Wirtschaft

Deutschland versteigert Frequenzen Mobilfunker drängeln vor

In Mainz beginnt die Versteigerung zusätzlicher Bandbreiten für den Mobilfunk der Zukunft. Die Auktion gilt als Startschuss für den Ausbau der digitalen Kommunikation in Deutschland: Experten sprechen vom Beginn eines neuen Internetzeitalters. Für die beteiligten Konzerne geht es um Milliarden.

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Zeichen der Zeit: Auf deutschen Hausdächern ragen die sichtbaren Spitzen der digitalen Kultur in den Himmel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit der bislang größten Versteigerung von Funkfrequenzen in Deutschland legt die Bundesnetzagentur im Auftrag der Bundesregierung die Grundlagen für den zügigen Ausbau des mobilen Internets und ein Ende der Versorgungslücken auf dem Land. Versteigert werden Frequenzen für den Mobilfunk der vierten Generation (4G).

Abseits von Städten und Metropolen sind schnelle Internetanbindungen auch 2010 noch immer Mangelware. Seit Jahren fordern Unternehmer, Wirtschaftsexperten und Strukturpolitiker den Ausbau der Datennetze, um bisher unterversorgten Regionen den reibungslosen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Die Lücken in der Infrastruktur stellen vor allem im zukunftsstarken Dienstleistungssektor ein Ansiedlungshindernis dar. Abgesehen davon leiden auch private Nutzer auf dem Land immer stärker, wenn sie von leistungsstarken Netzzugängen abgeschnitten bleiben: Zahlreiche Standardanwendungen - vom Bahn-Ticket über die Krankenkassenauskunft bis zum Online-Radio - benötigen heutzutage Übertragungsraten, die herkömmliche Telefonleitungen schnell überfordern.

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"Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen ist eine selbständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie mit Sitz in Bonn."

(Foto: picture alliance / dpa)

Die 4G-Technik soll nun deutlich schnelleres Internet ermöglichen als die bisherige Handy- und Festnetztechnik. Ein Teil der zu vergebenden Frequenzen ist zudem besonders geeignet, ländliche Gebiete zu versorgen. Zur aktuellen Auktion in Mainz sind nur die vier Mobilfunkbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und Telefónica O2 zugelassen. Experten rechnen mit Versteigerungserlösen im einstelligen Milliarden-Bereich. Die Bundesnetzagentur geht nicht davon aus, dass es bei der Versteigerung zu schnellen Ergebnissen kommt. Die Auktion könne mehrere Wochen dauern, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, im Deutschlandradio.

Geldregen für den Staat?

Eine Prognose zu den möglichen Erlösen für den Staat durch die Auktion wollte Kurth im Vorfeld nicht abgeben. "Die Auktion hat eigentlich nicht das Ziel, die Einnahmen des Staats zu maximieren", sagte der Behördenchef. Stattdessen gehe es darum, die leistungsfähigsten Unternehmen für den Ausbau des Mobilfunks zu finden: "Das ist eben nach einem ökonomischen Prinzip auch derjenige, der sich bei einer solchen Auktion durchsetzt."

Vor zehn Jahren hatten sechs Bieter bei der spektakulären UMTS-Auktion vor dem Hintergrund der Euphorie in der Telekommunikation- und Internetbranche mehr als 50 Mrd. Euro in die Staatskasse gespült.

Diesmal kommen nun Funkfrequenzen in einem Volumen von 360 Megahertz unter den Hammer. Dabei ist Deutschland das erste Land in Europa, das ein solches Frequenzpaket in einer Versteigerung auf den Tisch gelegt hat. Darunter befinden sich auch Frequenzen aus dem Bereich 800 Megahertz, die durch die Umstellung des Rundfunks auf die Digitaltechnik frei geworden sind.

Neue Arbeitsplätze auf dem Land

Diese Frequenzen sind unter den vier Bietern deshalb so begehrt, weil die Kosten zum Ausbau des Netzes wegen der größeren Funkreichweiten reduziert werden können. Den Erwerb der Lizenzen verknüpft die Bundesnetzagentur dann auch mit einer entsprechenden Auflage: Egal welches Unternehmen sich in der Akution durchsetzt - zuerst müssen die schnellen Netze in unterversorgten ländlichen Gebieten aufgebaut werden.

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In einer Höhe von 150 Metern justiert ein Kommunikationselektroniker ein GPS-System zum Justieren von UMTS-Antennen am "Jentower" in der Innenstadt von Jena.

(Foto: AP)

Wegen dieser Auktionsregeln hatte es im Vorfeld der Auktion unter anderem von E-Plus und O2 Telefónica Klagen gegeben. Die Unternehmen fühlen sich in der Versteigerung gegenüber den großen Betreibern T-Mobile und Vodafone, die rund 70 Prozent des Marktes in Deutschland beherrschen, benachteiligt. Die Klagen wurden abgewiesen.

Nach Einschätzung von Bundesnetzagentur-Präsident Kurth könnte die Versteigerung den deutschen Mobilfunkmarkt grundlegend verändern. Derjenige, der für das mobile Internet als Erster das beste und schnellste Netz baue, werde auch die meisten Kunden gewinnen oder abwerben, sagte er in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag".

Die Zukunft der Volkswirtschaft

Die Bundesnetzagentur versteigert die Frequenzen, obwohl mehrere Unternehmen und Organisationen dagegen klagen, darunter auch einige Rundfunkgesellschaften. Kurth verteidigte in der "Welt am Sonntag" dieses Vorgehen. "Wir dürfen uns doch nicht erpressbar machen", sagte er. Es könne nicht mit jeder beliebigen Klage die Vergabe wichtiger Frequenzen, an denen die Zukunft der gesamten Volkswirtschaft hänge, durch angebliche, zweifelhafte Ansprüche Einzelner blockiert werden.

Umweltschützer kritisierten den geplanten massiven Ausbau der Mobilfunknetze. Vor allem in ländlichen Regionen, wo es an leistungsfähigen Glasfaserkabeln mangele, sei mit erhöhten Elektrosmog-Belastungen zu rechnen, erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund).

Die gesundheitlichen Langzeitwirkungen seien bisher noch nicht richtig erforscht, sagte Bund-Mobilfunkexperte Bernd Rainer Müller. Eine Reihe von Studien zeige bereits, so Müller, dass die Mobilfunkstrahlung Menschen, Tieren und Pflanzen schade. Wissenschaftler halten dagegen die Auswirkungen elektromagnetischer Wellen auf Organismen für vergleichsweise gut erforscht.

Angst vor dem Unbekannten

In den vergangenen Jahren hatte es vor allem im Zusammenhang mit dem rapiden Ausbau der deutschen Handynetze umfangreiche fachliche Auseinandersetzungen um die tatsächlichen Effekte der Mobilfunkstrahlung gegeben. Nachgewiesen werden konnten vor allem bei früher handelsüblichen Geräten bislang lediglich leichte Erwärmungseffekte. In Reaktion darauf haben die Hersteller die Leistung der Geräte technisch begrenzt.

In Deutschland gibt es laut Bund Naturschutz derzeit rund 260.000 große Mobilfunk-Sendeanlagen und rund zwei Millionen kleinere Sendeanlagen. Hinzu kommen rund 100 Mio. Mobiltelefone sowie etwa 50 Mio. häusliche Sender wie Wireless Lan (WLAN), Schnurlos-Telefone und Anlagen zur Daten- und Videoübertragung.

Lediglich für fest installierte Sendeanlagen existierten Grenzwerte gemäß Bundesimmissionsschutzverordnung für elektromagnetische Felder. Die in der Europäischen Union geltenden Grenzwerte für Elektrosmog aus Mobilfunkanlagen halte auch das EU-Parlament für unzureichend, betonen Umweltschützer nun. Außerdem fehlten bislang Schutzmaßnahmen für die Anwohner der Sendestationen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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