Wirtschaft

Mangel an Handwerks-Azubis Regierung will Meisterzwang wiedereinführen

2004 schafft Rot-Grün für 53 der 94 Handwerksberufe die Meisterpflicht ab. Eine Folge sind nun offenbar deutlich sinkende Ausbildungszahlen. Dem will die Große Koalition nun entgegentreten.

In der Großen Koalition gibt es Bestrebungen, in bestimmten Handwerksberufen den Meisterbrief wieder zur Voraussetzung für eine selbstständige Tätigkeit zu machen. "Die Abschaffung der Meisterpflicht war ein Fehler. Die Qualität der Arbeit hat sich in diesen Gewerken teilweise deutlich verschlechtert, außerdem wird weniger Nachwuchs ausgebildet", sagte Carsten Linnemann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von CDU/CSU, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Unterstützung bekommt er vom Koalitionspartner SPD: "Die Kunden müssen die Sicherheit haben, dass der bestellte Handwerker auch wirklich eine gut ausgebildete Fachkraft ist", sagte Sören Bartol, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, dem Blatt. "Ich erwarte von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier einen konkreten Vorschlag, wie man die Handwerksordnung ändern kann, ohne vor dem Bundesverfassungsgericht und bei der Europäischen Kommission zu scheitern. Wenn da weiter nichts kommt, müssen wir im Bundestag aktiv werden."

Weniger Azubis

Zum 1. Januar 2004 hatte die damalige rot-grüne Bundesregierung für 53 der 94 Handwerksberufe die Meisterpflicht abgeschafft. Nach den Zahlen des Zentralverbands des deutschen Handwerks hat sich in diesen Gewerken die Zahl der Betriebe seitdem deutlich erhöht, während die Zahl der Auszubildenden gesunken ist. So gab es 2004 beispielsweise rund 25.500 Fliesenleger-Betriebe mit 3000 Auszubildenden. 2016 waren es schon 69.700 Betriebe, aber nur noch 2200 Lehrlinge.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Raumausstattern: 2004 zählte der Verband 11.100 Betriebe und 3100 Auszubildende. Die Zahl der Betriebe hat sich seitdem auf 28.500 mehr als verdoppelt, die der Lehrlinge auf 1800 beinahe halbiert.

Hintergrund ist, dass viele der neuen Betriebsinhaber sogenannte Solo-Selbstständige ohne Angestellte sind.  Der Verband sieht diese Entwicklung kritisch: "Viele Solo-Selbstständige verschwinden schnell wieder vom Markt, im Bereich Bau- und Ausbau oft schon innerhalb der fünfjährigen Gewährleistungsfrist", sagte Generalsekretär Holger Schwannecke der Zeitung. Der Verband hat zwei Gutachten in Auftrag gegeben, die prüfen sollen, wie sich die Wiedereinführung der Meisterpflicht verfassungsrechtlich und ökonomisch begründen ließe.

Quelle: ntv.de, bad