Wirtschaft

Überdurchschnittlicher AnstiegVermieter nehmen Berlin-Zulage

21.01.2014, 14:05 Uhr
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Wohnen in der Hauptstadt geht ins Geld. (Foto: picture alliance / dpa)

In keiner anderen Stadt hat sich das Wohnen zur Miete stärker verteuert als in der Hauptstadt - vor allem zum Jahresende. Und der Trend dürfte anhalten. Bundesweit liegt der Preisanstieg indes sogar unterhalb der Inflationsrate. Besonders stabil sind Mieten im Osten.

Mieter müssen vor allem in Berlin immer mehr für ihre Wohnungen bezahlen. In der Hauptstadt waren die Mietsteigerungen in allen Monaten des vergangenen Jahres höher als im Bundesdurchschnitt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Demnach lagen die Nettokaltmieten in Berlin im Dezember 2013 um 2,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bundesweit zogen die Mieten im Dezember nur um 1,6 Prozent an - so wie in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen. Damit war das das Plus höher als die Gesamtteuerung der Verbraucherpreise, die sich im gleichen Monat um 1,4 Prozent erhöhten. Für die zweitgrößte deutsche Stadt Hamburg fehlen konkrete Angaben.

Allerdings war die Entwicklung im Dezember - ebenso wie schon im ] Oktober - eine Ausnahme. Denn im Gesamtjahr war der Anstieg der Nettokaltmieten in Deutschland mit plus 1,3 Prozent niedriger als die Inflationsrate von 1,5 Prozent. Auch längerfristig betrachtet wirken die Nettokaltmieten preisdämpfend auf die Entwicklung der Verbraucherpreise, betonten die Statistiker: "So erhöhten sie sich von 2005 bis 2013 um 9,8 Prozent, während die Verbraucherpreise insgesamt um 14,3 Prozent stiegen."

"Deutliche Mietsteigerungen treten nur regional begrenzt auf und sind in erster Linie ein Problem der Neuvermietungen in Ballungszentren, Groß- und Hochschulstädten", erklärten die Statistiker. Sie locken vor allem junge Leute und Zuwanderer an.

Langsamer Anstieg im Osten

In den meisten anderen Regionen Deutschlands - und speziell in den östlichen Bundesländern - stiegen die Mieten hingegen nur sehr langsam, was auch auf einen hohen Anteil an Bestandsmieten zurückzuführen sei. Im Osten Deutschlands mussten Mieter im Dezember 2013 im Vergleich zum Dezember 2012 zwischen 0,3 Prozent mehr in Mecklenburg-Vorpommern und 0,9 Prozent mehr in Brandenburg und Sachsen-Anhalt bezahlen.

Für die begehrten Lagen sagen Experten auch in diesem Jahr einen deutlichen Aufschlag voraus. "In Top-Städten wie Berlin, Hamburg und München dürften die Preise bei den Neuvermietungen um etwa fünf Prozent zulegen", sagte André Adami vom Marktforscher bulwiengesa, auf dessen Daten sich etwa die Bundesbank stützt. In einigen besonders begehrten Stadtgebieten wie dem Prenzlauer Berg in Berlin oder St. Pauli in Hamburg gebe es bereits Hinweise für eine Überhitzung.

Das sieht der Mieterbund ganz ähnlich. "Die Nachfrage liegt in einigen Städten deutlich über dem Angebot, was die Preise nach oben treibt", sagte Sprecher Ulrich Ropertz. Das Problem lasse sich nur durch einen verstärkten Neubau lösen. "Wir brauchen den sozialen Wohnungsbau, da private Investoren vor allem hochpreisige Wohnungen schaffen", sagte er. "Und größere Unternehmen sollten den Werkswohnungsbau wiederbeleben, um ihren Mitarbeitern bezahlbares Wohnen zu ermöglichen."

Deutschland - Land der Mieter

Da von der Planung bis zum Einzug aber Jahre vergehen, ist der Mieterbund für die von der großen Koalition vereinbarte Mietpreisbremse. Sie soll ab Sommer gelten und den Anstieg dämpfen. Andere Experten halten sie dagegen für kontraproduktiv. "Sie verunsichert Investoren, die Projekte deshalb erst einmal auf Eis legen", sagte bulwiengesa-Fachmann Adami.

Deutschland gilt als Land der Mieter. Die Eigentümerquote lag 2011 - aktuellere Daten liegen noch nicht vor - bei 45,6 Prozent. In den beiden größten Städten Berlin und Hamburg habe sie nur 15,6 Prozent beziehungsweise 24,1 Prozent betragen. Lange Zeit stiegen die Mieten nur leicht.

Experten zufolge werde das auch in Zukunft so sein. "Tatsächlich sind nur für rund 20 bis 25 Prozent aller deutschen Mietwohnungen langfristig überdurchschnittliche Wachstumswerte zu erwarten", sagte Adami. "Der große Rest wird sich allenfalls seitwärts entwickeln."

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts