Wirtschaft

Abgesagte Banken-Hochzeit Per Saldo eine gute Entscheidung

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Ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank ist vom Tisch

(Foto: picture alliance/dpa)

Zu einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wird es nicht kommen. Das ist gut so. Wer aber glaubt, jetzt bleibe alles beim Alten, der irrt.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Und die Prüfung hat ergeben: Die Hochzeit von Deutscher Bank und Commerzbank ist abgesagt. Es ist besser so - für die beiden Banken, für den Finanzplatz Deutschland und für die Beschäftigten.

Hätte die Deutsche Bank die kleinere Commerzbank übernommen, hätte das die Ertragsprobleme der beiden Geldhäuser nur verschleppt, nicht gelöst. Bis zum Schluss war die Skepsis wesentlicher Stakeholder wie Arbeitnehmervertreter und Investoren groß.

Strategisch hätte der Zusammenschluss wenig Sinn ergeben. Zu üppig waren die Überschneidungen auf dem Heimatmarkt. Auch wäre eine fusionierte "Deutsche Commerzbank" gemessen am Börsenwert nach wie vor zu leichtgewichtig, um sich einer weiteren drohenden Übernahme aus dem Ausland zu widersetzen. Da ist es besser, konstruktiv nach einer großen Lösung zu suchen.

Organisatorisch hätten mit einer Fusion zwar Kosten gespart werden können. Durch Doppelbesetzungen in beiden Banken wären möglichen Sparmaßnahmen bis zu 50.000 Mitarbeiter zum Opfer gefallen - vielleicht sogar noch mehr. Aber Kosten sparen allein ist noch keine zukunftssichernde Strategie.

Es ist mutig und fordert Respekt, dass sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing der Versuchung einer Fusion widersetzt und weitere Gespräche abgesagt hat. Er hätte sich als Dealmaker positionieren können. Auch sein Aufsichtsratschef Paul Achleitner, dem wenig Fortüne bei der strategischen Ausrichtung der Bank nachgesagt wird, hätte sein Image durch eine Übernahme aufpolieren können - zumindest kurzfristig.

Ein "Weiter so!" wird es dennoch nicht geben. Wie die Autoindustrie befinden sich auch die Banken im Umbruch. Digitale Geschäftsmodelle fordern ein Umdenken. Die Bank, so wie wir sie heute kennen, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Dass Arbeitsplätze in den klassischen Bereichen der Finanzbranche wegfallen, gilt als ausgemacht. Aufatmen und ausruhen können deshalb weder die Führungskräfte noch die Mitarbeiter.

So wie es gegenwärtig aussieht, bahnen sich für die deutschen Bankhäuser jetzt europäische Lösungen ihren Weg. Ein europäischer Banken-Champion kann so entstehen - unter deutscher Beteiligung. Das wäre gut für den Finanzplatz D.

Vor allem an der Commerzbank gibt es reges Interesse. Die niederländische ING-Bank und die italienische Großbank Unicredit sind nur zwei von mehreren Instituten, die ihre Fühler in Richtung Commerzbank ausgestreckt haben.

Und die Deutsche Bank wird ebenfalls über eine europäische Lösung sinnieren. Die Überlegung, ihre Vermögensverwaltung mit der der schweizerischen UBS zu verknüpfen, ist ein Vorgeschmack.

Quelle: n-tv.de

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