Wirtschaft

Steigende Dividende trotz Gewinnrückgang Nestle sucht das Wachstum

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(Foto: REUTERS)

Nestles Ziele sind hoch: Jährlich will der Nahrungsmittelriese organisch um fünf bis sechs Prozent wachsen. 2013 gelingt das nicht. Deshalb lenkt die Konzernspitze den Fokus auf Gesundheitsprodukte und Schwellenländer - auch der Preise wegen.

Nestle hat wegen der flauen Konjunktur in Europa im vorigen Jahr seine Wachstumsziele verpasst und erwartet auch 2014 keine großen Sprünge. "Das vergangene Jahr war herausfordernd und 2014 wird voraussichtlich ebenso ausfallen", sagte Paul Bulcke, Vorstandschef des Nachrungsmittelkonzerns. Stagnierende Einkommen und die hohe Arbeitslosigkeit in Europa dämpften die Nachfrage nach Kaffee, Eiscreme, Tütensuppen und Schokoladeriegeln, hinzu kamen Turbulenzen in den Schwellenländern. Mit einem erheblichen Werbeaufwand konnte der Weltmarktführer zwar mehr verkaufen, nennenswerte Preiserhöhungen ließen sich aber nicht durchsetzen. Chancen sieht Nestle nun auf dem Markt für Gesundheitsprodukte.

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Zum ersten Mal seit 2009 verfehlte der Schweizer Konzern das langjährige Ziel, organisch um fünf bis sechs Prozent zu wachsen. Der Umsatz stieg ohne Zukäufe und Währungseinflüsse nur um 4,6 Prozent - 2012 waren es noch 5,9 Prozent gewesen. Dieses Jahr erwartet Nestle ein organisches Wachstum von rund fünf Prozent. Das Zielband aufzugeben, kommt für den Nestle-Chef nicht infrage: "Wir haben es in der Vergangenheit erreicht und werden es auch in Zukunft wieder erreichen", sagte Bulcke und verwies darauf, dass der Konzern im zweiten Halbjahr möglicherweise zumindest außerhalb Europas Preiserhöhungen durchsetzen könne.

Im vergangenen Jahr hatte der starke Schweizer Franken die Konzernbilanz zusätzlich belastet. Der Umsatz stieg um 2,7 Prozent auf 92,2 Milliarden Franken (75 Milliarden Euro). Der Gewinn ging um 600 Millionen Franken auf 10 Milliarden Franken zurück - Analysten hatten mit einem etwas höheren Ergebnis gerechnet.

Gesundheitsprodukte als Wachstumstreiber

Mittelfristig setzt Bulcke auf den Markt für Gesundheitsprodukte. Anfang der Woche kündigte Nestle die Übernahme der bisher mit L'Oreal als Joint Venture betriebenen Hautpflegefirma Galderma an. Dafür reduzierte Nestle seinen Anteil an dem französischen Kosmetikkonzern um acht Prozent und erhält 3,4 Milliarden Euro in bar, die in ein Aktienrückkaufprogramm fließen sollen. Das sei erst der Anfang, ließ der Konzernchef durchblicken. Der Gesundheitsbereich werde zu einem der wichtigsten Treiber werden. "2014 ist das erste Jahr der Zukunft".   

Unvermindert stellt Nestle seine Geschäftsbereiche auf den Prüfstand. Was nicht saniert werden kann, soll verkauft werden - wie schon die Diätsparte Jenny Craig oder die Sportlernahrungsmarke PowerBar. Insidern zufolge steht zurzeit das Geschäft mit Tiefkühlnahrung auf dem Prüfstand. Die Portfoliobereinigung brachte laut Bulcke 2013 "einige Aufwendungen" mit sich. "Wir nehmen aber auch Geld für Sanierungen in die Hand", sagte Finanzchefin Wan Ling Martello. Übernahmen lägen immer im Bereich der Möglichen, "aber wir konzentrieren uns eindeutig auf internes Wachstum," erklärte der Konzernchef. Insidern zufolge lotet der französische Rivale Danone einen Verkauf der Sparte medizinische Ernährung aus.

Dividende legt dennoch zu

Die Aktionäre sollen nicht unter dem Gewinnrückgang leiden: Die Dividende will der Konzern um fünf Prozent auf 2,15 Franken erhöhen. Dennoch verloren die Nestle-Aktien rund 2 Prozent. Enttäuscht war die Börse Händlern zufolge darüber, dass Bulcke die Anleger im Hinblick auf ein Aktienrückkaufprogramm auf später vertröstete.

Die Frage werde erst spruchreif, wenn die Transaktion mit L'Oreal über die Bühne sei, sagte er. Das Geld bunkern wolle der Konzern aber nicht, betonte die Finanzchefin. Nestle strebe kein AAA-Rating an. Im Dezember hatte der Konzern eine Beteiligung an dem Aromen-Hersteller Givaudan mit einem Börsenwert von 1,15 Milliarden Franken an institutionelle Anleger verkauft.

Quelle: n-tv.de, bad/rts

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