Wirtschaft

Ost-Kommunen in SorgeLeipzig zittert nach EWE-Deal bei VNG

09.04.2014, 10:10 Uhr
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(Foto: picture alliance / dpa)

Der Oldenburger Energiekonzern EWE peilt nach einigem Hickhack die Mehrheit am ostdeutschen Versorger VNG an. Leipzig bangt nun um die Abwanderung des einzigen Top-100-Unternehmens im Osten. Doch das ist nicht die einzige Angst.

Der niedersächsische Energieversorger EWE kann die Mehrheit am ostdeutschen Gaslieferanten VNG übernehmen. Die VNG-Hauptversammlung hat dazu den Weg freigemacht und stimmten der von EWE geplanten Übernahme eines 15,79-Prozent-Pakets von Wintershall zu. Der Übertragung der Aktien von Wintershall auf EWE müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

Bislang hält der Oldenburger Energiekonzern EWE 47,9 Prozent und würde mit dem Anteil der BASF-Tochter zum Mehrheitsaktionär der Verbundnetz Gas AG (VNG) werden. Ein Zusammenschluss von zehn ostdeutschen Kommunen hält weitere 25,79 Prozent der Anteile, und Gazprom Germania 10,52 Prozent.

Über den Umfang des Wintershall-EWE-Geschäfts wurden bislang keine Angaben gemacht. EWE rechnet nach Angaben eines Sprechers in einigen Monaten mit dem Abschluss der Transaktion.

Leipzig bangt um Jobs

Schon vor einigen Jahren hatten die Oldenburger sich bemüht, einigen der an VNG beteiligten ostdeutschen Kommunalversorger deren Anteile abzukaufen. EWE war damit aber auf heftigen Widerstand gestoßen, weil die Stadtwerkegemeinschaft ihre Sperrminorität von 25,8 nicht verlieren wollte. Daraufhin wollte EWE ihre Anteile an den Versorger EnBW Energie Baden-Württemberg verkaufen, doch das scheiterte ebenfalls am starken Widerstand der bestehenden Aktionäre.

Die Leipziger Verbundnetz AG hatte im vergangenen Jahr einen Rekord-Jahresüberschuss von 174 Millionen Euro erzielt. VNG produziert und handelt mit Gas.

In Leipzig herrscht nun allerdings die Sorge, dass der Hauptsitz der VNG und damit rund 1400 Arbeitsplätze nach Oldenburg verloren gehen. Bislang ist VNG einer der größten Steuerzahler. EWE teilte mit, man spreche derzeit mit allen Akteuren und führe "einen offenen Dialog" über die Optionen des Gashändlers. "Uns eint dabei vor allem das gemeinsame Interesse an einer weiterhin starken und erfolgreichen VNG am Standort Leipzig", sagte EWE-Finanzvorstand Heiko Sanders mit.

Kommunen sorgen sich um Sperrminorität

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung will laut MDR die Sperrminorität der ostdeutschen Kommunen am Gasunternehmen VNG unbedingt erhalten. Denn nur dadurch könne verhindert werden, dass das einzige Ost-Unternehmen unter den deutschen Top-100-Konzernen seinen Sitz in Leipzig verliert. Das Problem ist, dass die thüringische Landeshauptstadt Erfurt seine 4,79 Prozent an VNG verkaufen will. Damit ginge die Mehrheit verloren. Daher hat Leipzig Interesse an dem Kauf angemeldet. Derzeit wird der Wert der Anteile ermittelt.

Gegen das Vorhaben Erfurts, dass lokalen Medienberichten zufolge mit Einnahmen von gut 81,6 Millionen Euro spekuliert, gibt es im Freistaat Widerstand. Erfurt will mit dem Geld Schulden tilgen und einen Teil der Bundesgartenschau 2022 finanzieren. Thüringens Bauminister Christian Carius spricht in der "Thüringer Allgemeinen" von einem strategischen Fehler. Zudem kursierten Zweifel, ob Erfurt tatsächlich einen Gewinn mache - zumal die jährliche Dividende wegfalle, hießt es in der Zeitung weiter. Oberbürgermeister Andreas Bausewein bringt derweil eine Variante ins Spiel, nach der die Stadt einen Teil der VNG-Anteile behalten könnte.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa