Wirtschaft

SAS stellt Mitarbeiter frei Lufthansa will Geld zurück

Airlines und Flughäfen machen wegen der Sperrung des Luftraums über Europa jeden Tag Millionenverluste. Wer soll das bezahlen, fragt Lufthansa? Die Skandinavische Airline SAS stellt 2500 Mitarbeiter frei, um Kosten zu sparen. Wirtschaftsexperten befürchten einen Dämpfer für den zarten Aufschwung.

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Die Kritik am Flugverbot über Europa wird lauter.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutsche Lufthansa greift die offiziellen Behörden wegen des Flugverbots über Europa scharf an. "Wir halten es für skandalös, dass die Verbote nur auf Grundlage einer einzigen Quelle verhängt werden", sagte Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther. Der Airline entgehen wegen des Flugverbots jeden Tag Umsätze in Millionenhöhe. Die deutsche Fluggesellschaft erwägt die Möglichkeit Regressansprüche anzumelden. Wer haften soll, weiß Lufthansa allerdings nicht. "Wer kommt für die Schäden auf?", fragte Walther. Diese Frage müsse geklärt werden.

Die Luft ist für manche dünner

Der Verbleib am Boden kostet die Fluggesellschaft mindestens 25 Mio. Euro am Tag, so viel hatte der Pilotenstreik vor einigen Wochen auch gekostet. Lufthansa habe eine gesunde Bilanz, ein gutes Cashpolster und flexible Regelungen mit den Gewerkschaften und komme daher noch gut durch diese Krise, sagte Walther. Gesellschaften, deren Bilanzen schlechter aussehen, könnten aber Existenzprobleme bekommen. Die "Vulkan-Krise" könnte der Konsolidierung in Europas Luftfahrtbranche einen Schub geben.

Dass der Luftraum anfangs ohne Messungen gesperrt wurde, um Gefahren zu vermeiden, hält Walther für richtig. Allerdings hätten die Behörden sofort danach mit Tests und Messungen beginnen müssen, um das weitere Vorgehen zu untermauern. Außerdem hätten mehrere Informationsquellen genutzt werden müssen, kritiserte Walther. Das sei aber seit Tagen nicht passiert, während der leere Himmel und das Chaos am Boden die Volkswirtschaft Milliarden kosteten. Walther schloss sich der Forderung von Air-Berlin-Chef Joachim Hunold nach einem Krisenstab des Verkehrsministeriums an. "Das Ministerium sollte jetzt schleunigst handeln", sagte der Lufthansa-Sprecher.

SAS stellt Mitarbeiter frei

Die skandinavische Airline SAS zieht als erste Airline die Kostenbremse bei ihrem Personal. Von Montag an werden 2500 Beschäftigte in Norwegen ohne Lohn freigestellt. Der Flugverkehr über Skandinavien ist wegen der Vulkanasche aus Island seit Donnerstag fast völlig eingestellt. Die Mitarbeiter sind beschäftigungslos. Wie SAS mitteilte, sind die Betroffenen des Bodenpersonals in Norwegen bereits informiert worden. Das Konkurrenzunternehmen Norwegian soll ähnliche Maßnahmen vorbereiten.

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Gähnende Leere am Terminal 5 des Arlanda Airports außerhalb von Stockholm.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschland gibt es dagegen noch keine Pläne, Personalkosten über Freistellungen zu reduzieren. Air Berlin habe im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen in den vergangenen Monaten auch keine Kurzarbeit beantragt, sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Kein Thema sind Freistellungen auch bei der Deutschen Lufthansa, Germanwings oder Tuifly.

Spurlos wird der Vulkanausbruch auf Island wohl aber auch nicht an den deutschen Airlines vorbeigehen. Die Luftverkehrsbranche habe durch den monatelang schwelenden Tarifkonflikt bei den Piloten ohnehin keinen guten Start in das neue Jahr gehabt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, der "Rheinpfalz am Sonntag". Hinzu komme jetzt die zeitweilige Schließung der Flughäfen. Durch den Vulkanausbruch könnten sich Geschäftserwartungen eintrüben.

Flugverbot wird teuer

Nach Angaben des Luftverkehrsverbandes IATA kostet jeder Tag mit weitreichenden Luftraumsperrungen in Europa die Branche 200 Mio. Dollar. Hält das Flugchaos nicht länger an, dürfte es nach Einschätzung des Verbands die fragile Erholung Europas von der Wirtschaftskrise nicht sonderlich verlangsamen. Anders sieht es allerdings aus, wenn die Behinderungen über Wochen hinweg andauern und die Lieferketten von Fabriken bedrohen. Nach Einschätzung von Vulkanologen könnte die Asche-Wolke den Flugverkehr tatsächlich bis zu sechs Monate lang beeinträchtigen, wenn der Ausbruch andauert. Dies könnte die Fluggesellschaften dann doch empfindlich treffen. Schon am Freitag hatten deren Aktienkurse deutliche Verluste verzeichnet.

Nach einer Freigabe des Luftraums will Lufthansa schneller wieder den Normalbetrieb aufnehmen als nach dem Pilotenstreik. In den ersten Stunden soll es voraussichtlich nur 30 Prozent der üblichen Flüge geben, dann soll aber sukzessive "hochgefahren werden", heißt es. Der Normalbetrieb werde dann innerhalb von weniger als vier Tagen laufen.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa/rts