Trotz US-Angriffen auf IranKI-Boom lässt Nahost-Sorgen der Anleger verblassen

Unsicherheiten rund um den Iran-Krieg tun den Aktienkursen an der Wall Street keinen Abbruch: Der Tech-Index Nasdaq klettert erstmals über die Marke von 30.000 Punkten. Die KI-Euphorie erinnert Branchenkenner an einen Boom Ende der 1990er-Jahre - der jedoch im Crash endete.
Angetrieben von der ungebrochenen Euphorie rund um Künstliche Intelligenz (KI) hat der US-Leitindex S&P 500 zum Beginn der neuen Woche auf einem Rekordhoch geschlossen. Auch die technologielastige Nasdaq verbuchte deutliche Gewinne. Der KI-Optimismus drängte Sorgen über die Friedensgespräche im Nahen Osten in den Hintergrund, die durch jüngste US-Angriffe im Iran belastet wurden.
Der Standardwerteindex Dow Jones verlor 0,2 Prozent auf 50.462 Punkte. Die Nasdaq rückte 1,2 Prozent auf 26.656 Zähler vor und der breit gefasste S&P 500 legte 0,6 Prozent auf 7519 Stellen zu. Auch der Nebenwerteindex Russell 2000 erreichte im Handelsverlauf ein Rekordhoch.
Halbleiterwerte, die von der KI-getriebenen Nachfrage profitieren, führten die Kursgewinne an. Der Branchenindex Philadelphia SE Semiconductor markierte ein Allzeithoch. Micron stiegen stark an und erreichten erstmals einen Börsenwert von einer Billion Dollar, nachdem die Großbank UBS ihr Kursziel für das Papier von 535 auf 1625 Dollar angehoben hatte. Auch Qualcomm legten zu. Zuvor hatte die Agentur Bloomberg berichtet, das Unternehmen habe eine Vereinbarung zur Chip-Lieferung mit dem Tiktok-Eigentümer Bytedance geschlossen. Auch Marvell Technology ging mit Gewinnen aus dem Handel.
Investoren richten ihren Blick nun auf mögliche Börsengänge, darunter den von SpaceX. "Für diejenigen von uns, die schon so lange in der Branche tätig sind, erinnern die Tech-Rallys, die wir in diesem Jahr erleben, an den Boom Ende der 1990er Jahre", sagte Chris Zaccarelli, Anlagechef bei Northlight Asset Management. Es sei jedoch möglich, dass die Lehren aus dem Platzen der Tech-Blase vor über 25 Jahren bewirken, dass eine Wiederholung des damaligen Crashs verhindert werde.
Naht friedliche Lösung im Iran-Krieg?
Am Ölmarkt sorgten die geopolitischen Spannungen für Preisaufschläge. Die Terminkontrakte für die Nordseesorte Brent verteuerten sich um etwa vier Prozent, nachdem das US-Militär Angriffe im Iran ausgeführt hatte. Dies schürte die Unsicherheit darüber, ob bald ein Abkommen zur Beendigung des Krieges erzielt und die Schifffahrtswege durch die Straße von Hormus wieder geöffnet werden könnten. Die Märkte zeigten sich jedoch beruhigt durch Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio. Ein Abkommen mit der Regierung in Teheran zur Beendigung des Konflikts könnte "ein paar Tage dauern", sagte er. Der iranischen Agentur Tasnim zufolge strebt Teheran die Freigabe von im Ausland eingefrorenen iranischen Geldern in Höhe von 24 Milliarden Dollar an.
"Auch wenn wir noch kein Ende des Krieges haben, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich die Situation eher früher als später friedlich lösen wird", erklärte Adam Sarhan, Chef von 50 Park Investments. Die Realität sei zudem, dass die Unternehmensgewinne trotz der hohen Inflation voraussichtlich steigen würden. Die Wirtschaft wachse weiterhin, und der Markt sei zu einem großen Teil ein Spiegelbild der Konjunktur.
Gegen Ende der Berichtssaison wird für das erste Quartal ein Gewinnwachstum von 29 Prozent im Jahresvergleich erwartet. Vor einem Monat hatte die Schätzung noch bei 16,1 Prozent gelegen.
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