Frauen in der WirtschaftRegina Ziegler: Kasse und Anspruch
Ihr Aufstieg im harten Filmgeschäft hat ihr viel Bewunderung und Anerkennung eingebracht. Regina Ziegler ist Deutschlands erfolgreichste Filmproduzentin.
Auch, weil eine Frau im harten Filmgeschäft der Männerwelt gezeigt hat, "wo der Hammer hängt" und wie man auch "Kasse und Anspruch" miteinander verbinden kann. Viele nennen die 65-Jährige, die nicht nur mit ihrer Vorliebe für die Farbe Rot in der Hauptstadt auffällt, mit rund 400 Filmen (darunter "Kamikaze" 1989 noch mit dem Darsteller Rainer Werner Fassbinder und die Kästner-Verfilmung "Fabian" von 1980) sogar Deutschlands erfolgreichste Filmproduzentin, wobei es allerdings nur wenige weibliche Vertreter in der Branche gibt. Die mit dem Regisseur Wolf Gremm verheiratete Ziegler hatte nach eigenen Worten nie ein Problem, sich bei Männern durchzusetzen. Die American Cinema Foundation nennt die Berlinerin immerhin "eine der wichtigsten Filmproduzenten weltweit".
Zuletzt erregte sie Anfang 2009 mit dem dreiteiligen Dokudrama "Die Wölfe" über Jugendschicksale in der deutschen Nachkriegszeit Aufsehen. Zurzeit laufen in Berlin die Dreharbeiten zur neuen ZDF-Doku-Fiction-Produktion "2030 - Ausbeutung der Enkel" über die "demografische Zeitbombe", die an den Dreiteiler "2030 - Aufstand der Alten" anknüpft. Auch eine ARD-Familienserie "Weißensee" mit Uwe Kockisch und Katrin Sass über zwei Familien im damaligen Ost-Berlin ist in Berlin und Umgebung in Arbeit. Und international ist das deutsch-italienische TV-Projekt "Gottes mächtige Dienerin" mit Christine Neubauer über die Haushälterin Pascalina von Papst Pius XII. in Arbeit.
Zahlreiche Projekte
Und jetzt hat Ziegler mit "Henri Vier" ein ihr besonders am Herzen liegendes Filmprojekt "im Kasten", die Verfilmung des zweibändigen Romans von Heinrich Mann über "Die Jugend des Königs Henri Quatre" und "Die Vollendung des Königs Henri Quatre". Der Film über den französischen König im Krieg zwischen Protestanten und Katholiken im 16. Jahrhundert von Jo Baier ("Der Laden", "Nicht alle waren Mörder"), ein Film über "Liebe, Lüge, Leidenschaft und Kampf für Gerechtigkeit", kommt im März 2010 in die Kinos. Er ist nicht nur einer der teuersten deutschen Filme der letzten Jahre, sondern auch Zieglers wohl bisher risikoreichstes Projekt, wie sie selbst einräumt.
An dem Projekt mit dem außergewöhnlichen Budget von rund 19 Millionen Euro arbeiteten Jo Baier und die Mitautorin Cooky Ziesche bereits seit sieben Jahren - "für eine mittelständische Firma wie meine ist das ein gehöriger Schluck aus der Pulle, diesmal fehlen 1,8 Millionen, das ist mein Risiko", wie Ziegler im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" meinte. Darsteller sind unter anderem Julien Boisselier, Joachim Król, Ulrich Noethen, Hannelore Hoger und Devid Striesow.
Auf Zieglers TV-Produktionsliste der letzten Zeit standen unter anderem eine neue Folge der "Landärztin" und Projekte wie "Kinder des Sturms" mit Felicitas Woll, "Das Echo der Schuld" nach dem Roman von Charlotte Link, eine neue "Tatort"-Folge mit Dominic Raacke und Boris Aljinovic oder "Die Frau, die im Wald verschwand" mit Matthias Brandt und Karoline Eichhorn.
Gefragte Adresse in Filmgeschäft
Mehr als 400 von Ziegler-Film (auf dessen Signum eine Mutter mit Kind eine rote Fahne schwenkt) produzierte Filme decken nahezu jedes Genre ab - Spielfilme für das Kino, TV-Movies und -Serien, Sitcoms, Dokumentationen und sogar Aufzeichnungen berühmter Theaterinszenierungen von Peter Stein oder Luc Bondy. Zu Zieglers Filmen gehörten "Solo für Klarinette" mit Götz George, "Im Schatten der Macht", "Der Verleger" oder die Doku-Fiction "2030 - Aufstand der Alten" und "Kamikaze 1989" mit Rainer Werner Fassbinder in der Regie ihres Ehemannes Wolf Gremm (1982).
Ziegler, die inzwischen ihre Tochter Tanja Ziegler als Produzentin in die Firma geholt hat, hatte von 1965 bis 1973, in die auch die unruhigen Jahre der Studentenrevolte fielen, als Redaktions- und Produktionsassistentin beim damaligen Sender Freies Berlin (SFB) angefangen, dem heutigen Rundfunk Berlin-Brandenburg. Im Alter von nur 29 Jahren machte sie sich dann 1973 bereits mit ihrer Firma Regina Ziegler Filmproduktion selbstständig und avancierte zu einer der gefragtesten Adressen im deutschen Filmgeschäft. Das zeigen auch zahlreiche Auszeichnungen wie Oscar-Nominierungen (u.a. für "Fabian" von Wolf Gremm 1978) und Preise wie der Bundesfilmpreis. 2006 wurde Regina Ziegler mit einer Retrospektive im Museum of Modern Art (MoMA) in New York geehrt.