Wirtschaft

Unruhen in Ägypten Märkte werden nervös

Wegen der Unruhen bleiben die Aktienmärkte in Ägypten weiter geschlossen. Gleichzeitig senkt die Ratingagentur Moody's den Daumen über die Kreditwürdigkeit des Landes. Die Reaktion an den Finanz- und Kapitalmärkten folgt prompt.

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Im saudi-arabischen Riad bringt sich ein Händler auf den neusten Stand.

(Foto: REUTERS)

Die Ereignisse in Ägypten sorgen an den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten für Verunsicherung und verstärkte Nachfrage nach vermeintlich sicheren Anlagen. Nachdem die Börse in Kairo am Mittwoch und Donnerstag der Vorwoche um annähernd 20 Prozent eingebrochen war und die Ratingagentur Moody's die Bonität des Landes auf um eine Stufe gesenkt hat, steht zudem die Währung des Landes, das ägyptische Pfund, unter Druck.

Zum Dollar fiel die Währung zeitweise auf ein Viereinhalbjahrestief. Im Verlauf erholte sich das Pfund, derzeit kostet der Dollar 5,8575 Pfund. Auch zum Euro erholt sich die ägyptische Währung leicht. Der Euro kostet aktuell 7,983 Pfund, nachdem er am Donnerstag noch mit 8,058. Händler sprechen gleichwohl von einer bislang nur begrenzten Reaktion des Marktes, die auch damit zu erklären sei, dass die Finanzmärkte des Landes wegen der Unruhen geschlossen wurden.

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Auch die Börse in Dubai wird von den Unruhen in Ägypten geprägt.

(Foto: REUTERS)

Abzulesen sei dies auch daran, dass andere Währungen der Region, wie die türkische Lira und der israelische Schekel unter Druck stünden und quasi als Ersatz für das Pfund gespielt würden. So fiel die Lira zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit April 2009 mit einem Stand von 1,6202 Dollar. Der Schekel war vorübergehend so billig wie zuletzt im September 2010 und tendierte bei 3,75 Dollar. Damit verlor die israelische Währung seit Mitte des Monats etwa 6,5 Prozent an Wert.

Während die Börse in Kairo bereits am Sonntag wegen der Unruhen den Handel eingestellt hat, haben die meisten Nachbarbörsen am Montag mit Gewinnen geschlossen, nachdem sie an den Vortagen zum Teil aber deutlich unter Druck gestanden hatten. Händler begründeten die Erholungstendenzen mit einigen Schnäppchenkäufen bei insgesamt niedrigen Umsätzen. Da aber noch kein Ende der Krise in Sicht sei, dürften die Märkte zunächst volatil bleiben.

Auch in Israel legte der Aktienmarkt leicht zu, gestützt von Berichten, wonach Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei als wahrscheinliche Alternative zum derzeitigen Präsidenten Hosni Mubarak gehandelt werde. Am Vortag hatte die Börse in Tel Aviv allerdings noch 3,8 Prozent verloren mit Sorgen vor einer weiter um sich greifenden Destabilisierung der Region.

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In Kuwait zieht Ägypten ebenfalls die Aufmerksamkeit auf sich.

(Foto: REUTERS)

Unter den Einzelwerten lenkten Börsianer die Blicke auf Rohstoffaktien aber auch Papiere aus dem Transportsektor. Bislang hielten sich die Rohstoffpreise gut, heißt es. Der Markt sehe Öl und Edelmetalle offensichtlich als sichere Häfen, sagt ein Händler. Beim Ölpreis hänge die weitere Richtung mutmaßlich davon ab, ob Öltanker weiter problemlos den Suezkanal passieren könnten und ob sich die Eskalation überregional ausweite.

Unter Druck standen Luftverkehrs- und Reisetitel wie Lufthansa, Air France-KLM und Tui. Händler verweisen auf die negativen Auswirkungen der Spannungen auf den Tourismus.

Die Prämien für Ausfallversicherungen ägyptischer Anleihen aber auch von Anleihen angrenzender Länder sind unterdessen gestiegen. So hat sich der Renditeabstand ägyptischer CDS um 22 Basispunkte auf nun 450 erweitert, während sich die Abstände europäischer Anleihen vergleichsweise stabil zeigen. Am Morgen hatte sich der Riskoaufschlag vorübergehend sogar auf 475 Punkte ausgeweitet. Dies belege, dass der Markt aktuell den Fokus derzeit klar auf den Mittleren Osten und Nordafrika richte.

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In Bagdad informiert sich ein Anleger.

(Foto: REUTERS)

Die Analysten der Danske Bank malen ungeachtet der derzeit dominierenden Verunsicherung an den Märkten zwei mögliche Szenarien. Ungünstigenfalls könnten sich die Unruhen über den Mittleren Osten ausweiten und sich negativ auf die Ölproduktion und damit den Ölpreis auswirken. In einem positiven Szenario könne es zu einem relativ friedlichen Übergang hin zu einer demokratischen Regierung in Ägypten kommen, was von den Finanzmärkten positiv aufgenommen werden dürfte.

Quelle: ntv.de, DJ

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