Wirtschaft

Arcandor-Rettung Runder Tisch soll's richten

Die Bundesregierung will miit Unternehmens- und Bankenvertretern am Runden Tisch über eine Rettung von Arcandor beraten. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums soll dabei geprüft werden, ob das Unternehmen die Kriterien für eine staatliche Finanzhilfe erfüllt.

Karstadt_Arcandor.jpgDie Bundesregierung will noch heute mit Unternehmens- und Bankenvertretern am Runden Tisch über eine Rettung des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor beraten. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums soll dabei geprüft werden, ob das Unternehmen die Kriterien für eine staatliche Finanzhilfe erfüllt. Arcandor erklärte, dass die Karstadt-Mutter neben staatlichen Bürgschafts- und Kredithilfen im Rahmen des Wirtschaftsfonds Deutschland nun auch einen Rettungsbeihilfe-Kredit über 437 Mio. Euro beantragt hat. Damit sollen zum 12. Juni auslaufende Kredite ersetzt werden. Gelingt das nicht, droht nach Konzernangaben die Insolvenz.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sieht aber noch offene Fragen zu der beantragten Rettungsbeihilfe, über die so schnell wie möglich entschieden werden soll. Zu den Chancen einer Genehmigung wollte sich der SPD-Politiker denn auch in Langenfeld bei Düsseldorf nicht äußern. Besonders wichtig sei, welche Beiträge die beiden großen Aktionärsgruppen des Konzerns zu dessen Rettung leisten werden. Gefragt werden müsse auch, welche unternehmerischen Konzepte dafür entwickelt werden könnten.

Eigentümer gefragt

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ließen mitteilten, dass sie sich ein stärkeres Engagement der Eigentümer wünschen. Merkel habe zudem in den letzten Tagen wiederholt deutlich gemacht, dass eine privatwirtschaftliche Lösung wünschenswert sei, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.

Mit dem angestrebten Rettungsbeihilfe-Kredit, den die EU-Kommission nach Angaben des Wirtschaftsministeriums ebenfalls schnell prüfen will, könnte Arcandor sechs Monate lang Luft bekommen, um sich die für den Geschäftsbetrieb erforderliche Liquidität beschaffen. CSU-Politiker Guttenberg und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hätten diese Lösung empfohlen. Der Antrag auf staatliche Hilfen im Rahmen des Wirtschaftsfonds Deutschland sollen von diesen Bemühungen unabhängig weiter verfolgt werden. 

Keine Sonder-Bürgschaft

Die gewünschte Sonder-Bürgschaft im Rahmen des Fonds scheint aber versperrt. Die EU-Kommission sieht die Kriterien für eine Beihilfe aus dem Fonds, der für Unternehmen gedacht ist, die durch die Finanzkrise in Probleme geraten sind - bei Arcandor nicht gegeben. Zwar beschäftigen sich in Berlin noch Ausschüsse mit dem Antrag. Doch aus der Regierung gab es Signale, dass dieser Weg wenig Erfolg verspreche, denn die Schwierigkeiten für Arcandor stammten schon aus der Zeit vor dem 1. Juli 2008. der als Stichtag für den Fonds gilt. Ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten kommt laut "Handelsblatt" zu dem Ergebnis, dass dem Konzern neben der Zahlungsunfähigkeit die Überschuldung droht.

Arcandor steht zudem unter dem Druck, mit dem Rivalen Metro Gespräche über eine Fusion der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof zu führen. Ein Treffen zwischen Metro-Chef Eckhard Cordes und Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick soll es in Kürze geben. Eick hatte stets betont, die von der Metro ins Spiel gebrachte Fusion sei keine Alternative zur Staatshilfe. Zunächst müsse die Finanzierung gesichert werden. Nun bekräftigte Arcandor, die "finanzielle Stabilisierung" sei Voraussetzung, um in gemeinsamen Gesprächen ein "betriebswirtschaftlich sinnvolles Konzept" zu erarbeiten.

Cordes wirbt seit Tagen in Berlin für sein Konzept. Ende Juli könnte das erste Gerüst stehen, hatte Metro-Finanzchef Thomas Unger gesagt. Von 90 Karstadt-Filialen könnten 60 integriert werden. Für den Rest gebe es Interesse von einer Reihe von Handelsketten. Die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" berichtete, Bund und Länder seien bereit, den Metro-Vorstoß mit einer Rettungsbeihilfe in Form von Bürgschaften über 450 Mio. Euro mitzutragen. Metro solle 100 Mio. Euro für Karstadt geboten haben. Zum Paket zählten weitere Kapitalmaßnahmen der Arcandor-Eigentümer. Offizielle Bestätigungen dafür gab es zunächst keine.

Quelle: n-tv.de, rts

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04.09.09