Wirtschaft

Abhörskandal kostet Milliardengeschäft Murdoch gibt sich geschlagen

Der Abhörskandal in Großbritannien bringt Medienmogul Murdoch um ein Riesengeschäft. Wegen des immensen politischen Drucks zieht Murdochs News Corp. ihr Übernahmeangebot für die TV-Senderkette BSkyB zurück. Ganz gibt Murdoch sich jedoch nicht geschlagen, seinen bisherigen Anteil an der Kette will er behalten.

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Doch keinen Grund mehr zum Lachen: Medienmogul Rupert Murdoch.

(Foto: dpa)

Erst ein Boulevardblatt, nun eine Milliardenübernahme: Der Abhörskandal um die inzwischen eingestellte Boulevardpostille "News of the World" zwingt Medienmogul Murdoch endgültig in die Knie. Nun musste er seine milliardenschwere Übernahmeofferte für die britische Bezahlsenderkette BSkyB stoppen.

Alle Parteien im Parlament wollten Murdoch auf Antrag der Labour-Opposition noch heute auffordern, die Offerte zurückzuziehen. Bindende Wirkung hätte dieser Beschluss für Murdoch zwar formaljuristisch nicht gehabt, jedoch wäre es ein deutliches Zeichen der Ablehnung des Geschäfts gewesen. Dieser Schmach ist Murdoch nun zumindest zuvorgekommen.

Premierminister David Cameron hatte Murdoch zuvor jedoch öffentlich geraten, zunächst einmal die Probleme in seinem Unternehmen zu lösen, bevor er eine neue Investition tätigt. Bis vor wenigen Tagen hatte Cameron die Übernahme noch unterstützt und im Dezember vergangenen Jahres deshalb sogar die Kompetenzen des Murdoch-kritischen Wirtschaftsministers Vince Cable beschnitten. Im Sog des Abhörskandals schloss sich Cameron nun jedoch dem Antrag der Opposition von Labour-Chef Ed Miliband an. Andernfalls hätte Cameron eine Abstimmungsniederlage riskiert, weil der liberaldemokratische Koalitionspartner bereits zuvor signalisiert hatte, mit Labour stimmen zu wollen.

Verkaufsgerüchte verfangen nicht

Für Murdoch platzt damit ein Milliardendeal. Er hatte rund 8 Mrd. Pfund (umgerechnet 9,1 Mrd. Euro) geboten. Seinen 39-Prozent-Anteil an BSkyB, den Murdoch bereits vor der Offerte gehalten hat, will der Medienunternehmer jedoch behalten. Die Downing Street hat den Schritt Murdochs umgehend begrüßt.

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(Foto: REUTERS)

Noch am Morgen hatte das "Wall Street Journal", das ebenfalls Teil des Murdoch-Imperiums ist, über Verkaufsüberlegungen für die britischen Zeitungen berichtet. Das Management habe bereits vorgefühlt, ob es Interessenten gebe. Wegen der schlechten Wirtschaftslage der Branche sei die Suche jedoch erfolglos verlaufen. In sechs Monaten könne die Idee aber erneut auf den Tisch kommen.

Bis vor kurzem war auch noch das Revolverblatt "News of the World" ein Teil des Imperiums. Weil die Zeitung jedoch im Zentrum des Abhörskandals steht, hatte Murdoch das Blatt kurzerhand geschlossen. Journalisten der Boulevardzeitung wird vorgeworfen, Tausende Mailboxen abgehört zu haben, um daraus Informationen für neue Geschichten zu akquirieren.

Weitere Blätter im Visier

Dass auch die Murdoch-Blätter "The Sun" und "Sunday Times" in illegale Abhörpraktiken verwickelt sind, bestritt der Verlag News International. Der frühere Premierminister Gordon Brown hatte sich darüber beschwert, dass in seiner Zeit als Finanzminister Einzelheiten über den Gesundheitszustand seines kleinen Sohnes in die "Sun" geraten waren. Außerdem hatte die "Sunday Times" Details über ein von ihm getätigtes Immobiliengeschäft herausgefunden. Der Verlag entgegnete am Mittwoch, die Informationen seien nicht illegal erlangt. Im Fall des Kindes sei Brown sogar vorher informiert worden und habe sich einverstanden erklärt.

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(Foto: AP)

Nachdem herausgekommen war, dass Journalisten bis zu 5000 Festnetztelefone und 4000 Handys von Prominenten und Privatleuten angezapft haben könnten, hatte Cameron neben den polizeilichen Ermittlungen eine unabhängige Untersuchung der Fälle unter Vorsitz eines Richters angekündigt. Außerdem will er die Presseregulierung im Königreich reformieren.

Reporter der "News of the World" hatten nicht nur Prominente über abgehörte Mobiltelefone ausspioniert, sondern auch Angehörige von Verbrechensopfern und gefallenen Soldaten. Der Fall von Milly Dowler hatte den bereits seit Jahren schwebenden Skandal vor einer Woche neu entfacht. Reporter hatten die Handy-Mailbox der entführten 13-Jährigen manipuliert und sogar Meldungen davon gelöscht. Auf diese Weise ließen sie Eltern und Polizei im Glauben, das Mädchen könnte noch leben. In Wirklichkeit war es bereits Opfer eines Mörders geworden.

Quelle: n-tv.de, nne/dpa/rts

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