Wirtschaft

Eine Rallye unter dem Radar Kleinere Aktien gehen durch die Decke

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Nebenwerte haben in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt.

(Foto: imago images/brennweiteffm)

Schwergewichte wie Daimler, Allianz, Apple, Amazon und Siemens stehen jeden Tag im Fokus. Dabei spielt die Musik in der zweiten Reihe: Nebenwerte hängen die großen Titel häufig ab - der Unterschied fällt langfristig sehr groß aus.

Kurz vor Ostern war es endlich so weit: Angetrieben von den wiedererstarkten Automobilwerten und Indexschwergewichten wie Siemens knackte der Dax die Schallmauer von 15.000 Punkten. Eine stramme Leistung - stand der Markt vor einem Jahr schließlich noch unter der 10.000er-Marke.

Noch besser liefen aber die Nebenwerte: Der MDax kletterte von 20.000 auf über 30.000 Zähler. Und auch langfristig glänzen die Mid Caps: Die rechnerische Indexbasis von Dax und MDax wurde für Ende Dezember 1987 bei einem Punktwert von 1000 festgelegt. Anders formuliert: Das Nebenwertebarometer brachte seitdem mehr als das Doppelte an Rendite ein als der deutsche Leitindex.

Anleger sollten den Effekt nicht unterschätzen: Wer vor zehn Jahren 10.000 Euro in den Dax investierte, erzielte nach Berechnungen von Index Radar eine Rendite von knapp acht Prozent pro Jahr und freut sich über einen Depotwert von 21.200 Euro. Mit dem MDax waren zwölf Prozent pro Jahr möglich, das Investment wäre auf 30.800 Euro gestiegen. Ähnliche Ergebnisse lieferte in den vergangenen Jahren der SDax.

Verantwortlich für die starke Outperformance sind zahlreiche Gründe. So überzeugen Small- und Mid-Caps mit hohen Wachstumsraten, fokussierten Geschäftsmodellen - und sie sind oft Weltmarktführer. Zudem führen bei vielen Firmen noch Familien das Zepter, was sich positiv auf die Flexibilität gerade in Krisenzeiten auswirkt. Dazu zählen Kursraketen wie Bechtle, Nemetschek und Sartorius.

Starke Schwankungen

Insgesamt profitieren MDax und SDax besonders von ihrer breiten Aufstellung über verschiedene zukunftsträchtige Sektoren, was dazu führt, dass der Index unruhigere Wirtschaftsphasen häufig besser übersteht als der Dax. Dort hatten zuletzt viele Branchen mit besonderen Problemen zu kämpfen. Die Krise bei den Banken, der Abgas-Skandal bei VW und somit in der Autobranche sowie das herausfordernde Umfeld für die Versorger wirkten sich negativ auf die Indexentwicklung aus. Zudem sind im Dax die klassischen Branchen Chemie, Auto und Industrie stark vertreten.

Dazu kommt ein weiterer Effekt, der meist unterschätzt wird. Häufigere Wechsel bei der Überprüfung der Indexzusammensetzung sorgen dafür, dass in den MDax und SDax oft schnell aufstrebende Branchen aufgenommen werden. In den Dax ziehen hingegen meist Werte ein, die schon eine längere Wachstumsphase hinter sich haben und dann eine sportliche Bewertung aufweisen. Allerdings sollten Anleger darauf achten, dass die Schwankungsintensität in den Nebenwerten meist größer ist, weil weniger institutionelle Anleger dort engagiert sind als bei den großen Dax-Werten. Für ein Investment in den MDax und SDax brauchen Anleger also trotz der Aussichten gute Nerven.

Anleger können mit ETFs günstig vom MDax partizipieren. Ein Beispiel: Das Papier mit der WKN ETFL44 (Deka) und einer jährlichen Gebühr von 0,3 Prozent. Auf den SDax bietet nur Lyxor einen ETF an. Das Papier mit der WKN ETF905 hat aufgrund der marktengen Werte im SDax eine jährliche Gebühr von 0,7 Prozent. Die Titel im SDax sind meist nur mit höheren Gebühren zu handeln.

Benjamin Feingold betreibt das Börsenportal Feingold Research.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von einzelnen Aktien, ETFs, Zertifikaten oder anderen Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: ntv.de

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