Wirtschaft

Umbau der Gruner+Jahr-Spitze Jäkel führt Vorstand allein

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Diese Troika hielt gerade mal ein halbes Jahr: Torsten-Jörn Klein, Julia Jäkel, Achim Twardy (v.l.n.r)

picture alliance / dpa

Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr baut seinen Vorstand radikal um. Von dem Führungstrio bleibt nur noch Julia Jäkel an der Spitze. Die anderen beiden Vorstände, Torsten-Jörn Klein für das Auslandsgeschäft und Achim Twardy für Finanzen, verlassen das Unternehmen.

Überraschung in Hamburg: Das Verlagshaus Gruner + Jahr befördert Deutschland-Vorstand Julia Jäkel zur Vorstandschefin und tauscht die übrige Führungsspitze aus. Julia Jäkel, erst seit September eine von drei gleichberechtigten Vorständen, steige zur Vorsitzenden auf, bestätigte der Verlag entsprechende Berichte der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und des "Manager Magazins". Die Vorstandsmitglieder Torsten-Jörn Klein und Achim Twardy verlassen das Unternehmen "jeweils im besten Einvernehmen". Stattdessen ziehen zwei Verlagsmanager mit anderen Aufgaben neu in den Vorstand ein. Begründet wurden die Veränderungen mit einer stärkeren Ausrichtung von G+J auf das Digitalgeschäft.

"Julia Jäkel hat bereits in den vergangenen Monaten unter Beweis gestellt, das sie mit Entscheidungs- und Gestaltungsfreude wichtige Veränderungen umsetzt", lobte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe die Verdienste Jäkels. Und er bescheinigte ihr, "dass sie mit hoher Glaubwürdigkeit für die publizistischen Werte von Gruner + Jahr steht." Rabe dankte Kleins und Twardy für ihre exzellente, jahrelange Arbeit in ihren jeweiligen Vorstandsfunktionen. Der Medienkonzern Bertelsmann ist mit 74,9 Prozent Mehrheitseigner des Verlags, die Hamburger Verlegerfamilie Jahr hält die übrigen 25,1 Prozent und besitzt damit eine Sperrminorität.

Stephan Schäfer und Oliver Radtke, die bereits für den Verlag in leitenden Positionen arbeiten, komplettieren den neuen Vorstand. Radtke ist Geschäftsführer der G+J-Mehrheitsbeteiligung Dresdner Druck und Verlagshaus, Schäfer ist Verlagsgeschäftsführer der G+J-Verlagsgruppe LIFE und Chefredakteur von "Brigitte".  Der 44-jährige Radtke übernimmt den Posten des Vorstand Operations und soll hier den Transformationsprozess steuern. In seinem Verantwortungsbereich liegt von nun an unter anderem der Bereich Finanzen und Controlling.  Schäfer wird Vorstand Produkt und verantwortet das gesamte Titel- und Produktportfolio. Der 38-Jährige gibt seine redaktionellen Funktionen als Chefredakteur und Herausgeber ab.

"Der Aufsichtsrat hat eine weitreichende Entscheidung getroffen und gemeinsam mit meinen neuen Vorstandskollegen stelle ich mich dieser Aufgabe und bedanke mich für das Vertrauen", erklärte Jäkel. Sie zeigte sich davon überzeugt, dass der Weg der Transformation zu einem schnelleren, effizienteren und digitalen Haus der Inhalte eine große Chance für G+J sei. Die Vorstandsvorsitzende zieht zudem mit sofortiger Wirkung ins Group Management Committee von Bertelsmann ein. Die 14 Mitglieder des GMC beraten und unterstützen den Bertelsmann-Vorstand in wichtigen Fragen der Konzernstrategie.

Turbulente Monate

Gruner+Jahr hatte Jäkel erst im September nach dem Abgang des damaligen Vorstandschefs Bernd Buchholz in den Vorstand geholt und die Troika installiert. Die 41-Jährige zog damals neu in den Vorstand ein; zuvor hatte sie eine Sparte des Hamburger Zeitungshauses gemanagt.

Der Dreier-Vorstand hatte mit der Einstellung der stets defizitären "Financial Times Deutschland" und dem Verkauf der Wirtschaftsmagazine "Impulse" und "Börse Online" 2012 Aufsehen in der Medienbranche erregt. Finanzielle Folge: ein Jahresverlust 2012 von 11 Mio. Euro. Der Umsatz war mit 2,22 Mrd. Euro um 3,0 Prozent rückläufig. Im vergangenen Jahr seien wichtige Weichen gestellt und Veränderungen angestoßen worden, hieß es jüngst bei der Bilanzvorlage.

Binnen weniger Tage ist dies der zweite Paukenschlag in der deutschen Medienbranche. Erst am Dienstag hatte der Spiegel-Verlag seine beiden Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron abberufen. Am Spiegel-Verlag ist auch Gruner+Jahr mit rund einem Viertel beteiligt.

Quelle: n-tv.de, sla/dpa/rts

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