Wirtschaft

Nach ManipulationenLibor-System wird umgestellt

28.09.2012, 17:20 Uhr
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Der Vorfall bei Barclays brachte den Skandal ins Rollen. (Foto: Reuters)

Manipulationen am wichtigen Referenzzinssatz Libor lassen die Finanzwelt aufhorchen. Der in London festgesetzte Libor gerät in Verruf. Die britischen Behörden wollen das System nun auf eine neue Grundlage mit deutlich stärkerer Regulierung stellen. Ganz abschaffen wollen sie den Zinssatz nicht.

Nach Manipulationen bei der Festsetzung des im internationalen Finanzverkehr wichtigen Libor-Zinssatzes, soll das System auf komplett neue Beine gestellt werden. Das kündigte Martin Wheatley von der staatlichen britischen Bankenaufsicht FSA in London an. Wheatley hatte im Auftrag des britischen Finanzministeriums eine Untersuchung des Systems angestellt und am Freitag seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Die Überwachung der Zinsermittlung werde der British Banking Association (BBA) und damit der Selbstkontrolle der Bankenbranche entzogen, heißt es in dem Bericht Wheatleys. Künftig soll ein unabhängiges Gremium darüber wachen. Die Banken hatten nach langen Verhandlungen bereits Mitte der Woche auf ihr Privileg verzichtet. Darüber hinaus sollen Verstöße gegen die Liborregeln künftig strafrechtlich verfolgt werden können. Ferner sollen mehr Banken als bisher an dem Ermittlungsverfahren beteiligt werden, um Manipulationen zu erschweren.

Vertrauen wieder aufbauen

"Die Öffentlichkeit hat das Vertrauen in die Banken, in die Finanzen, in das ganze System verloren", sagte Wheatley. "Wir müssen es jetzt wieder herstellen." Überlegungen, wonach der Libor-Satz als Referenzzins völlig abgeschafft und durch ein neues System ersetzt werden könnte, wurden jedoch verworfen. Der Chef der britischen Zentralbank, Sir Mervyn King, forderte die Umsetzung der Vorschläge "so schnell wie möglich."

Händlern der britischen Großbank Barclays waren Manipulationen am Liborsatz nachgewiesen worden. Vorstandschef Bob Diamond musste deswegen seinen Hut nehmen. Die Bank musste 290 Mio. Pfund an die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie an das Justizministerium in Washington zahlen. Auch die britische Royal Bank of Scotland verhandelt mit den Aufsichtsbehörden über einen Vergleich in der Sache. Gegenstand der Untersuchungen sind ferner mehrere weitere international tätige Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank.

Quelle: ntv.de, sla/dpa