochter Thomas Cook mit dem britischen Touristikunternehmen MyTravel übernimmt der Konzern die Mehrheit an dem Reiseunternehmen.

Juli 2007: Die KarstadtQuelle AG wird in Arcandor AG umbenannt.

April 2008: Der Arcandor Aufsichtsrat verlängert den Vertrag von Middelhoff bis Ende 2009.

September 2008: Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim hält insgesamt 29,5 Prozent an Arcandor und steigt damit zum größten Aktionär auf. Schickedanz verliert dadurch ihre Mehrheit.

Dezember 2008: Arcandor gibt einen Chefwechsel zum 1. März 2009 bekannt. Neuer Vorstandsvorsitzender soll der Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick werden. Die Bilanz für das letzte Geschäftsjahr unter Middelhoff fällt tiefrot aus: Arcandor weist für 2007/08 einen Nettoverlust von mehr als 700 Millionen Euro und Schulden in Höhe von fast einer Milliarde Euro aus.

18. März 2009: Eick kündigt einen harten Sanierungskurs an.

9. April 2009: Arcandor prüft einen Antrag auf staatliche Hilfen.

19. April 2009: Laut Eick müssen bis Mitte Juni Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro refinanziert werden. Der Konzern sieht in den kommenden fünf Jahren einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf von bis zu 900 Millionen Euro.

20. April 2009: Eick kündigt an, fast jeder vierte Mitarbeiter im Handelsgeschäft werde vom Umbau des Konzerns betroffen sein. Es gehe um 12.500 der 51.600 Mitarbeiter bei Karstadt und im Versandhandel.

15. Mai 2009: Arcandor will Staatsbürgschaften über 650 Millionen Euro beantragen und sich außerdem um einen Kredit bei der KfW-Bankengruppe bewerben.

18. Mai 2009: Eick lehnt die vom Metro-Chef Eckhard Cordes favorisierte Fusion der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof zunächst ab.

3. Juni 2009: Nach Einschätzung der EU-Kommission kann Arcandor die beantragte Staatshilfe nicht erhalten. Der Konzern sei "nicht förderungswürdig, weil er schon vor dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen ist".

5. Juni 2009: Arcandor stellt bei der Bundesregierung einen Antrag auf Kredit in Höhe von 437 Millionen Euro aus der Rettungsbeihilfe. Unberührt davon bleibt der Mitte Mai gestellte Antrag auf Staatsbürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro.

6. Juni 2009: Arcandor kündigt an, sofort Insolvenz anzumelden, wenn die Bundesregierung am Montag den Antrag auf staatliche Hilfe ablehnt. Mit der Metro-Gruppe soll noch am selben Tag in einem Krisengespräch über ein gemeinsames Warenhausgeschäft verhandelt werden.

8. Juni 2009: Der Lenkungsausschuss des Bundes lehnt die beantragten Hilfen aus dem Deutschlandsfonds ab. Die Bundesregierung räumt dem Konzern noch eine Chance ein, kurzfristig einen neuen verbesserten Antrag für den Rettungsbeihilfekredit einzureichen. Arcandor bemüht sich um weitere Zugeständnisse von Gesellschaftern, Banken und Vermietern.

8. Juni 2009: Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick schwört vor der Essener Konzern-Zentrale die Belegschaft auf einen Kampf um jeden Job ein. Die Absage aus Berlin bedeute keineswegs die Insolvenz, ruft der Manager per Megafon der Belegschaft zu.

9. Juni 2009: Arcandor meldet Insolvenz an.

18. Juni 2009: Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg macht deutlich, dass Staatshilfe notwendig ist, um den Betrieb der Versandtochter Quelle aufrecht zu erhalten. Die Zukunft von Karstadt sieht er bis Jahresende gesichert.

12. August 2009: Konzernchef Eick teilt mit, die Bemühungen um einen Investor für den gesamten Konzern aufzugeben. Nun geht es noch darum, Investoren für Karstadt und die Primondo-Gruppe um Quelle zu finden.

13. August 2009: Görg stellt sein grobes Sanierungskonzept vor. Bei Quelle und den Spezialversendern sollen rund 3700 der 10.500 Arbeitsplätze wegfallen. Bei Karstadt stehen 19 der 126 Waren- und Sporthäuser zur Disposition.

1. September 2009: Das Amtsgericht Essen eröffnet die Insolvenzverfahren über die Arcandor-Gesellschaften

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