Sparen ist die DeviseLufthansa fliegt auf Sicht
Die Deutsche Lufthansa reagiert auf die komplizierter werdenden Geschäftsbedingungen. Das Dax-Unternehmen schiebt Investitionen auf die lange Bank. Zudem soll es keine zusätzlichen Einstellungen geben. Konzernchef Franz kündigt zudem Neuverhandlungen mit Lieferanten und Flughäfen an.
Wegen der anhaltend schwierigen Geschäftslage hat die
Deutsche Lufthansa einen Investitionsstopp verhängt. Ausgenommen seien Ausgaben
für neue Flugzeuge und andere betriebsnotwendige Güter, erklärte eine Konzernsprecherin.
Der Vorstand der größten Fluggesellschaft Europas hat den Schritt zunächst auf sechs
Monate befristet. Auch das Personal soll nicht weiter aufgestockt werden.
Der Investitionsstopp soll möglichen Herabstufungen der
Kreditwürdigkeit durch Ratingagenturen vorbeugen, wie Finanzchef Stephan Gemkow
vor Mitarbeitern erläuterte. Eine schlechtere Bewertung würde unmittelbar zu höheren
Zinsen führen und die finanziellen Spielräume weiter einengen.
, etwa durch längere Arbeitszeiten. "Ebenso müssen wir an den Personalkosten
arbeiten und Personalaufbau vermeiden", wird er in der Mitarbeiterzeitschrift
"Lufthanseat" zitiert. Franz kündigte zudem Neuverhandlungen mit Lieferanten
und Flughäfen an.
Betriebsnotwendige Investitionen würden wie geplant weiterverfolgt,
erläuterte die Sprecherin. Beispiele für nun aufgeschobene Projekte nannte sie nicht.
Es sei aber klar, dass der für den Standort Frankfurt verkündete Investitionsstopp
der Frachttochter Lufthansa Cargo ausschließlich als Vorsichtsmaßnahme im Zusammenhang
mit dem vorläufigen Nachtflugverbot zu sehen sei.
Schwieriges drittes Quartal
Laut Gemkow wird Lufthansa die bestellten neuen Flugzeuge
abnehmen. Mit dem Einsatz der Airbus A 380 oder der Boeing 747-8 Intercontinental
würden schließlich die Betriebskosten gesenkt. "Wir wollen vermeiden, dass
statt der Gewinne zunächst die Kosten steigen." Aktuell stünden 202 Flugzeuge
mit einem Listenwert von 19 Milliarden Euro bis 2018 auf der Bestellliste. Bereits
im kommenden Jahr zieht Lufthansa mehr ältere Jets aus dem Verkehr als zunächst
geplant. Der Flugplan wurde zusammengestrichen.
Lufthansa hatte im dritten Quartal Federn lassen müssen,
steht aber besser da als viele Mitbewerber. Die nachlassende Ticketnachfrage, die
Unruhen in Nordafrika, zusätzliche Steuern und vor allem die hohen Kerosinpreise
drückten aufs Ergebnis. Bis Ende September hatte Lufthansa nach jüngsten Zahlen
operativ 578 Millionen Euro verdient und damit das Vorjahresergebnis um 5,6 Prozent
verfehlt.
Verabschiedet hat sich Lufthansa-Chef Christoph Franz
schon zuvor von dem Ziel, im Gesamtjahr den 2010er-Wert von 876 Millionen Euro operativen
Gewinns zu übertreffen.