Wirtschaft

Erdbeben erschüttert Chip-Branche Japan verliert Kunden

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Zerstörungen an der Küste nahe des Epizentrums.

(Foto: REUTERS)

Die Schäden des Erdbebens im Nordosten Japans sind noch nicht voll erfasst, da zeichnen sich im Technologiesektor bereits tiefgreifende Konsequenzen ab: Weil die unsichere Stromversorgung die japanische Chip-Produktion behindert, droht das Land im Halbleitermarkt um Monate, wenn nicht gar Jahre zurückzufallen. Die Aktienkurse der Konkurrenz legen zu. Jubeln mag dort niemand.

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High-Tech aus Japan: Nach der Naturkatastrophe drohen manchen Branchen ernste Schwierigkeiten.

(Foto: REUTERS)

Der Erdbebenkatastrophe in Japan folgen wohl größere Kräfteverschiebungen in der weltweiten Chipbranche. Nachdem Werke der Halbleiterhersteller in Japan am Wochenende abgeschaltet wurden, werden sich die Abnehmer japanischer Chips Beobachtern zufolge angesichts drohender Lieferengpässe vorerst verstärkt in Korea, Taiwan, Europa und den USA umsehen müssen.

Im Export drohen die Japaner dadurch ins Hintertreffen zu geraten: Chipfabriken brauchen in der Regel eine sichere und vor allem ununterbrochene Stromversorgung, die durch die geplanten Abschaltungen im japanischen Elektrizitätsnetz gefährdet ist. Nach einem Stromausfall kann es mehrere Wochen dauern, bis eine Chipfabrik wieder ordnungsgemäß läuft.

Am Aktienmarkt nahmen Anleger die befürchteten Auswirkungen bereits zum Teil vorweg: Die Titel des koreanischen Konzerns Samsung reagierten zu Wochenbeginn mit einem Kursplus von über 4 Prozent auf den Ausfall der Werke von Toshiba und Freescale in Japan. Toshiba gilt als weltweit drittgrößter Chip-Hersteller, Samsung als Nummer zwei.

Auch bei weiteren Konkurrenten zeigte sich ein Erdbeben-Effekt: Die Papiere des US-Herstellers Micron legten zunächst deutlich zu. Japan hat innerhalb des Chipsektors eine starke Position bei sogenannten Flash-Speichern für die Unterhaltungselektronik, Stromregelchips und Auto-Halbleitern. Den Bereich der Computerprozessoren dominieren hingegen der amerikanische Weltmarktführer Intel und die kleinere AMD.

Als Absatzmarkt spielt Japan für die ausländische Chipbranche indes kaum eine Rolle. Bei den deutschen Chipspezialisten Dialog Semiconductor und vor allem Infineon hielten sich daher Sorgen und Hoffnungen der Anleger in etwa die Waage. Ein Infineon-Sprecher erklärte, das Geschäft vor Ort hänge vor allem von der Entwicklung der Autoproduktion ab.

Der bayerische Chipkonzern beliefert in Japan vor allem Autohersteller und deren Elektronikzulieferer mit Halbleitern. Insgesamt ist der Umsatzanteil von Infineon in Japan wie bei vielen anderen ausländischen Unternehmen mit 6 Prozent eher gering. Der japanische Markt gilt als stark abgeschottet, die Zulieferkreisläufe sind häufig inländisch oder regional.

Quelle: ntv.de, rts