Wirtschaft
Mittwoch, 16. Juni 2010

Aust und Rossmann übernehmen: ProSiebenSat.1 wird N24 los

Stefan Aust ist am Ziel: ProSiebenSat.1 verkauft seinen Nachrichtensender N24 an das Bieterkonsortium um den ehemaligen "Spiegel"-Chefredakteur. Die neuen Besitzer von N24 wollen ab September Dutzende Vollzeitstellen streichen.

N24 verlässt die ProSieben-Familie.
N24 verlässt die ProSieben-Familie.

Die verschuldete Sendergruppe ProSiebenSat.1 verkauft ihren Nachrichtensender N24 und will damit jährlich mehr als 25 Millionen Euro einsparen. Käufer sind mehrere bisherige N24-Manager und der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust, wie das MDax-Unternehmen mitteilte. Die neue N24 Media GmbH wird die Sender Sat.1, Pro Sieben und Kabel Eins auch weiterhin mit Nachrichten beliefern.

Der Chef der Sendergruppe, Thomas Ebeling, hatte bereits Ende 2009 gesagt, er prüfe den Verkauf von N24. Mit seiner Äußerung, Nachrichten seien zwar "für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", war er auf viel Kritik gestoßen.

Medienberichten zufolge gab ProSiebenSat1 rund 40 Millionen Euro im Jahr für N24 aus. Diesen Preis wollte die Sendergruppe, mehrheitlich im Besitz der Finanzinvestoren KKR und Permira, demnach senken. Mit dem Verkauf von N24 rechne ProSiebenSat.1 ab 2011 mit einer "Verbesserung des bereinigten Ebitda" von mehr als 25 Millionen Euro jährlich, teilte das Unternehmen mit. Das bereinigte Ebitda soll das operative Geschäft ohne Sondereinflüsse darstellen.

Stellenstreichungen geplant

Die neue N24 Media GmbH wird bis Ende 2016 die Nachrichten für Sat.1, ProSieben und Kabel Eins liefern, für das Sat1-Frühstücksfernsehen "bis mindesten Mitte 2014", wie ProSiebenSat.1 mitteilte. Die "qualitativ hochwertige Nachrichtenversorgung" der Privatsender sei somit "langfristig gesichert", erklärte Vorstandschef Ebeling. Für die N24 Media GmbH bedeute diese Abmachung im Gegenzug die "notwendige Stabilität".

An der N24 Media GmbH halten Aust und der bisherige N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann je 26 Prozent, wie das neue Unternehmen in Berlin mitteilte. Je zwölf Prozent besitzen demnach die beiden N24-Manager Frank Meißner (zuständig für Produktion und Technik) und Karsten Wiest (zuständig für Finanzen), die Chefin der N24-Produktionsgesellschaft MAZ&More, Maria von Borcke, sowie der ehemalige kaufmännischen Leiter von Spiegel TV, Thorsten Pollfuß. MAZ&More produziert das Sat.1-Frühstücksfernsehen. Der Kaufpreis für N24 wurde nicht genannt.

Die neuen Besitzer von N24 wollen ab September 72 Vollzeitstellen streichen, indem sie Verträge aufheben oder Beschäftigten kündigen. Danach werde der Sender voraussichtlich 141 Stellen haben. Ab 2011 wolle der Sender dann 25 neue Stellen schaffen - allerdings in einer eigenen, noch zu gründenden Gesellschaft.

Quelle: n-tv.de