Wirtschaft

Überschuldet und zahlungsunfähig Praktiker steht vor der Pleite

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Praktiker war durch eine fehlgeleitete Rabattstrategie in Schieflage geraten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der lange Winter, ein verregnetes Frühjahr: Für Praktiker sind es die Vorboten der Insolvenz, denn das wichtige Gartengeschäft kommt trotz Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") nicht ins Rollen. Nun sind die Finanzreserven aufgebraucht. Das endgültige Aus droht. Die Anleger flüchten bereits.

Die Baumarktkette Praktiker steht vor der Insolvenz. Das Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitern erklärte, Gespräche über die weitere Finanzierung der Sanierung seien gescheitert. Damit sei Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig. In Kürze soll nun für die Praktiker AG und mehrere operative Teilgesellschaften beim zuständigen Amtsgericht die Eröffnung von Insolvenzverfahren beantragt werden. Das geht aus einem Schreiben des Praktiker-Vorstands an die Mitarbeiter hervor. Die ertragsstärkere Tochter Max Bahr sowie das Auslandsgeschäft sind von der Insolvenz nicht betroffen, wie es in dem Schreiben heißt.

Der Konzern hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht, nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Damit führt an der Insolvenz kein Weg mehr vorbei. "Der Vorstand wird für die Unternehmensgruppe prüfen, für welche Gesellschaften der Unternehmensgruppe Insolvenzanträge zu stellen sind, und wird so bald wie möglich die Ergebnisse dieser Prüfung veröffentlichen", hieß es in der Mitteilung. An der Börse verloren die Titel vorbörsllich bereits rund zwei Drittel an Wert.

"Keinen Sinn mehr, weitere Löcher zu stopfen"

Die Banken hatten Finanzkreisen zufolge schon signalisiert, dass sie zu weiteren Finanzspritzen für Praktiker nicht mehr bereit seien. "Es hat keinen Sinn mehr, weitere Löcher zu stopfen", hatte ein involvierter Banker gesagt. Der österreichische Großaktionär Alain de Krassny (Donau Invest) wäre bereit gewesen, noch einmal Geld nachzuschießen. Praktiker hätte kurzfristig 30 Mio. bis 35 Mio. Euro zum Überleben gebraucht. Der lange Winter und das verregnete Frühjahr hatten Praktiker unter anderem im wichtigen Gartengeschäft zugesetzt und die Finanzreserven stärker als zu dieser Jahreszeit gewöhnlich aufgezehrt.

Das durchkreuzte das Sanierungskonzept für die 430 Baumärkte. Deshalb kehrte Praktiker anders als geplant zu Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") zurück, die den Konzern schon vorher in Schieflage gebracht hatten. Der Konzern setzte 2012 rund 3 Mrd. Euro um.

"Es ist sehr schwierig"

Einer der Warenkreditversicherer hatte die Lage noch verschärft, als er Anfang der Woche seine Deckung zurückgezogen hatte, wie zwei Brancheninsider sagten. Über Kreditversicherer finanzieren Handelsunternehmen den Warenbestand vor, bis Geld in die Kasse kommt. Ohne diese Garantien droht der Warenstrom von den Lieferanten schnell zu versiegen. Der Aufsichtsrat war am Mittwoch zu einer Krisensitzung zusammengetreten. "Es sieht schwierig aus. Es ist schwierig, sehr schwierig", hatte ein Aufsichtsrat nach den Beratungen gesagt.

Unter der Holding Praktiker AG sind einzelne Firmen wie Praktiker Deutschland, eine Servicefirma aber auch die Markenperle Max Bahr zusammengeführt. Seit Jahren stehen rote Zahlen. Erst im Herbst hatte das Unternehmen nach monatelangem Ringen frisches Eigenkapital und neue Kredite bekommen. Letztere sind mit Vermögenswerten der Tochtergesellschaft Max Bahr besichert, die anders als Praktiker keine Billigstrategie fährt. Daher hoffen die Kreditgeber, bei einer Pleite des Konzerns relativ glimpflich davonzukommen. Einer der größten Praktiker-Gläubiger ist die Commerzbank, die sich nicht äußern wollte.

Quelle: ntv.de, rts/dpa